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30. November 2012

Kurze Hausbesetzung im Westend: Hausbesetzer gehen freiwillig

 Von Alicia Lindhoff
Die Polizei beobachtet das Geschehen in der besetzten Schumannstraße 2. Foto: Martin Weis

Rund 150 Personen, größtenteils Studenten, besetzen am Freitagabend das alte Justizgebäude in der Schumannstraße 2 im Westend. Nachdem die Polizei mit Räumung droht, verlassen die Aktivisten das Gebäude und demonstrieren in der Stadt.

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Rund 150 Personen, größtenteils Studenten, besetzen am Freitagabend das alte Justizgebäude in der Schumannstraße 2 im Westend. Nachdem die Polizei mit Räumung droht, verlassen die Aktivisten das Gebäude und demonstrieren in der Stadt.

Rund 150 Personen haben am Freitag gegen 16 Uhr ein ehemaliges Justizgebäude in der Schumannstraße 2 besetzt. Begonnen hatte die Aktion mit einem Aufruf, sich vor dem Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim zu versammeln. Die meisten der dort um 15 Uhr Zusammengekommenen – in der Mehrzahl Studenten – geben an, gar nicht zu wissen, was die Initiatoren der Versammlung geplant hätten.

„Wastend“ lautet der offizielle Name des Bündnisses, das die Besetzung organisiert hat. Das Objekt der Begierde ist denn auch ein klassisches Westendhaus: Unter der Adresse Schumannstraße 2 verbirgt sich ein stattlicher Gründerzeitbau. Typisch Westend ist auch, dass das ehemals vom Frankfurter Amtsgericht genutzte Gebäude seit Jahren leer steht.

Gut vorbereitet

Dort angekommen, macht sich eine kleine Gruppe von Aktivisten von einem Transparent verdeckt an der Eingangstür zu schaffen. Nachdem diese geöffnet ist, zeigt sich, wie gut die Besetzer vorbereitet sind. Per Menschenkette schleppen sie Schlafsäcke, Paletten, Musiktechnik, Werkzeug, Getränke und vieles mehr ins Haus.

Im Innern erkunden die immer zahlreicher werdenden Aktivisten die vielen Räumen, denen man den langen Leerstand durchaus ansieht. Bröckelnder Putz, Haufen mit Unrat in den Ecken und lose Kabel prägen das Bild.
Aus dem ersten Stock hängt bald ein schwarzes Transparent. „Häuser besetzen bleibt legitim und notwendig“ steht darauf.

Wanja Korv, ein Sprecher des Bündnisses „Wastend“, erläutert das Ziel der Besetzung folgendermaßen: Es solle ein Zentrum werden für „wilde Theorie“, das sich der Prekarisierung städtischer Lebensverhältnisse entgegensetze.

Etwa anderthalb Stunden bleiben die Besetzer unbehelligt. Trotz der Transparente, der bunten Luftballons, die das besetzte Haus schmücken und der vielen Menschen, die in Grüppchen davorstehen, würdigen die meisten Passanten das Spektakel nur mit einem kurzen Blick.

Spontane Demo

Ab fünf Uhr postiert sich eine kleine Gruppe Polizisten vor dem Haus, macht aber noch keine Anstalten einzugreifen. Eine Stunde später berichtet Korv dann von rund 100 Beamten, die sich in „martialischer“ Aufmachung samt Hund und Sturmhauben vor dem Haus postiert hätten. Die Polizei habe mit einem Bevollmächtigten des Eigentümers gesprochen – der aus dem Gebäude ein Hotel machen will.

Als dann, gegen 19 Uhr, die Polizei mit Räumung droht, gehen die Besetzer freiwillig. Sie finden zu einer spontanen Demonstration für bezahlbaren Wohnraum zusammen und ziehen durch die Stadt.

Nach Angaben der Polizei sei es durch die Demonstration mit ihren zum Teil stark alkoholisierten Teilnehmern in der Stadt zu „erheblichen Verkehrsbehinderungen“ gekommen. Man habe die Personalien von zwei Teilnehmern aufgenommen, die versucht hätten, Beamte körperlich anzugreifen.

Nach Darstellung von Bündnis-Sprecher Wanja Korv sei die Polizei, nachdem sich die Demonstration aufgelöst hatte, in der B-Ebene sehr aggressiv vorgegangen. Beamte hätten sich einzelne Teilnehmer herausgegriffen. Es habe Verletzte gegeben. Eine Person sei mit dem Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht worden.

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