Seit zwölf Jahren verbreitet das „Fellini“ erfolgreich italienische Lebensart am Schweizer Platz. Doch mit Dolce Vita ist bald Schluss. Inhaberin Elke Wiepen will die hohe Miete nicht mehr zahlen und macht ihr Café im September dicht. Die Aktionsgemeinschaft der lokalen Einzelhändler sieht in hohen Mieten keine akute Gefahr für die Geschäftsvielfalt an Sachsenhausens Haupteinkaufsmeile.
Im Sommer ist vor dem „Fellini“ meist kein Tisch mehr frei, und auch in der kalten Jahreszeit geben sich die Gäste die Klinke in die Hand, um bei Espresso, Cappuccino und Cornetto Zeitung zu lesen oder ein Schwätzchen zu halten. „Ich wollte ein klassisches Café, ohne großen Schnickschnack“, beschreibt Elke Wiepen ihre Geschäftsphilosophie.
Milchschaum aus Kaffeeautomaten ist im „Fellini“ tabu. Stattdessen wird die Milch von Hand geschäumt, die Kaffeebohnen sind sorgfältig ausgewählt, auf der Theke aus poliertem Metall liegt ein Korb mit süßen Hörnchen, und die Kaffeemaschine aus Italien zischt leise vor sich hin.
Der gute Kontakt zu ihren Gästen ist Wiepen genauso wichtig wie eine korrekte Crema auf dem Espresso. Viele Stammkunden nutzten das „Fellini“, um sich gegenseitig Nachrichten und Päckchen zu hinterlassen oder ihre Hausschlüssel dort zu deponieren, erzählt sie.
Der Schlüssel zum Erfolg liege allerdings woanders. „Der Schweizer Platz ist das wichtige Kapital“, erläutert Wiepen. Insbesondere in den Anfangsjahren habe man durch die gute Lage quasi automatisch die Marktführerschaft gehabt. „Am Mainufer gab es damals noch fast nichts.“
Inzwischen gebe es in Sachsenhausen jedoch jede Menge Cafés, auf deren Terrassen die Gäste bei gutem Wetter im Freien sitzen können.Gleichzeitig sei ihre Miete sukzessive angestiegen, sagt Wiepen, die eine Vollzeitkraft und mehrere Aushilfen beschäftigt.
Miete hat sich verdoppelt
Für das Lokal mit Platz für etwa 30 Gäste zahlte die Gastronomin im Jahr der Geschäftseröffnung monatlich noch rund 5000 Mark. Jetzt fordere der Hausbesitzer 5000 Euro für die Verlängerung des Mietvertrages: „Da sind wir uns nicht mehr einig geworden.“
In Sachsenhausen beobachten Bürger und Politiker jede Geschäftsschließung mit Argusaugen. Als die Buchhandlung Naacher ihren Standort an der Schweizer Straße wegen hoher Mietkosten unlängst aufgab und eine Filiale der gemeinnützigen Secondhand-Kette Oxfam an ihre Stelle trat, gab man „Immobilienbesitzern von auswärts“, die Schuld. Diese seien nur an ihrem Profit und nicht an der Entwicklung des Stadtteils interessiert, klagten die Sachsenhäuser.
Edda Reyl sieht die Sache etwas anders. „Es gibt hier viele Vermieter, die sich sehr wohl Gedanken um das Viertel machen“, sagt die Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße. Insgesamt seien die Mieten zwar hoch, aber durchaus angemessen. „Es geht um Angebot und Nachfrage. Unsere Straße ist immer brechend voll.“
Dass sich irgendwann nur noch Ladenketten die Mieten an der Schweizer Straße leisten können, glaubt Reyl nicht. „Es gibt hier so viele inhabergeführte Geschäfte wie sonst nirgends in Frankfurt. Und wenn irgendwo Leerstand ist, kommen immer welche nach.“
Für die Fans des „Fellini“ ist das natürlich nur ein schwacher Trost. „Elke, Sie hören auf“, ruft ein weiblicher Gast entsetzt, als er von den Schließungsplänen erfährt. Das „Fellini“ sei, „der ideale Treffpunkt“ im Herzen ihres Stadtteils, findet die Rentnerin vom Sachsenhäuser Berg. Hier treffe sie sich regelmäßig mit ihrer Tochter oder ihren Freundinnen und genieße die „offene Atmosphäre“. Die Schließung sei „echt schade“.

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