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Interview und Video: Lehrstück für große Klappen

Henny Nachtsheim alias Maddes über seine preisgekrönten Videos zur Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011.

Charly und Maddes - für die Frauen.
Charly und Maddes - für die Frauen.
Foto: video

Herr Nachtsheim, wann haben Sie das erste Frauenfußballspiel gesehen?

Das hab ich gesehen, als ich selbst daran teilgenommen habe. Ich habe mal in einer Promi-Mannschaft am Bornheimer Hang gegen die Frauen vom 1. FFC Frankfurt gespielt.

Der Sieger

Henny Nachtsheim ist eine Hälfte von Badesalz, ehemaliges Mitglied der Rodgau Monotones und einer der wichtigsten hessischen Komödianten und Musiker.

Für die Frauenfußball-WM hat er drei Videos gedreht. Für „Frauenfußball auf Hessisch“ ist Nachtsheim mit dem Deutschen Preis für Online-Kommunikation ausgezeichnet worden. Eine 30-köpfige Jury, meist Sprecher großer Unternehmen und Konzerne, haben den Spot als den Besten des Jahres 2011 eingestuft. (schu)
www.frankfurt.de/media/amt13/video/Stadion_Dauer.flv

Wie ist es ausgegangen?

Es ist relativ deutlich ausgegangen, ich glaube, am Ende stand es 11:4 für die Frauen. Es lag aber auch daran, dass wir Thomas Koschwitz im Tor hatten.

Wie haben Sie die Niederlage verkraftet?

Ich hab danach mit den Jacob-Sisters Kuchen gegessen und alles kompensiert.

Wie sind Sie darauf gekommen, die Spots für die Frauen-WM über Vorurteile aufzubauen?

Wir haben in den letzten Jahren viele gute Frauenspiele gerade auf internationaler Ebene gesehen. Ich bin verblüfft gewesen, wie schnell die Spiele geworden sind. Aber man merkt dann immer in Gesprächen etwa mit meinen Kumpels, die toleranter sind, die zum linksliberalen Spektrum gehören, dass die dann sagen, Frauenfußball, na ja, ist okay, aber das braucht man nicht wirklich. Dann sage ich, die sind doch wirklich gut geworden, gewinnen die Weltmeisterschaft. Dann sagen sie, ja, nach außen kann man das ja sagen, aber mal im Ernst, so unter uns… Da hab ich gemerkt, das Thema Vorurteile gegen Frauenfußball ist noch nicht vom Tisch. Das hab ich einfach so genommen als Thema. In den Spots werden Männer, die die große Klappe haben, eines Besseren belehrt.

Wie läuft das ab?

Im einen Fall lauft es zwangsläufig ab, weil die Kommissarin die neue Chefin der Hauptperson im Film ist. Sie spielt gleichzeitig im Fußballverein. Das ist Sandra Smisek. Im anderen Fall bei Charly Körbel ist es jemand, der glaubt, dass er Charly Körbel auf seiner Seite hat und begreifen muss, dass Körbel weiter ist als er selbst. Das hat super geklappt, weil wir mit Charly improvisiert haben. Das kommt dann glaubwürdiger rüber als wenn man es spielt.

Welche Reaktion haben Sie auf die Videos bekommen?

Ich habe eine Menge Resonanz bekommen, gerade in den ersten Tagen, als sie ins Netz gestellt worden sind und wir von Badesalz einen Newsletter verschickt haben mit dem Hinweis auf die Videos. Mir haben massenhaft Leute geschrieben und gratuliert.

Zeigen die Videos eine spezielle Form des Frankfurter Humors?

Die Grundidee der Videos hätte auch in Norddeutschland spielen können. Die Videos sind geprägt durch das hessische Gebabbel. Diesen Opportunismus kann man im Hessischen besonders gut darstellen. Aber dass Leute über irgendwas meckern, das ist international. Ich hab es halt so gespielt, wie ich es am besten kann.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie gewonnen haben?

Am Abend, als wir in Berlin waren. Ich wusste bis zehn Tage vorher nicht einmal, dass ich eingereicht worden bin von der Stadt Frankfurt für den Deutschen Preis Online-Kommunikation. Das hat Nikolaus Münster gemacht, der Leiter des Presse- und Informationsamtes. Auf einmal bekam der eine E-Mail, dass wir unter mehreren hundert Einsendungen in der Kategorie ,Imagefilm im Netz’ unter den letzten dreien sind. Da dachte ich, Platz 3 ist auch schon geil. Am Mittwochabend bin ich noch in der Käs’ aufgetreten, nach dem Auftritt im Auto nach Berlin gefahren. Morgens um 10 Uhr mussten wir der Jury noch mal erklären, warum wir das so gemacht haben. Aber wir haben es gut erwischt und waren sehr fröhlich. Trotzdem haben wir nicht damit gerechnet, auch wegen des unheimlich tollen Mercedes-Benz- Films. Abends waren wir dann alle ziemlich überrascht.

Interview: Jürgen Schultheis

Datum:  18 | 4 | 2011
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