Als „Frankfurt Opéra“ wird das neue Luxus-Wohlfühlhotel an der Alten Oper bereits in Medien hofiert. Gerade „des hervorragenden Standorts an einer Parkanlage“ wegen. Einen für die Nachbarn unvergesslichen Einstand geben die Bauherren von Sofitel aber durch das Abholzen geschützter Bäume in der Bockenheimer Anlage. Einen von der Stadt jetzt genehmigten Kahlschlag, wie hinzuzufügen ist.
Am Donnerstag war Ortstermin am Rand der Baugrube. Der Morgen war so eisig wie die Mienen der Menschen, die sich an den Bäumen zusammenrotteten. Heike Appel vom Grünflächenamt, die mit starren Fingern einen großen Lageplan hochhielt, nahm kein Blatt vor den Mund: „Auf der einen Seite steht ein Millionenprojekt, auf der anderen Seite stehen wir kleinen städtischen Mitarbeiter.“ Will sagen: Da an der Bockenheimer Anlage geht es um Höheres, demnach um Geld.
So werde etwa um die Größe der Tiefgarage gepokert, bestätigt Alfred Gangel im Liegenschaftsamt. Zwei Tiefgaragen-Ebenen sind genehmigt, „jetzt wollen die vier bauen“. Das aber ist „nicht vertragskonform“, informiert der Amtsleiter, unter dessen Regie die Grundstücke Opernplatz 14 und Hochstraße 44-46 verkauft wurden. Und auch nicht genehmigungsfähig, denn beim Bau in solchen Tiefen „würden Grundwasserströme behindert“. Dass acht Sumpfzypressen, Weymouthkiefern, Hainbuchen und ein Spitzahorn bereits gefällt sind und jetzt noch neun Feldahorne sowie eine Winterlinde wegkommen, habe aber nichts mit der Tiefe der Garage zu tun, heißt es. Ursache sei die Ausdehnung des unterirdischen Bauwerks bis weit in die grüne Wallanlage. So werde das Wurzelwerk der Bäume daneben beschädigt.
Bürger machen solche Sachzwänge allerdings nicht sprachlos. „Wenn die Wurzeln stören, ist die Tiefgarage zu groß“, analysierte Horst Thüling, ein älterer Herr, der wenige Schritte entfernt in der Straße Im Trutz wohnt. „Es ist meine Heimat hier“, befand er schlicht. Auch Westend-Streiterin Edith Marcello hat so unkonventionelle Ideen. Ehe man Bäume schlage, weil sie eventuell nicht mehr standfest sein könnten, möge man sie „erst mal stehen lassen und dann sehen“. „Realistisch betrachtet haben die Bäume keine Chance“, sagte Heike Appel – die ist halt vom Amt.
Das gilt auch für eine stolze Gruppe oben an der Hochstraße: zwei Zypressen, zwei Platanen und eine Roteiche. Alle fünf kommen weg, weil zu dem Hotel noch ein mächtiges Geschäftshaus entsteht. Und übrigens: Die wertvolle Winterlinde diente Fledermäusen als Wohnsitz. Damit die bloß wegbleiben, wurde ihre Höhle „von Experten verschlossen“.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.
Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Facebook | Twitter überregional | Google+