Italien ist von der Mafia vergewaltigt worden; Deutschland wurde verführt.“ Die Frau, die diese Worte nicht zum ersten Mal ins Publikum feuert, hat alles Recht dazu: Petra Reski lebt nicht nur seit fast 20 Jahren in Venedig, sie hat sich auch schon vor Jahrzehnten auf die Spuren der Mafia begeben – neugierig, intensiv, kritisch und verärgert dazu. „Von Kamen nach Corleone – die Mafia in Deutschland“ heißt das neue Buch der Autorin, die am Donnerstag zu Gast am FR-Stand war.
Kamen liegt im Ruhrgebiet, dort, wo Reski groß geworden ist und dort, wohin die Mafia mit den italienischen Gastarbeitern bereits in den 60er Jahren nach Deutschland gekommen sei. Nach dem Fall der Mauer, sagt Reski, hätten die Mafiosi ihre Fäden in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt weitergesponnen. „Die brauchen eine gute Logistik“, sagt Reski im Gespräch mit FR-Politikredakteur Viktor Funk, „eine bewegliche Clan-Bildung in Deutschland“. Diese Mafia sei auch nicht die jahrelang verfolgte sizilianische, sondern die kalabrische Mafia, die Ndrangheta, die ihre Wurzeln in den Städten San Luca und Plati hat.
Deutschland soll weiterschlafen
Reski hat in der Ich-Form geschrieben, fesselnd und mit vielen Bildern, die einem das Gefühl geben, ganz nah dran zu sein. Da ist das Beispiel Erfurt, wo der Oberbürgermeister mit Mafiageld seine Stadt wieder auf Vordermann gebracht haben soll – und alles natürlich abstreitet. Da ist aber auch der Mord von Duisburg , bei dem im August 2007 sechs Italiener ums Leben kamen. „Das war ein Unfall. Das kann die Mafia gar nicht gebrauchen“, sagt Reski. „Nun versucht sie, Deutschland wieder in den Schlaf zu bringen, in den es 40 Jahre lang gewiegt wurde.“
Die Autorin kritisiert, dass die Mafia zu wenig als europäisches Problem wahrgenommen wird, dass es keine einheitlichen Gesetze gegen sie gebe. So lange es keine Tote gibt, gebe es für Politiker keine Mafia hierzulande. „Aber die benehmen sich in Deutschland natürlich nicht wie in Sizilien.“ Vielmehr versuchten sie über wirtschaftliches Engagement Einfluss auf die Politik zu nehmen. Sie sei froh, in Italien zu leben: Dort bekäme sie mehr staatlichen Schutz als hierzulande.

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