Sie feiern es als Durchbruch nach harten Verhandlungen. „Frankfurt rückt auf eine Spitzenposition als Kongressstadt vor“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Nach zwei Jahren harten Pokerns haben sich die Messegesellschaft sowie die beiden privaten Unternehmen CA Immo Deutschland und ECE Projektentwicklung geeinigt. In der Nähe des Messegeländes, an der Osloer Straße, entsteht bis Herbst 2013 ein großes Kongresszentrum.
Das Überraschende ist: Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Messegesellschaft, die Stadt (60 Prozent) und Land (40 Prozent) gehört, den künftigen Gebäudekomplex selbst kaufen und betreiben. Über wichtige Fragen schweigen die Vertragspartner eisern. Weder teilen sie den Kaufpreis mit noch die Investitionssumme für den Bau des Kongresszentrums. „Wir schwächen nicht unsere Finanzkraft“, versichert aber Kai Hattendorf, der Sprecher der Messe, auf Nachfrage der FR.
Als das Projekt 1997 auftauchte, hieß es noch Urban Entertainment Center (UEC). Die Stella GmbH, die ein Musical-Theater zum Einkaufszentrum bauen wollte, ging 2002 in Konkurs.
Die bahneigene EIM als Grundstücksbesitzerin wandelte sich später in das private Immobilienunternehmen Vivico, danach zur CA Immo.
„Das hat ein ganz schlimmes Geschmäckle“, urteilt Frank Albrecht, Präsident des Hessischen Einzelhandelsverbandes. Jetzt werde der Steuerzahler im Gegensatz zu allen ursprünglichen Zusagen an der Finanzierung des Kongresszentrums beteiligt. Gegenüber privaten Veranstaltern in Stadt und Region entstehe so „eine Wettbewerbsverzerrung“. Albrecht kritisiert scharf die mangelnde Transparenz des Millionen-Projekts.
In Kreisen der Frankfurter Immobilienwirtschaft wird der Deal am Montag engagiert diskutiert. Die Details: Die CA Immo baut das Kongresszentrum. Dazu hat sie sich in einem städtebaulichen Vertrag mit der Stadt Frankfurt verpflichtet. Es ist eine wichtige Bedingung dafür, dass CA Immo die städtische Baugenehmigung für das benachbarte, große Einkaufszentrum „Skyline Plaza“ an der Messe bekommen hat.
Zentrum ist nicht kostendeckend zu bauen
Die Messe wird nach Einschätzung von Experten vor allem aktiv, um zu verhindern, dass ein privater Konkurrent das Kongresszentrum betreibt und der Messegesellschaft damit vor ihrer Haustür Geschäft wegnimmt.
Schon vor geraumer Zeit habe sich in den Verhandlungen aber gezeigt, dass das Kongresszentrum nicht kostendeckend zu bauen sei. Dies hätten Wirtschaftsprüfer ermittelt, die auf Verlangen der Messegesellschaft hinzugezogen worden seien. Die Finanzierungslücke wird in der Immobilienwirtschaft auf etwa zwölf Millionen Euro geschätzt, die Kosten des gesamten Projekts auf bis zu 50 Millionen Euro. Deshalb sei am Ende die Messegesellschaft gezwungen gewesen, durch den Kauf der Gebäude einen Finanzierungsbeitrag zu leisten. Zu den Erfolgsaussichten des neuen Kongresszentrums äußern sich die Fachleute abwartend.
Markus Diekow, Sprecher von CA Immo, beziffert das Fassungsvermögen des größten Saals auf 1000 Personen. Das Zentrum sei in der Lage, bis zu 2400 Teilnehmer von Veranstaltungen gleichzeitig aufzunehmen – damit lasse sich auch ein großer Kongress bewältigen. Diekow bestritt, dass das Projekt im Laufe der zähen Verhandlungen geschrumpft sei: „Es ist nicht kleiner geworden.“
Vor allem im Sektor mittelgroßer und kleiner Veranstaltungen bestehe in Frankfurt Bedarf. Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Messe-Geschäftsführung, zeigt sich zuversichtlich: „Wir erschließen für eines unserer Kerngeschäfte zusätzliche Kundensegmente im Bereich der Kongress- und Tagungswirtschaft.“ Bernhard H. Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der CA Immo, sieht die Sache positiv: „Das Kongresszentrum bildet eine ideale Ergänzung zum Einkaufszentrum Skyline Plaza.“

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