Traurig lässt Maximiliane Peikert-Regelien von ihrem großen Balkon im elften Stock einer Wohnanlage in der Inheidener Straße den Blick über Frankfurt. schweifen. „Lange werde ich den Balkon nicht mehr nutzen können“, bedauert sie. Denn nach den bisherigen Plänen werden ihr die Ausfahrt des Riederwaldtunels sowie das Autobahndreieck Erlenbruch vor die Nase gesetzt. Der eingeplante Schallschutz ist ungenügend, wie das „Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn“ (AUA) bei einer Pressekonferenz bekannt gab.
Besonders betroffen sind in Bornheim die Kettelerallee, die Inheidener- sowie die Buchwaldstraße. Eine vier Meter hohe Lärmschutzwand, die teilweise sogar unterbrochen ist, soll Peikert-Regelien und ihre Nachbarn vor dem Tosen der heranbrausenden Autos schützen. „Das bringt gar nichts. Wir bilden die Lärmschutzwand für Bornheim“, sagt die 70-Jährige. Seit 2002 engagiert sie sich gegen den Autobahnausbau, fordert eine komplette Einhausung der Autobahnen A66 und A661 im Frankfurter Osten. Sie ist eine von vielen betroffenen Anliegern, die vor vier Jahren Rechtsanträge an das Land Hessen bezüglich eines nachträglichen Lärmschutzes einreichten.
In der Bürgerfragestunde des Ortsbeirats 4, zuständig für Bornheim und das Ostend, berichteten betroffene Anwohner über ihre Sorgen und Ängste. Der Ortsbeirat zeigte Verständnis, aber mahnte zu mehr Geduld.
Wir sollten abwarten, noch steht nichts endgültig fest, da kann sich noch einiges tun“, so Bodo Pfaff-Greifenhagen (CDU). „Am besten wäre eine Einhausung bis nach hinten. Eine realisierbare Lösung zu finden, ist ein langer Prozess“, sagt Volker Wolf (SPD).
Ich verstehe die Nervosität und den Informationsbedarf, der in der Bevölkerung herrscht. Aber man sollte erst einmal abwarten und sich nicht aufregen – weil sich etwas ändert“, so Marlene Riedel (Grüne).
Unzumutbare Zustände für die direkten Anwohner will auch der Ortsbeirat nicht. „Wir müssen die Planung für die Anwohner erträglich machen. Bisher liegt aber nur eine Vorstufe vor“, sagt Blanka Bundschuh (Grüne).
Den Verkauf der Gartengrundstücke im Riederwald bewertet Volker Marx (Linke) kritisch. „ Leute unter Druck setzen und mit Enteignung drohen. Das darf nicht sein.“
Sieben Millionen Euro bewilligte das Bundesverkehrsministerium nachträglich. Doch das ändert nichts. „Bei uns ist es immer noch zu laut“, sagt Peikert-Regelien. Die Hanglage Bornheims erhöht den Schallpegel von Autobahndreieck und Riederwaldtunnel. Tunnelmundeffekt heißt das, was die Anwohner zusätzlich beunruhigt. „Am Ausgang eines Tunnels kann der Lärm der Autos um bis zu zwölf Dezibel steigen“, sagt Wulf Hahn vom Planungsbüro RegioConsult, das im Auftrag der Klagegemeinschaft einige Schallgutachten untersuchte.
Was dabei herauskam, ist wenig zufriedenstellend für Anwohner und das AUA. Falsche Verkehrszahlen, fehlende Kosten-Nutzen-Analysen einer Kompletteinhausung, keine Erfassung aller Wohngebiete. „Damit geben wir uns nicht zufrieden, wir fordern eine Kompletteinhausung und ordentliche Gutachen“, sagt AUA-Sprecher Friedhelm Ardelt-Theeck, der auch vor einem langjährigen Rechtsstreit nicht zurückschreckt.
Lärm, Staub und eingeschränkte Lebensqualität
Am Bornheimer Hang befinden sich einige Spielplätze und Schrebergärten. „Wie soll denn hier noch ein Kind spielen?“, fragt Peikert-Regelien. Lärm, Staub und damit eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität bringt die bisherige Planung mit sich. Nicht nur für die Bornheimer.
Bei der Sitzung des Ortsbeirats 4 am Dienstagabend waren Bürger aus dem Riederwald zugegen, die sich mit dem Aktionsbündnis vernetzen wollen. „Die Bürger müssen einfach besser informiert werden“, forderte Annette Scherf.
Die Anwohnerin aus dem Riederwald erzürnt vor allem der Druck, der auf die Gartenbesitzer ausgeübt wurde. „Sie mussten ihre Grundstücke für einen Spottpreis an die Stadt verkaufen.“ Die das Land für teures Geld an Investoren verkauft und damit die Teileinhausung refinanziert. Einig ist man sich in allen betroffenen Stadtteilen. „Wir kämpfen weiter“, sagt Peikert-Regelien entschlossen.

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