Vor dem Landgericht muss sich seit Mittwoch ein 53 Jahre alter Mann wegen Betrugs verantworten. Ihm wird vorgeworfen, von 2007 bis 2011 eine Handvoll gutgläubige Menschen um mehr als 685.000 Euro gebracht zu haben – mit der bemerkenswerten Behauptung, er sei der uneheliche Sohn von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, erwartungsfroher Millionenerbe, aber gegenwärtig leider etwas klamm.
Die Räuberpistole, die der Angeklagte damals erzählte, klingt atemberaubend. Er sei der rechtmäßige Erbe des Krupp-Vermögens, werde aber von der Familie und der feinen Gesellschaft geschnitten, weil er homosexuell und magersüchtig sei – und eine sinistre Verschwörertruppe, angeführt von Quandt-Erbin Susanne Klatten, dem Pipi-Prinzen Ernst August von Hannover und dem Bleistifttycoon Graf von Faber-Castell wolle ihn mit Anwaltshilfe um sein Erbe prellen. Für diesen Prozess brauche er Geld.
Er habe nicht um Geld betteln müssen, sagt er jetzt vor Gericht. Man habe es ihm, dem Krupp-Sohn, geradezu aufgedrängt. Manche mit der Aussicht auf einen Farbfernseher, einen Oldtimer, eine lobende Erwähnung in seinem Testament oder auch nur einer Rendite im dreistelligen Bereich.
Die hanebüchene Geschichte hatte er sogar vom Landgericht Frankfurt beglaubigt, mit Briefkopf und Unterschrift des real existierenden Richters Drescher, der allgemein als im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte angesehen wird. Der hat davon auch nichts gewusst, denn die Beglaubigung hat sich der vom Gericht schon mehrfach Verurteilte selbst zusammengebastelt. Aus alten Vorladungen, in einem Internetcafé. Als Beweis, wenn jemand mal misstrauisch wurde. Was selten der Fall war. Völlig normale Menschen drehten plötzlich durch und steckten dem vermeintlichen Millionenerben bis zu 200.000 Euro zu.
Als Motiv nennt der voll geständige Hochstapler die ewige Suche nach „Ansehen, Respekt, Geltung, Liebe“. Die 685.000 Euro hat er trotzdem ausgegeben, aber immerhin nicht verprasst, sondern nach eigenen Angaben in Daddelautomaten, Drogen, Unterhaltungselektronik und die Organtransplantation eines Internet-Freundes aus Kenia investiert.
Der Prozess wird fortgesetzt.

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