Auch auf der Brust jüdischer Kämpfer prangte das Eiserne Kreuz“, sagte Christian Schmidt, und seine Zuhörer nickten ernst. Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium sprach am Sonntagmittag bei einer besonderen Veranstaltung auf dem alten Jüdischen Friedhof. Erstmals gedachten dort Vertreter der Bundeswehr, der israelischen Armee und des US-Militärs jüdischer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg für Deutschland kämpften und fielen.
Tausende Juden zogen zwischen 1914 und 1918 in den Krieg, wie Schmidt erklärte. Viele von ihnen kamen nicht zurück. Genau 467 jüdische Soldaten aus Frankfurt starben auf den Schlachtfeldern. Ihnen ist auf dem Friedhof ein Ehrenmal gewidmet. Dort legten die Militärs am Sonntag Kränze nieder. Ein Trompeter der Bundeswehr spielte, die Namen der 50 jüdischen Soldaten, die auf dem Friedhof an der Rat-Beil-Straße bestattet sind, wurden verlesen.
Schon Ende des 19. Jahrhunderts hätten jüdische Publizisten davor gewarnt, in deutscher Uniform in den Krieg zu ziehen, sagt Schmidt. Der Staatssekretär zitierte einen von ihnen: „Weshalb kämpft ihr mit ihnen? Egal, was ihr tut, alles wird vergebens sein.“
Nachfahren bei der Bundeswehr
Doch die meisten jüdischen Soldaten ließen sich davon nicht abhalten. „Sie kämpften tapfer und zumeist mit nationaler Überzeugung und einem Stück Pathos“, sagte Schmidt. Diejenigen, die überlebten, bekamen nur 15 Jahre nach Kriegsende den gesamten Terror der NS-Herrschaft zu spüren. Ihr Einsatz für das Kaiserreich, selbst hohe Auszeichnungen, schützten sie nicht vor der Verfolgung. In den Konzentrationslagern starben Tausende, die im Ersten Weltkrieg noch in deutscher Uniform gekämpft hatten. Auch ihrer wurde am Sonntag auf dem Jüdischen Friedhof an der Rat-Beil-Straße gedacht.
Viele Kinder der Soldaten kämpften auch im Zweiten Weltkrieg, wie Staatssekretär Schmidt ausführte. Allerdings auf Seiten der alliierten Armeen. Sie oder ihre Familien waren noch rechtzeitig vor Beginn der Verfolgung aus Deutschland geflüchtet.
Bereits in den 50er und 60er Jahre trugen einige Nachfahren der jüdischen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg wieder deutsche Uniformen. Sie verpflichteten sich bei der Bundeswehr. Mittlerweile sei die Armee für zahlreiche Deutsche jüdischen Glaubens ein „attraktiver Arbeitgeber“, sagte Schmidt. Bei der Bundeswehr werde „die Gleichheit aller Soldaten – unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht – verwirklicht“.

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