Das leise Husten lässt sich nur ungefähr lokalisieren. Aus welchem der Holzkäfige, die sich im Dutzend im Keller der Pflegestation stapeln, es genau stammt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. „Das sind die Igel“, erklärt Sonja Niebergall, Vorsitzende des Vereins Wildtierfreunde, mit einem mitleidvollen Blick auf die drahtvergitterten Kästchen, „Lungenentzündung oder Lungenwürmer. Wenn die Husten, klingt das wie beim Menschen.“
Der frostige Dezember hat eine weiße Decke über das Brachland zwischen Bergen-Enkheim und Maintal gelegt. Eine naturbelassene Idylle, könnte man meinen, würde nicht schon in einigen hundert Metern Entfernung Schnellstraßen und Wohnbauten von menschlicher Präsenz künden. Dort wo Mensch und Natur aufeinandertreffen – manchmal im wahrsten Sinne des Wortes –, ist das Einsatzgebiet des Vereins Wildtierfreunde.
„Jetzt, wenn der Schnee liegt, treffen bei uns die Igel ein“, sagt Niebergall. Die meisten sind unternährt, bringen weniger als 250 Gramm auf die Waage. Mehr als doppelt soviel Masse bräuchten die Tiere, um sicher über den Winter zu kommen. Viele der Säuger sind zu spät geboren worden, andere finden in der vom Menschen dominierten Umwelt schlicht nicht mehr genug zu fressen.
60 Euro für einen Igel
Auch anderen Arten ist der direkte Kontakt zum Menschen zum Verhängnis geworden. Erst kürzlich wurde eine Biberratte aufgenommen, die von Spaziergängern betatscht und daraufhin von ihren Artgenossen verstoßen wurde. Ein Dutzend Frettchen wird ebenfalls betreut – eine Tierart, die in den letzten Jahren als Haustier in Mode gekommen ist. „Für viele Besitzer zeigt sich aber dann, dass die Pflege zu aufwendig ist – und dann landen sie bei uns.“
Im Außengelände hingegen werden Wasser- und Wildvögel betreut, die sich beim Landeanflug verletzt haben oder Opfer von Tierhassern geworden sind. Auch ein Waschbär zählt zu den „Problemkindern“ der Pflegestation, die derzeit rund 150 Insassen zählt. Etwa 2000 Tiere durchlaufen die Station im Laufe eines Jahres. „Und von Jahr zu Jahr werden es mehr“, sagt Niebergall.
Dem stehen gerade einmal 70 Vereinsmitglieder gegenüber, von denen nur ein Bruchteil aktiv mithelfen können. „Auch finanziell geht es uns ziemlich schlecht“, betont Niebergall. Zwischen 2500 und 3000 Euro muss der Verein jeden Monat in die Pflegestation investieren – dabei ist diese längst nicht mehr ausreichend.
Irgendwann in den kommenden Jahren soll in Maintal eine neue Auffangstation entstehen. Ein Platz ist schon ausgesucht, Pläne liegen bereits vor. Doch einstweilen fehlt dafür das Geld. Bis zur Verwirklichung dieses Ziels setzt man beim Verein Wildtierfreunde auf Patenschaften. „Mit 60 Euro kann man einen Igel durch den Winter bringen“, sagt Niebergall. Danach werden die Insektenfresser wieder ausgewildert, wie alle tierischen Besucher der Pflegestation. „Das gehört dazu“, sagt Niebergall, „wir geben sie der Natur zurück.“
Weitere Informationen zum Verein und das Spendenkonto finden sich auf www.wildtierfreunde.de

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