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Frankfurt
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24. November 2014

Lebensqualität in Frankfurt: Von der Skyline zum Bordstein

 Von Hannah Weiner
Lebensqualitätsforscher Stefan Bergheim.  Foto: christoph boeckheler*

Arbeit, Bildung, Sicherheit und Zusammenleben: Stefan Bergheim entwickelt in seiner Denkfabrik „Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt“ Visionen für ein besseres Frankfurt.

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Stefan Bergheim will verstehen, wie die Welt funktioniert. Früher glaubte er das durch Volkswirtschaft (VWL) erreichen zu können, machte in der Bankenbranche Karriere und jettete um die Welt. Heute beschäftigt er sich in seiner kleinen Denkfabrik „Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt“ mit der Steigerung von Lebensqualität und -zufriedenheit vor seiner Haustür in Frankfurt. Seine Ziele sind jetzt Nachbarschaftsfeste und diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die sonst keiner hört. Statt in London ist er nun in der Bahnhofsmission unterwegs.

Der 47-Jährige mit dem schmalen Gesicht, der randlosen Brille und dem passgenauen Anzug ist noch immer Ökonom durch und durch. Er sprich viel von Humankapital, Bruttoinlandsprodukt und Konjunkturdaten. Studiert hat Bergheim VWL in Saarbrücken. Von früher Kindheit an haben ihn christliche Werte geprägt, er war Pfadfinder und Ministrant. „Sich für andere zu interessieren, jeden Tag eine gute Tat zu tun“, sagt er, „finde ich nach wie vor ausgesprochen sympathisch.“

Eine Zukunftsforschungsgruppe

Doch auch das wirtschaftliche Denken gefiel ihm. „Es war unglaublich spannend, so die Welt besser zu verstehen.“ Viereinhalb Jahre Studium reichten Bergheim dafür nicht. Er ging in die USA, nahm an einem Doktoranden-Programm teil, brach dieses aber ab, weil er dort nicht fand, was er suchte. Viel besser gefiel ihm das Praktikum in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Deutschen Bank in Frankfurt. „Das war näher an der Realität, da war mehr Leben drin.“

Mit 27 Jahren begann er seine Karriere in der Bankenbranche: Kapitalmarktanalyst der Dresdner Bank, Training in London, Dienstreisen nach New York. Als junger Mann sei das toll gewesen, erzählt er. „Wow, die Welt will wissen, was ich zu erzählen habe.“ In diesen Jahren wurde der gebürtige Franke zum Frankfurter, zog erst nach Rödelheim, später in den Dornbusch. Bald warb Merrill Lynch ihn ab. Von nun an musste er „richtig Gas geben“, von halb 8 bis 20 Uhr arbeiten. Die Bank wollte ihn im Marketing-Bereich einsetzen, doch „bei aller Liebe und bei allen dicken Schecks“, so wollte er nicht arbeiten. Wichtiger war dem Ökonom „mit Substanz volkswirtschaftliche Analyse zu machen“.

Also ging er zu Deutsche Bank Research, wo eine Zukunftsforschungsgruppe aufgebaut wurde, die sich mit längerfristigen Themen beschäftigte, mit Demografie, Altersvorsorge und Arbeitsmarktanalysen. Nebenbei promovierte Bergheim. Doch langsam verstand er, dass die Sichtweise der VWL nicht reicht, um zu verstehen, wie die Welt funktioniert. Eine Bekannte habe damals zu ihm gesagt: „Stefan, es gibt doch mehr als nur das Bruttoinlandsprodukt.“

Verschiedene Bereiche des Stadtlebens

Ab dann las er Psychologen und Soziologen und ihm wurde ihm klar: „Die VWL-Modelle, die ich lernen durfte, haben mit der Realität nichts zutun.“ Zudem wurde 2008 seine Tochter, 2010 sein Sohn geboren. Bergheim dachte an die zukünftigen Fragen seiner Kinder: „Papa, was hast du gemacht, um die Welt zu verbessern? Vorstandsvorlagen geschrieben?“ Also interessierte er sich nun für „weichere Lebensqualitätsthemen“ und gründete 2009 das Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt mit der Grundidee, eine zukunftsformende Dienstleistung für die ganze Gesellschaft anzubieten.

Ehrenamtliche Mitarbeiter widmen sich nun verschiedenen Bereichen des Stadtlebens, wie Arbeit, Bildung, Sicherheit und Zusammenleben. Es geht nun nicht mehr um Leistung und Optimierung, sondern um Nachbarschaftsfeste und Repair-Cafés. Ein Projekt der Denkfabrik ist „Schöne Aussichten – Forum für Frankfurt“. In diesem Jahr befragte Bergheims Team dazu Frankfurter aller gesellschaftlichen Bereiche nach ihrer Lebenssituation und den Zukunftswünschen. Darauf aufbauend sollen erst Visionen und später Strategien entwickelt werden, um das Leben in der Stadt, und damit auch den künftigen Lebensraum von Bergheims Kindern, zu verbessern.

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