kalaydo.de Anzeigen

9.November: Mit nationaler Überzeugung

Erstmals in der Geschichte haben deutsche, israelische und amerikanische Soldaten jüdischen Gefallenen der kaiserlichen Armee zwischen 1914 und 1918 gedacht. Auf Frankfurts altem Jüdischen Friedhof am Sonntag.

Bundeswehrangehörige legen einen Kranz am Ehrenmal jüdischer Gefallener nieder.
Bundeswehrangehörige legen einen Kranz am Ehrenmal jüdischer Gefallener nieder.
Foto: FR/Boeckheler

Auch auf der Brust jüdischer Kämpfer prangte das Eiserne Kreuz“, sagte Christian Schmidt, und seine Zuhörer nickten ernst. Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium sprach am Sonntagmittag bei einer besonderen Veranstaltung auf dem alten Jüdischen Friedhof. Erstmals gedachten dort Vertreter der Bundeswehr, der israelischen Armee und des US-Militärs jüdischer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg für Deutschland kämpften und fielen.

Tausende Juden zogen zwischen 1914 und 1918 in den Krieg, wie Schmidt erklärte. Viele von ihnen kamen nicht zurück. Genau 467 jüdische Soldaten aus Frankfurt starben auf den Schlachtfeldern. Ihnen ist auf dem Friedhof ein Ehrenmal gewidmet. Dort legten die Militärs am Sonntag Kränze nieder. Ein Trompeter der Bundeswehr spielte, die Namen der 50 jüdischen Soldaten, die auf dem Friedhof an der Rat-Beil-Straße bestattet sind, wurden verlesen.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts hätten jüdische Publizisten davor gewarnt, in deutscher Uniform in den Krieg zu ziehen, sagt Schmidt. Der Staatssekretär zitierte einen von ihnen: „Weshalb kämpft ihr mit ihnen? Egal, was ihr tut, alles wird vergebens sein.“

Nachfahren bei der Bundeswehr

Doch die meisten jüdischen Soldaten ließen sich davon nicht abhalten. „Sie kämpften tapfer und zumeist mit nationaler Überzeugung und einem Stück Pathos“, sagte Schmidt. Diejenigen, die überlebten, bekamen nur 15 Jahre nach Kriegsende den gesamten Terror der NS-Herrschaft zu spüren. Ihr Einsatz für das Kaiserreich, selbst hohe Auszeichnungen, schützten sie nicht vor der Verfolgung. In den Konzentrationslagern starben Tausende, die im Ersten Weltkrieg noch in deutscher Uniform gekämpft hatten. Auch ihrer wurde am Sonntag auf dem Jüdischen Friedhof an der Rat-Beil-Straße gedacht.

Viele Kinder der Soldaten kämpften auch im Zweiten Weltkrieg, wie Staatssekretär Schmidt ausführte. Allerdings auf Seiten der alliierten Armeen. Sie oder ihre Familien waren noch rechtzeitig vor Beginn der Verfolgung aus Deutschland geflüchtet.

Bereits in den 50er und 60er Jahre trugen einige Nachfahren der jüdischen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg wieder deutsche Uniformen. Sie verpflichteten sich bei der Bundeswehr. Mittlerweile sei die Armee für zahlreiche Deutsche jüdischen Glaubens ein „attraktiver Arbeitgeber“, sagte Schmidt. Bei der Bundeswehr werde „die Gleichheit aller Soldaten – unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht – verwirklicht“.

Autor:  Georg Leppert
Datum:  7 | 11 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite

Anzeige


Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
        

Für diejenigen Menschen, die unter dem Fluglärm leiden, ist Frankfurt bei weitem nicht „grün“ genug.
Fluglärm in Frankfurt 
        

Wohnen in der Region: Lärm, aber noch kein Schallschutz.
Schleppende Antragsbearbeitung 
        

Nach Sonnenuntergang sollen auch die Flieger unten bleiben.
Nachtflugverbot 
Wegen der
Fluglärm Rhein-Main-Gebiet 

Anzeige

 

OB-Stichwahl in Frankfurt
Wahlergebnis Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frankfurter Kandidaten
Rhein versus Feldmann: Wer fordert was?

In Frankfurt macht der eine auf Papa, die andere würde gerne die neue Landebahn bepflanzen. Und wer ist nochmal dieser Herbert? Checken Sie Ihr Wissen über die OB-Kandidaten.

OB-Wahl in Frankfurt
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Machtkampf nach OB-Wahl in Frankfurt 
        

Zählt die Tage bis zum Amtsantritt: Peter Feldmann.
Neuer Oberbürgermeister Frankfurt 
Der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bringt ein neues Team mit.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Prinz Asfa-Wossen Asserate.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 

Anzeige

 
Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

Instrument lernen in Frankfurt
Trompete steht bei kindern hoch im Kurs.

Musik ist etwas Wunderbares - besonders wenn man selbst ein Instrument erlernt. Doch welche Schule in Frankfurt ist für wen die richtige?

Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.

Spezial

Mit gutem Gewissen investieren und gleichzeitig Geld verdienen? Die FR schaut, wie erfolgreich Firmen und Fonds dabei sind.

Freizeittipps
Der Autor bei der Arbeit an Miniaturen.
Zeichnen für Hobbykünstler 
        

Newcomerin mit Potenzial: Laura-Mary Carter.
Blood Red Shoes 
Radeln mit Antrieb: Das Elektrofahrrad.
Elektroräder 
Aus dem Gericht

FR-Gerichtsreporter Stefan Behr berichtet über kuriose, traurige, aufwühlende und schockierende Prozesse.

Meistgeklickt
Turkish Airlines ist als Sponsor im Gespräch.
Eintracht Frankfurt 
Die Politik entscheidet am Freitag über die Organspende-Reform. Doch wissen wir wirklich, wann ein Mensch definitiv tot ist?
Organspende-Reform im Bundestag 
Ödnis oder goldener Boden? In dem Gewerbegebiet Quellenpark in Bad Vilbel soll womöglich ein riesiges chinesisches Handelszentrum entstehen.
China investiert in Hessen 
Bushido ganz zahm und ordentlich im Anzug: Der
Bushido-Hochzeit 
Spezial
Gläubige besuchen das Freitagsgebet in einer Moschee

Der Islam hat einen festen Platz in Frankfurt. Der Umgang mit der Religion muss in den Alltag integriert werden. Kein leichtes Unterfangen.

Video

Anzeige