Ruhestand kennt Lilli Pölt nicht. „Ich will für die Frankfurter da sein.“ Die ehrenamtliche Stadträtin ist das seit 40 Jahren. Als Stadtverordnete und Magistratsmitglied, aber auch durch ihr soziales Engagement in zahlreichen Vereinen und Institutionen. Beim Erzählcafé der Awo erzählt Pölt am Dienstag aus ihrem Leben. Im Hintergrund läuft eine Diashow. Was bei den Bildern von Pölt auffällt: Sie grinst und lacht auf jedem einzelnen. „Ich bin eine Frohnatur. Traurig sein bringt doch nichts.“
Pölt hat viel erlebt – und immer viel gemacht. Die Frankfurterin ist auch mit 80 Jahren noch engagiert. „Ich bin eine Stadträtin zum Anpacken, muss immer etwas tun.“ Den Tatendrang hat sie vielleicht von ihrer alleinerziehenden Mutter. „Sie hat uns durchgebracht“, sagt die 1931 geborene Pölt, die früh auf sich allein gestellt war. Bis zum Krieg lebte sie mit ihrer Mutter im Westend, wurde dann von den Nazis verschickt, erst in die Hohe Rhön, dann nach Rheinhessen. Schnell kam sie zurück zu ihrer Mutter. „Ich bin ein Stadtkind.“
Nach den Kriegswirren zogen sie nach Eckenheim, Pölt begann 1946 ihre Lehre beim Landwaren-Großhandel. „Eine zu bekommen war schon großes Glück, das kennen viele Jugendliche heute auch.“ Ihre Berufung, oder besser eine ihrer Berufungen fand Pölt bei der Deutschen Postgewerkschaft. „41 Jahre und zwei Monate blieb ich dort“, sagt Pölt. Bis zur Pensionierung.
Ein Mann, ein Kind und ein Job
Nebenbei begann sie ihre politische Karriere, trat 1957 in die SPD ein, zog 1972 in den Römer ein und ist seit 1985 in der ehrenamtlichen Stadtregierung. „Ich als Frau wurde gut aufgenommen“, sagt Pölt, die sehr energisch sein kann, wenn es um „eine gute Sache“ geht. Ex-Oberbürgermeister Volker Hauff bezeichnete sie einmal als „Unikum“. „Nicht im positiven Sinne“, sagt Pölt und lacht. Gesundheit und Behindertenpolitik sind bis heute ihre Themen.
Nicht zuletzt wegen ihres behinderten Sohns Klaus. Bis zu dessen Tod 2004 nahm sie ihn zu den meisten Terminen mit. „Der Klaus war immer dabei.“ Ein Mann, ein Kind und ein Job. Für Pölt ganz selbstverständlich. Frankfurt habe sich verändert, sagt Pölt. Von einer bürgerlichen zu einer Bankenstadt. Auch die Politik sei anders. „Die Jungen machen immer etwas anders.“ Pölt mahnt zur Bürgernähe. „Wir müssen raus“, sagt sie. Nur wer mit den Bürgern spreche, erfahre, was sie denken und beschäftigt. In der Nordweststadt, wo sie seit einigen Jahren wohnt, gesellt sie sich gerne zu Leuten an öffentlichen Treffpunkten. „Da reden wir dann einfach über dies und das, sie fragen mich um Rat.“
Rudi Arndt, Walter Wallmann, Wolfram Brück, Volker Hauff, Andreas von Schöler und Petra Roth. Die Oberbürgermeister kamen und gingen. Pölt blieb. Auch nach der bevorstehenden Wahl will sie weitermachen. An ihrem 75. Geburtstag verkündete sie, sie werde mindestens so lange im Amt bleiben, bis wieder ein SPD-OB das Rennen mache. „Ich konnte ja nicht ahnen, dass wir so schnell wieder wählen.“ Aber Pölt sagte ja „mindestens“.

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