Fabrian Goroncy hat spätabends von der Bescherung erfahren. „Entsprechend war dann auch die Nacht.“ Dass Manchester United, das ruhmreiche britische Fußballteam, am vergangenen Mittwochabend gegen den FC Basel den Kürzeren ziehen würde – wer konnte damit auch rechnen? Nun ist ManU raus aus der Champions League, und Goroncy steht dumm da mit seinem Song. Oder?
„Ach was“, lacht der 33-jährige Wetterauer beim Besuch in der Redaktion der Frankfurter Rundschau: „Die wahren Gewinner stehen immer wieder auf. Das hat Manchester United bewiesen, und das ist auch Sir Alex Fergusons Konzept.“ Womit wir beim Thema wären. Fabrian Goroncy hat ein Lied gesungen. Ein Lied für Alex Ferguson, den Trainer von Manchester United, der jüngst Dienstjubiläum hatte: 25 Jahre bei ein und demselben Verein. Ein Lied, das im Stadion des Klubs in Nordwestengland gespielt wird. Ein Lied, das 76000 Menschen ergriffen mitsingen. Und ein Lied, das im Internet viele tausend Mal geklickt wird: „Red Is The Man (Sir Alex Ferguson)“ heißt der Song.
Wie aber kommt ein junger Hesse dazu, über eine britische Lichtgestalt zu singen? Daran ist Robin Gibb schuld. Irgendwie. Der Bee-Gees-Sänger veröffentlicht Anfang der 80er seinen Solohit „Juliet“ – und für den begeisterten Buben Fabrian Goroncy steht fest: „Ich will Sänger werden“. Was damals nicht so leicht scheint; die Familie ist „ausgestiegen“ und lebt in Italien auf dem Land. Der Vater muss einen Generator anwerfen, damit der Sohnemann sein „Juliet“ hören kann. Aber Leidenschaft zählt: Der Junge bleibt dran, pflegt sein Faible für melodische Musik, etwa von Cat Stevens und Jim Croce – und entwickelt eine charakteristische Stimme.
Auch Sympathien für die Eintracht
Zurück in Deutschland macht er in Friedberg Abitur, in Marburg das Diplom als Pädagoge, veröffentlicht Lieder auf CD und im Internet. Eines davon, „I Started A Joke“ – wieder eine alte Bee-Gees-Nummer – gefällt dem britischen Musikmanager Will Robinson so gut, dass er sich einige Zeit später an Goroncy erinnert: als er einen Sänger für das neueste Projekt seiner World Red Army sucht, die überall auf der Welt Songs für ManU singt.
„Es war mir natürlich eine Ehre, da mitzumachen“, sagt Goroncy. Sein Part ist nach zwei Studio-Tagen in London aufgenommen, er spielt Gitarre und singt. Refrain: „Sir Alex Ferguson, ein ritterlicher Champion, so viele Jahre der Chef, und wir verehren ihn, einfach der Beste, United durch und durch, für immer werden wir seine Rote Armee sein.“ Natürlich alles in Englisch, und das Rot der „Armee“ ist die Trikotfarbe des ManU-Teams. „Es gibt ja Fansongs zum Mitgrölen und solche mit Anspruch“, sagt Fabrian Goroncy. „Red Is The Man“ zähle zur zweiten Kategorie. Top-Plätze in europäischen Internet-Hitparaden geben ihm recht. Die Website „Premier League Insider“ nennt ihn prompt „einen der großartigsten Pop- und Folksänger aus Deutschland“, United-Fans loben ihn über den grünen Klee.
Bald möchte Goroncy das Lied auch bei seinen Auftritten in Deutschland singen. Bis dafür die Rechte geklärt sind, hat er genug Repertoire, nicht nur aus dem jüngsten Album „The Voice“. Vor Weihnachten sollen im Internet (fabrian-goroncy.com) weitere selbst komponierte Werke des 33-Jährigen erscheinen.
Und die Fußball-Leidenschaft – lässt sie neben ManU Platz für ein Team aus der Heimat? „Ich habe Sympathien für die Eintracht“, sagt Fabrian Goroncy, „aber Fan würde ich mich nicht nennen.“

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