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Magistrat Frankfurt: Eine frische Generation drängt in den Römer

Drei Neue und zwei Erfahrene stellen sich am Donnerstag der Dezernenten-Wahl im Frankfurter Römer. An der Reihenfolge ist lange herumgetüftelt worden: Kämmerer Uwe Becker (CDU) wird als Erster in den Ring geschickt.

        

Wahl-Tag: Rosemarie Heilig, Olaf Cunitz und Sarah Sorge (von links)  von den Grünen stellen sich zur Wahl als Dezernenten.
Wahl-Tag: Rosemarie Heilig, Olaf Cunitz und Sarah Sorge (von links) von den Grünen stellen sich zur Wahl als Dezernenten.
Foto: Alex Kraus

Christdemokraten und Grüne haben den allseits geschätzten 42-Jährigen für die Magistratswahlen am heutigen Donnerstag auf Platz eins gesetzt, gleichsam als Eisbrecher. Am Schluss, so gibt es die schwarz-grüne Choreographie des Wahlabends im Römer vor, stellt sich Olaf Cunitz (Grüne) der Abstimmung. Er will Bürgermeister werden und auch das Ressort Planung haben, das wiederum viele in der CDU so ungerne loslassen.

Dazwischen bewerben sich die Grünen Rosemarie Heilig und Sarah Sorge ebenso wie Cunitz erstmals um einen Dezernentenposten. Felix Semmelroth (CDU) möchte wie Becker nach sechs Jahren wiedergewählt werden.

Magistrat

Dezernenten: Der Frankfurter Magistrat hat inklusive Oberbürgermeisterin zehn hauptamtliche Vertreter, die Hälfte der Positionen steht am Donnerstag zur Wahl.

Wiederwahl: Kämmerer Uwe Becker, Felix Semmelroth (Kultur), beide CDU.

Neuwahl: Sarah Sorge (Bildung), Rosemarie Heilig (Umwelt), Olaf Cunitz (Bürgermeister, Planung), alle Grüne.

Abstimmung: Jeder der Kandidaten braucht mindestens 47 der 93 Stimmen in geheimer Wahl.

Auf Anfrage sagen alle fünf Kandidaten sinngemäß diese beiden Sätze: „Ich bin sehr zuversichtlich. Aber man soll ja nicht den Tag vor dem Abend loben.“ Zwei fügen noch hinzu: „Ich freu’ mich drauf.“ Selbstbewusstsein wird demonstriert, Überheblichkeit tunlichst vermieden.

Dabei sind die Mehrheitsverhältnisse doch eigentlich glasklar. CDU (28) und Grüne (24) haben gemeinsam 52 Sitze, das sind fünf mehr als die erforderliche Mehrheit von 47 der insgesamt 93 Stadtverordneten-Stimmen. Aber Magistratswahlen können eben auch schlimm schiefgehen. Vor mehr als 16 Jahren zerbrach Rot-Grün letztlich an Abweichlern. Das ist lange her, ins Römer-Gedächtnis hat es sich dennoch tief eingegraben.

Notwendig sind die drei Neuwahlen, weil zwei lange bewährte Kräfte aus Altersgründen ausscheiden. Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Grüne) macht nach rund 23 Jahren Mitgliedschaft im Magistrat Schluss. Edwin Schwarz (CDU) ist seit 1999 mit wechselnden Aufgaben Dezernent. Freiwillig verabschiedet sich die bald 40 Jahre alte Manuela Rottmann (Grüne). Sie möchte von Juli an beruflich andere Wege gehen. Eine neue, „frische“ Generation, so heißt es, werde künftig den Magistrat bestimmen. Die CDU denkt da bereits ihren OB-Kandidaten Boris Rhein mit, der nach ihrem Wunsch am 11. März zum Nachfolger von Oberbürgermeisterin Petra Roth gewählt werden soll.

Olaf Cunitz, Bürgermeister und Planugsdezernent

Manchmal staunt Olaf Cunitz noch immer. Dass ausgerechnet er, der 43-jährige studierte Historiker, nun der erste Frankfurter Bürgermeister aus den Reihen der Grünen werden soll. Eine „große Verantwortung“ und eine „große Ehre“ nennt der gebürtige Frankfurter das – und diese Bescheidenheit darf man ihm getrost abnehmen.

Freilich: Das ist nur die eine Seite des Olaf Cunitz. Er ist auch ein guter und geschickter Taktiker der Macht. Das hat er seit 2006 als Vorsitzender der Grünen-Fraktion an einer ganz entscheidenden Schaltstelle im Römer bewiesen.

Auch wenn Akten-Studium nun wirklich nicht zu den Lieblings-Disziplinen des Hardrock-Fans gehört: Er ist meist gut informiert und in den vielfältigen Themen der Kommunalpolitik in Frankfurt zu Hause.

Cunitz wird sich dagegen wehren, dass Repräsentier-Termine als Bürgermeister ihn auffressen. Denn als Planungsdezernent in der Nachfolge des glücklosen Edwin Schwarz (CDU) hat sich der Grüne richtig viel vorgenommen: Gemeinsam mit seinen Parteifreunden Rosemarie Heilig (Umwelt) und Stefan Majer (Verkehr) will er eine politische Achse zur ökologischen Modernisierung Frankfurts bilden.

Freilich: Die Beharrungskräfte und Widerstände, auf die ein Planungsdezernent trifft, sind groß. Seine wichtigste Aufgabe: den Wohnungsbau in der wachsenden Stadt ankurbeln. Aber es wird auch nötig sein, den Wildwuchs der Hochhäuser und Bürobauten in geordnete Bahnen zu lenken – gegen den wirtschaftlichen Druck der Investoren. Schließlich stehen noch immer 2,2 Millionen Quadratmeter Büroraum leer. (jg.)

Der Wahlkampf mit dem Topthema Fluglärm setzt der Beziehung zwischen CDU und Grünen gerade ziemlich zu. Heilig ist ja nicht nur Dezernats-Anwärterin sondern auch grüne OB-Kandidatin, die als Wahlkämpferin den CDU-Kandidaten kompromisslos zu bekämpfen hätte – und umgekehrt. Eigentlich.
Einigkeit gefordert

Im täglichen Römergeschäft und nun insbesondere bei den heutigen Magistratswahlen wird von Schwarz-Grün aber innige Einigkeit verlangt. Die Opposition hat vor den Wahlen am heutigen Donnerstag eine Generaldebatte angesetzt, während der sie genüsslich „schwarz-grüne Schizophrenie“ beim Thema Flughafenausbau auswalzen möchte.
Ein restlos angenehmer Tag wird das für die Mehrheit im Römer nicht. Geht alles gut, werden alle schwarz-grünen Stimmen eingesammelt, dann ist das für eine Koalition selbstverständlich. Läuft auch nur eine Kleinigkeit schief, dann lasten die Wahlkampfwochen noch viel schwerer auf Schwarz-Grün.

Autor:  Jutta Ochs
Datum:  2 | 2 | 2012
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