Manchmal ist es nur die Pünktlichkeit, die erlernt werden soll, doch immer häufiger sind die sogenannten Arbeitsgelegenheiten – im Volksmund „Ein-Euro-Jobs“ genannt – eine richtig gute Möglichkeit zur Weiterbildung. Hartmut Bebendorf vom Rhein-Main Jobcenter am Hainer Weg kennt sich gut aus mit diesen Ein-Euro-Jobs: „Bei den Kunden sind die Arbeitsgelegenheiten beliebt.“ Für das Recycling-Zentrum der Werkstatt Frankfurt, wo etwa Kühlschränke repariert werden, gebe es sogar eine Warteliste. Wer die Ein-Euro-Jobs verteufelt, mache es sich „ein wenig einfach“.
2009 waren im Jahresdurchschnitt 2000 Langzeitarbeitslose in Arbeitsgelegenheiten beschäftigt, in diesem Jahr werden es 2500 sein. Im Moment gebe viele Kunden, die eine Arbeitsgelegenheit brauchen, sagt Bebendorf. Es würden aber auch „mehr attraktive Stellen“ angeboten.
Reguläre Stellen dürfen durch Ein-Euro-Jobs nicht verdrängt werden. Die
Arbeitsgelegenheiten müssen gemeinnützig und zusätzlich sein.
1,50 Euro bekommen die Beschäftigten pro Stunde, plus RMV-Ticket. Dazu kommen in einem Single-Haushalt 359 Euro Grundsicherung und die Miete. Nach dem Ein-Euro-Job können weitere
Qualifizierungsangebote folgen. ft
In der gemeinnützigen Franfurter Frauenbeschäftigungsgesellschaft (GFFB) wird von Langzeitarbeitslosen unter Anleitung ein Computer-Programm namens „Soziallotse“ entwickelt: Wo kann ich mir die Business-Kleidung für ein Bewerbungsgespräch ausleihen? Wo gibt es den Frankfurt- Pass? Welche Öffnungszeiten hat mein Bürgeramt? Solche Fragen soll der „Soziallotse“ beantworten können.
Man kann sich im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit zum Altenpflegehelfer ausbilden lassen oder zur Tagespflegemutter. Insgesamt gibt es nach Angaben von Bebendorf rund 100 verschiedene Tätigkeiten, die alle Altersgruppen und auch Alleinerziehende ansprechen. Junge Leute können den Hauptschulabschluss nachholen. Bei der Arbeiterwohlfahrt in Höchst werden 15 Jugendliche von drei Lehrern und zwei Pädagogen mit dem Ziel betreut, sie für eine Ausbildung zu motivieren.
Grundsätzlich wird eine Arbeitsangelegenheit erst dann angeboten, wenn nach Einschätzung des Persönlichen Ansprechpartners, den jeder Langzeitarbeitslose in seinem Rhein-Main Jobcenter hat, alle anderen Maßnahmen wie Bewerbungstraining oder Vermittlungs-Coaching nicht greifen.
Keine zehn Prozent lehnen Arbeitsgelegenheiten ab, sagt Bebendorf. Viele freuen sich, dass sie wieder Kollegen haben und für die Gemeinschaft etwas tun können. Sechs bis 18 Monate sind die Teilnehmer jeweils 25 Stunden in der Woche beschäftigt. Damit sie danach nicht in ein Loch fallen, beginnt schon in den letzten Monaten die Stellen-Suche. Das Jobcenter überlegt, wo der Betreffende unterkommen könnte. Der Träger der Arbeitsgelegenheit möchte seine Teilnehmer ohnehin in reguläre Arbeit vermitteln – damit seine Ein-Euro-Jobs auch künftig gut besucht werden. Caritas und Diakonie würden sich im sozialen Bereich bestens auskennen, sagt Bebendorf. Außerdem gibt es ein Spezialteam des Jobcenters mit dem Namen „Jobmobil“. Es hakt nach, wenn die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt scheitert.
Seit dem ersten Juni gibt es nun noch ein weiteres Team, „Jobfit“. Es ergänzt und unterstützt die Arbeit des Persönlichen Ansprechpartners und lädt die Arbeitslosen, kurz nachdem sie sich im Jobcenter gemeldet haben, ein, sich über ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu informieren. „Man muss die Kunden in Bewegung halten. Sie müssen sehen, da interessiert sich jemand für mich“, erklärt Bebendorf – damit aus ihnen keine „Hartzer“ werden. So werden Leute genannt, die sich mit der Arbeitslosigkeit abgefunden haben.

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