Frau Paetzold, was ist eigentlich so schlimm daran, wenn es im November nicht regnet? Es reicht doch schon die Kälte …
Für uns Menschen stimmt das wohl, aber die Pflanzen sammeln jetzt noch Kraft für den Winter. Dadurch, dass der Grundwasserspiegel gesunken ist, bekommen viele Sträucher und Bäume nicht mehr genug Wasser – sie vertrocknen. Das ist besonders kritisch für immergrüne Pflanzen. Ein großes Problem gibt es auch für das Wintergetreide, das die Feuchtigkeit in der kalten Jahreszeit fürs Keimen braucht. In Teilen Norddeutschlands hatten wir diesen Monat erst 0,1 Millimeter Regen. Nicht zuletzt besteht auch trotz kühlerer Temperaturen erhöhte Waldbrandgefahr, wenn der Boden so knochentrocken ist. Die Waldbrände in Bayern sind für die Jahreszeit sehr ungewöhnlich.
Warum hatten wir in diesem November so wenig Regen?
Das liegt an dem Hochdruckgebiet, das seinen Schwerpunkt zwar über Osteuropa hat, dessen Einfluss sich aber bis nach Deutschland erstreckt. Das Hoch bekommt immer wieder Nachschub und reicht bis in große Höhen, dadurch ist es wie am Boden festgepflockt. Wir Meteorologen bezeichnen das als blockierende Hochdruckwetterlage. Damit es wieder regnet, brauchen wir ein Tiefdruckgebiet aus Nordwesten. Das kriegen wir voraussichtlich am Wochenende.
Dann wird es wieder regnen?
Ja, wir erwarten den Regen vor allem für den Norden und Nordwesten Deutschlands. Wir wissen allerdings noch nicht in welcher Menge. Da kann es sein, dass das Wasser kaum in den harten Boden eindringt. Der Süden bleibt weiterhin unter Hochdruckeinfluss trocken.
Warum sieht man trotz der Trockenheit morgens Kondenswasser auf den Autoscheiben?
Kalte Luft kann wesentlich weniger Wasserdampf aufnehmen als warme Luft. Wenn sich die Luft abends und nachts abkühlt, setzt sich die überschüssige Feuchtigkeit auf den Autoscheiben ab. Bei Lufttemperaturen unter null Grad gefriert dieses Wasser dann zu Eis.
Wenn kalte Luft weniger Wasser aufnehmen kann als warme – warum haben wir dann in der kälteren Jahreszeit öfter Nebel?
Entscheidend ist natürlich die Luftfeuchte. Wir unterscheiden dabei zwischen relativer und absoluter Luftfeuchte. Nachts haben wir im Moment manchmal 98 oder sogar 100 Prozent relative Luftfeuchte – dann ist es neblig. Die Luft enthält aber dann nur fünf Gramm Wasser pro Kubikmeter, sie ist also trotzdem recht trocken. Das merkt man auch am Hautgefühl, sobald der Nebel verschwunden ist: Die Haut wird rau und rissig.
Was hat die momentane Wetterlage mit dem Klimawandel zu tun?
Das wird man erst in einigen Jahren feststellen können, wenn die Statistiken ausgewertet sind. Waldbrandgefahr im November ist auf jeden Fall etwas Besonderes, das es bisher nicht gegeben hat.
Das Interview führte Julia Freese

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.
Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Facebook | Twitter überregional | Google+