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18. Januar 2012

Maredo: Nötigt Maredo Mitarbeiter zur Kündigung?

 Von Claus-Jürgen Göpfert
Die Steakhaus-Kette Maredo soll Mitarbeiter Video überwacht und unter Druck gesetzt haben.  Foto: Alex Kraus

Die Steakhaus-Kette Maredo soll Mitarbeiter unter Druck gesetzt haben. Die überwiegend ausländischen Mitarbeiter wurden Video überwacht und angeblich dazu aufgefordert, ihre Handys während der Arbeitszeit abzugeben - damit sie nicht mehr telefonieren können.

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Gerhard Jahn hat in zwei Jahrzehnten als Sekretär bei der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) „einen solchen Fall noch nicht erlebt: Das ist einmalig in Deutschland.“ Der 59-jährige spricht vom Nachmittag des 26. November 2011 im Restaurant der Steakhaus-Kette Maredo in der Frankfurter Fressgass. Nach 13 Uhr, berichtet Jahn, seien die 34 Beschäftigten, mehrheitlich Migranten, von Sicherheitsmitarbeitern in der Filiale festgehalten und „zu Eigenkündigungen gezwungen worden“.

Abgabe der Handys verlangt

Die Firma habe Beschäftigte sogar genötigt, ihre Handys abzugeben, damit sie nicht mehr telefonieren konnten. Bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt hätten 14 Angestellte danach Strafanzeige wegen Freiheitsberaubung und Nötigung gestellt. Vorwürfe, die von einem Sprecher der Maredo-Zentrale in Düsseldorf strikt bestritten werden. „Es ist niemand festgehalten worden, jeder konnte gehen oder telefonieren.“

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Doris Möller-Scheu, bestätigt, dass die Strafanzeige der 14 Mitarbeiter am 1. Dezember eingegangen ist. Über weitere Ermittlungsschritte kann sie am Dienstagnachmittag noch nichts sagen.

Verdeckte Videoüberwachung

Maredo erklärt, die Mitarbeiter in der Filiale Große Bockenheimer Straße 24 durch Videokameras und verdeckte Ermittler zuvor überwacht zu haben. Die Begründung, so der Firmensprecher: Es sei regelmäßig zu Diebstählen von Lebensmitteln und anderem Firmenbesitz gekommen. „In einer Woche wurden allein 500 Vergehen dokumentiert.“

Laut Maredo begann alles im Februar 2011 mit dem Hinweis eines Mitarbeiters gegenüber dem Filialleiter: „Die Leute klauen wie die Raben.“ Die Firma könne mit den Aufnahmen der Videokameras belegen, dass 29 Beschäftigte an den Diebstählen beteiligt gewesen seien. Über die Höhe des entstandenen Schadens ließen sich keine Angaben machen. „Wir wundern uns, dass die Gewerkschaft Leute schützt, die klauen“, so der Unternehmenssprecher.

Die Videokameras wurden laut Gewerkschaftssekretär Jahn „illegal, ohne Wissen der Beschäftigten installiert – und zwar so, dass sie nicht zu sehen waren“. Zwei verdeckte Ermittler hätten zudem im Auftrag von Maredo in der Zweigstelle gearbeitet – „der eine 14 Tage, der andere vier Wochen“.

Personalchef rückt an

Über die Vorgänge am 26. November im Restaurant gehen die Darstellungen beider Seiten weit auseinander. Einzige Übereinstimmung: Etwa um 13 Uhr fiel der Strom aus. Nach Darstellung der Gewerkschaft habe Maredo so dafür gesorgt, dass die Gäste das Haus verließen und man unter sich war. „Die rückten mit einem großen Stab aus der Zentrale in Düsseldorf an, darunter der Hauptpersonalchef und Sicherheitsleute.“

Der Sprecher des Unternehmens will dagegen nur einen normalen „Stromausfall“ bestätigen, der später dann „repariert“ worden sei. Maredo habe niemanden gezwungen, die Firma zu verlassen: „Wir wollten angesichts der Diebstähle den Leuten die Gelegenheit geben, selbst zu kündigen.“ Tatsächlich habe Maredo dann 16 Kündigungen ausgesprochen, 13 Mitarbeiter hätten „von selbst gekündigt“. Nur zwei dieser freiwilligen Kündigungen seien später wieder zurückgenommen worden.

Nach Angaben der Gewerkschaft wehren sich Mitarbeiter vor dem Arbeitsgericht Frankfurt gegen ihre Kündigung. Am Freitag, 20. Januar, wird der erste Fall öffentlich verhandelt.

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