Allerhand los auf dem Main an einem sonnigen Samstag im Spätsommer: Lastenkähne, Ausflugsschiffe mit lauter Schlagermusik, emsige Ruderer, Schwäne, Enten, Gänse – aber keine Schwimmer. Seit 1953 ist das Baden im Main verboten, die SPD kämpft aber schon seit sieben Jahren für einen Kompromiss: ein Badeschiff. „Das wäre richtig klasse für Frankfurt“, betont Petra Tursky-Hartmann, die mit Parteikollegen und Vereinsfreunden vom Frankfurter Badeschiff e.V. bei strahlendem Sonnenschein am Eisernen Steg für das Projekt wirbt. In großen europäischen Städten wie Berlin und Wien gibt es solche schwimmenden Becken bereits, das in der Hauptstadt „schreibt schwarze Zahlen“.
Auch die Frankfurter, die am Main flanieren, sind von dem Projekt begeistert: „Wir wären die ersten Gäste“, erklärt eine junge Frau spontan, die erst vor einem Monat aus Schwaben in die Mainmetropole gezogen ist und mit einer Freundin die Sonnenstrahlen genießt. Für sie als Arbeitnehmerin sei aber „wichtig, dass es einen Abendtarif gibt“ – vier Euro Eintritt für eine Stunde wären zu viel.
So viel kostet der Eintritt ins Berliner Bad. Die Gesamtkosten für den Umbau eines alten Schubkahns zum Schwimmbad mit Strandbar hat rund eine Million gekostet. So viel Geld solle auch die Stadt in die Hand nehmen, um das Projekt umzusetzen, fordert die SPD-Politikerin Tursky-Hartmann. Die schwarz-grüne Mehrheit beharrt aber auf einen Investor.
Um den zu finden, schlägt der stellvertretende Vorsitzende vom Frankfurter Badeschiff-Verein, Marcus Gwechenberger, einen Architektenwettbewerb vor – dann fände sich auch ein Geldgeber. Studenten aus Köln und Rostock haben schon erste Ideen skizziert. In einem Bericht von 2008 hat der Magistrat schon geeignete Standorte genannt: den Theodor-Stern-Kai, die Ruhrorter Werft, den Molenkopf West- oder Osthafen.
Einst war das Nizza mal ein großer Badebetrieb
Am Osthafen gab es schon mal ein Schwimmbad: 1923 entstand ein 300 Meter langes Bad, an rund einem Dutzend weiteren Stellen konnte im Main geplanscht werden. In der imposantesten Umgebung bei den Mosler’schen Badebetrieben. Das „Nizza“ am nördlichen Mainufer war mit 500 Metern Länge in der Weimarer Republik Deutschlands größter Badebetrieb.
Auch 90 Jahre später übt ein Badeschiff großen Reiz. Ein Badeschiff „ist mal was anderes als ein normales Schwimmbad“ und für die Kinder etwas Besonderes, findet eine junge Oberurselerin, die mit Mann und zwei Söhnen am Main entlang spaziert. Auch ihr Begleiter findet, die Stadt solle sich dieses Projekt leisten – „da haben mehr Leute was von als vom Historischen Museum.“
So sieht das auch ein etwas älteres Paar, das auf einer Picknickdecke sitzt. „So was braucht Frankfurt“, meinen die beiden. Und: „Die Stadt könnte ruhig mal was für die Steuerzahler machen und nicht für die Touristen.“ Der Liegeplatz am Theodor-Stern-Kai wäre ihnen am liebsten, natürlich am südlichen Ufer. „In Sachsenhausen scheint länger die Sonne“, meint auch Petra Tursky-Hartmann. Um den Blick vom Schwimmbad auf die Skyline zu ermöglichen, will sie sich „jetzt mal auf die Hinterbeine stellen“ und hofft, dass die Stadt in den nächsten Monaten den Architektenwettbewerb ausschreibt.

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