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Missionierungsversuch: Salafisten verteilen Koran auf der Zeil

Mit der Koranverteilung in der Frankfurter Innenstadt wollen sich Salafisten „salonfähig machen“, warnen Staatsschützer. Der Anschein der religiösen Missionierung verschleiere allerdings den politisch-ideologischen Charakter.

Jeden Samstag verteilen Mitglieder der Gruppe „Dawa-FFM“ kostenlos  die  deutschsprachige Übersetzung des  Koran vor MyZeil.
Jeden Samstag verteilen Mitglieder der Gruppe „Dawa-FFM“ kostenlos die deutschsprachige Übersetzung des Koran vor MyZeil.
Foto: Andreas Arnold

Lies! Im Namen deines Herrn, der dich erschaffen hat“, steht auf den T-Shirts der jungen Männer, die am Samstag auf der Zeil kostenlos deutsche Koranübersetzungen verteilen. Es sind die ersten Worte, die Gott nach islamischen Glauben dem Propheten Muhammad offenbart hat. Die Männer sind Mitglieder des salafistischen Missionierungsnetzwerks „Dawa-FFM“. Salafisten wollen sie nicht genannt werden. „Wir sind nur Muslime und völlig unpolitisch“, sagen sie. Das sieht der Verfassungsschutz anders.

„Die Koranverteilung scheint zunächst eine ganz harmlose Sache zu sein“, sagen die Verfassungsschützer über die am schnellsten wachsende islamistische Gruppierung. „Die Videos von der Koranverteilung sollen zeigen, dass sie eine entsprechende Akzeptanz finden. Die Salafisten versuchen, sich damit salonfähig zu machen. Es soll lediglich den Eindruck einer reinen religiösen Missionierung machen. Es verschleiert allerdings den politisch-ideologischen Charakter.“

Und diesen stufen die Verfassungsschützer als gefährlich ein. Denn das Ziel der Salafisten ist nicht nur, die Menschen zum Islam zu rufen, die sogenannte „Dawa“, sie wollen auch die Scharia, das islamische Rechts- und Normensystem, am liebsten auf der ganzen Welt einführen. Nach außen vertritt Dawa-FFM diese Meinung nicht ganz so offen.

Theologische Entwicklungen werden abgelehnt

Deren Prediger Abdellatif Rouali, der nur unter dem Namen „Sheikh Abdellatif“ firmiert, predigt in den von ihm im Internet kursierenden Videos über das islamische Recht und Verhalten. Streng nach den Regeln des Korans und der Sunna, den Taten und Aussagen des Propheten Mohammeds. Theologische Entwicklung lehnen die Salafisten als Neuerungen in der Religion ab.

„Was in Vorträgen aber tatsächlich vorkommt, ist nicht immer ganz klar, weil die Videos geschnitten werden“, sagt der Verfassungsschutz. Im März vergangenen Jahres war Roualis Wohnung von der Polizei durchsucht worden. Der Vorwurf: Er soll Muslime zum Dschihad angeworben haben. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch. Rouali bestreitet die Vorwürfe.

Kontakte zu anderen salafistischen Gruppen

Unbestritten sind die Kontakte von „Dawa-FFM“ zu anderen salafistischen Gruppen wie „Die wahre Religion“ aus Bonn. Deren Gründer Ibrahim Abou Nagie hat die Koranaktion ins Leben gerufen und schon 100.000 Exemplare drucken lassen. Wer hinter der Finanzierung steht, ist unklar. Rouali wirbt in einem Video auf arabisch für die Unterstützung des Projekts aus islamischen Ländern.

Mit hoher Regelmäßigkeit finden auch sogenannte „Islamseminare“ – meist über ein ganzes Wochenende – statt. „Islamseminare können auch eine wichtige Rolle beim Einstieg in den gewaltbereiten Islamismus spielen“, sagen die Verfassungsschützer. Dort treffe man auch auf Prediger, die deutlicher werden und dschihadistisch predigen.

So zum Beispiel Denis Mamadou Cuspert. Ein ehemaliger Rapper, der sich Deso Dogg nannte. Unter dem Namen Abou Maleeq und mittlerweile als „Abu Talha Al Almani“ singt er sogenannte islamische Nasheeds: Gesang ohne Musik. In diesen Nasheeds huldigt er Osama bin Laden und ruft unverhohlen zum Dschihad auf. „Wandert aus, wandert aus, Usbekistan, Afghanistan, wir kämpfen in Chorasan, Allahu Akbar, Allahu Akbar“, reimt Cuspert. Neben ihm sitzt Rouali, lächelnd, und stimmt in den Refrain „Allahu Akbar“ ein.

Noch deutlicher wird Cuspert auf einem Seminar in Nürnberg. „Ich bin gegen Demokratie, gegen Integration. Ich bin für die Scharia auf der ganzen Welt. Wenn einer nicht Allahs Gesetze vertritt oder gegen sie ist, den muss ich hassen“, erklärt er lapidar und ist Vorbild vieler junger Muslime und Konvertiten. Auch Flughafenattentäter Arid Uka war ein Fan von Cuspert. „Ich liebe dich für Allah Abou Maleeq“, hatte Uka unter ein Video von ihm auf Facebook geschrieben. Wenige Tage später hat er zwei amerikanische Soldaten erschossen.

Autor:  Timur Tinc
Datum:  12 | 2 | 2012
Kommentare:  13
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