Fledermäuse sind lichtscheue Wesen. Eine beleuchtete Baustelle und nächtliche Arbeiten am künftigen Riederwald-Tunnel sind deswegen tabu, wie die Experten des Hessischen Amtes für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) um Projektleiter Jürgen Semmler am Montagabend dem zuständigen Ortsbeirat 11 berichteten. Auf die kleinen Wesen am Erlenbruch wird Rücksicht genommen. Auf die Bedürfnisse der Anwohner nur, wenn es den Bund als Bauherrn möglichst wenig kostet und als Reaktion auf juristische Klagen - so empfanden es Besucher der Ortsbeiratssitzung.
Sieben Millionen Euro hat das Bundesverkehrsministerium (BMV) für Nachbesserungen zum Lärmschutz an der sogenannten Ostumgehung sowie an der Riederwald-Autobahn A66 zugestanden. Gemessen an der Gesamtbausumme von 175 Millionen Euro sind das nur vier Prozent. Eine „viel zu geringe Summe“, wie nicht nur Ortsbeirats-Mitglied Detlef Stange (FDP) befand, sondern auch die Bürger, die bei der lebhaften Diskussion dabei waren.
Der Zeitplan für den Bau der Autobahnverbindungen im Frankfurter Osten umfasst drei große Etappen.
Von Mitte 2012 bis Anfang 2014 sollen entlang der A66 im Riederwald sämtliche Rohr- und Kanalleitungen verlegt und die vorbereitenden Maßnahmen unter der Erde abgeschlossen werden.
Anfang 2013 soll mit dem Bau des Autobahndreiecks Erlenbruch sowie mit den Vorarbeiten für die Tunnelröhre am Riederwald begonnen werden. Der Tunnel selbst soll zwischen Anfang 2014 und 2019 entstehen.
Im letzten Bauabschnitt folgt zwischen 2016 und 2019 die Fertigstellung der Anschlussstelle Borsigallee, die neue Autobahn A661/A66 soll in acht Jahren für den Autoverkehr komplett zur Verfügung stehen.
ASV-Lärmschutz-Experte Dieter Langer bemühte sich redlich, Nachbesserungen mit einer Handvoll neuer und einer Reihe von drei auf sechs Meter aufgestockter Lärmschutzwände als Erfolg in den Verhandlungen mit dem BMV dazustellen. Nach der Bornheimer Seite hin soll auf der Ostumgehung sogar eine acht Meter hohe Wand als Lärmschutz dienen. Im Zentrum der „Nachrüstungen“ steht Langer zufolge der offenporige Asphalt, der auf der A661, zwischen der Anschlussstelle Friedberger Warte und dem künftigen Autobahn-Dreieck Erlenbruch, eingesetzt werde. Damit werde eine „der längsten Strecken in ganz Hessen“ mit dem sogenannten Flüsterasphalt bedeckt.
Dank des ergänzenden Lärmschutzes würden entlang der A661 nur noch bei 96 Haushalten die Grenzwerte überschritten, statt bei 1359 Haushalten, wie es nach der vorherigen Planung der Fall war. An der A 66 sind die Werte noch bei 370 Haushalten zu hoch, im Vergleich zu 940 Haushalten nach der alten Planung. Dort, wo es vor allem nachts lauter sein wird als erlaubt, sollen die Anwohner Lärmschutzfenster erhalten oder über Geldzahlungen entschädigt werden.
Die Situation sei nun „massiv besser geworden“, betonte Projektgruppenleiter Heiko Schmitt, während im Auditorium Widerspruch laut wurde. Anrainer forderten den großen Wurf. „Wir haben jetzt ein paar mehr Lärmschutzwände in der Landschaft, mehr ist nicht herausgekommen“, so das Fazit von Stefan Klee. „Das ist nicht genug.“
Einhausung gefordert
Mit einem Plädoyer für die komplette Einhausung wandte sich Friedhelm Ardelt-Theeck vom „Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn“ (AUA) an die Planer vom ASV. „So kann es nicht weitergehen. Ich appelliere an Sie, die vollständige Einhausung zu planen, damit die Lebensqualität im Osten Frankfurts erhalten bleibt!“ Sollte das, was im „11er“ vorgetragen wurde, das letzte Wort sein, prophezeite Ardelt-Theeck einen langjährigen Rechtsstreit, in dessen Folge dieses Verkehrsprojekt gründlich verzögert werde: „Wir werden mit unseren Klagen Erfolg haben wie der BUND mit seiner Klage“, so der AUA-Sprecher in Anspielung auf den Erfolg der Umweltschützer. Die haben juristisch durchgesetzt, dass der Grünzug am Erlenbruch erhalten bleibt und die Trasse der Riederwaldautobahn um sechs Meter nach Süden verlegt werden muss. Der Grund: Schutz eines Lebensraumes für Fledermäuse.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.
Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Facebook | Twitter überregional | Google+