Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

14. Januar 2016

Mordfall in Frankfurt: Strafanzeige gegen Jugendamt

 Von 
Die Mülldeponie Flörsheim-Wicker, auf der die Leichenteile von Jessica B. gefunden wurden.  Foto: Michael Schick

Im Fall der getöteten Jessica B., deren Leichenteile auf einer Mülldeponie in Flörsheim-Wicker gefunden wurden, erheben die Eltern des Opfers nun schwere Vorwürfe gegen das Frankfurter Jugendamt: Die Behörde hätte den Mord an der jungen Frau verhindern können.

Drucken per Mail

Der Tod der 22-jährigen Jessica B. aus dem Nordend wird die Justiz über das Mordverfahren gegen ihren Ex-Freund hinaus beschäftigen. Die Eltern der jungen Frau wollen am Montag bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen Mitarbeiter des Frankfurter Jugendamts erstatten. Der Vorwurf: Körperverletzung mit Todesfolge im Amt. Darüber hinaus dürfte es ein längeres Verfahren um das Sorgerecht für den einjährigen Sohn der Getöteten geben.

Jessica B. war im Juli vergangenen Jahres in ihrer Wohnung an der Lenaustraße getötet worden. Die Polizei nahm den Ex-Freund der Frau fest. Der 23-Jährige soll sie nach einem Streit umgebracht haben. Anschließend, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, habe er die Tote in eine Decke eingewickelt und in die Mülltonne geworfen. Mehrere Wochen später entdeckte die Polizei Leichenteile auf der Mülldeponie in Flörsheim-Wicker. Beamte der Mordkommission hatten den Schlackeberg auf der Deponie im Schichtbetrieb abgesucht.

Der Tod der jungen Frau hätte verhindert werden können, wenn das Jugendamt schneller gehandelt hätte – diesen schweren Vorwurf erhebt Frank Schrodt, den die Familie B. als Medienberater eingeschaltet hat. Er bereitet mit mehreren Juristen die Strafanzeige vor. Gegenüber der Frankfurter Rundschau erklärte Schrodt am Donnerstag, dem Jugendamt sei bekannt gewesen, dass der Ex-Freund von Jessica B. gewalttätig gewesen sei. „Sie hatte Angst um ihr Leben“, so Schrodt. Mehrfach habe sie die Behörde um Hilfe gebeten – ohne Erfolg.

Konkret benannte Schrodt, der am Montag Beweise präsentieren will, einen Antrag von Jessica B. auf Aufnahme in eine Mutter-Kind-Einrichtung in Ludwigshafen. Dort habe sie mit ihrem Sohn Schutz suchen wollen vor ihrem früheren Partner. Doch das Jugendamt habe es abgelehnt, sie dort unterzubringen.

Jugendamt bestreitet Vorwürfe

Die Leiterin des Jugendamts, Brigitte Henzel, widersprach dieser Darstellung vehement. Tatsächlich seien die Familienverhältnisse von Jessica B. der Behörde bekannt gewesen. So war der Sohn der jungen Frau zum Zeitpunkt ihres Todes in einer Einrichtung des Jugendamts untergebracht gewesen. Gemeinsam mit Jessica B. habe die Behörde nach „geeigneten Jugendhilfemaßnahmen“ gesucht. Darunter sei auch die Mutter-Kind-Einrichtung in Ludwigshafen gewesen.

Anders als von Frank Schrodt behauptet, habe das Jugendamt die Aufnahme in dem Haus aber mitnichten abgelehnt, sondern sogar befürwortet, sagte Henzel. Wegen einer Formalität, „die aber nichts mit uns zu tun hatte“, habe sich der Einzug jedoch verzögert. Als dann alle Fragen geklärt gewesen seien, sei Jessica B. bereits verschwunden gewesen. Wenige Tage später nahm die Polizei den verdächtigen Ex-Freund fest.

Diese Entwicklung sei „absolut dramatisch und tragisch“, sagte Henzel. Sie habe aber „keinen Grund davon auszugehen, dass meine Mitarbeiter fahrlässig gehandelt haben könnten“, so die Leiterin der Behörde.

Die Ankündigung der Strafanzeige fällt zeitlich nahezu zusammen mit einer Entscheidung im Streit um das Sorgerecht für den einjährigen Sohn von Jessica B. Die Großeltern wollten das Kind bei sich aufnehmen, doch ein Familiengericht äußerte Zweifel an der Eignung der Eheleute aus Frankfurt. Das Kind bleibt somit in der Obhut des Jugendamts. „Das ist eine Fehlentscheidung, wie sie im Buche steht“, schimpfte Medienberater Schrodt. Die Familie werde Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegen.

Brigitte Henzel hingegen sagte, sie teile die Auffassung des Gerichts. Das Kind müsse besonders geschützt aufwachsen, weil es einen „besonderen Bedarf nach Hilfe“ habe: „Mutmaßlich ist seine Mutter von seinem Vater getötet worden.“ Um damit klarzukommen, brauche das Kind besondere Unterstützung. „Diesem Bedarf können die Großeltern unter diesen Umständen nicht entsprechen“, sagte Henzel. Langfristig wäre es für das Kleinkind das Beste, in einer Pflegefamilie unterzukommen. Doch genau das wollen die Großeltern des Jungen verhindern.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten und Reportagen aus dem Herzen des Rhein-Main-Gebiets - alles über Frankfurt und seine Stadtteile.


Auch unterwegs auf dem Laufenden:
„FR News“ –
die App für Ihr Smartphone.

Für iPhone und Android-Handys.
Jetzt downloaden!

In eigener Sache

FR erweitert den Regionalteil

Aus der Produktion unseres neuen Regionalteils.

Darf’s ein bisschen mehr sein? Kein Scherz, vom Wochenende an bekommen Sie in Ihrem Lokal- und Regionalteil mehr Frankfurter Rundschau als bisher. Und etwas anders wird sie auch, ihre FR.  Mehr...

Twitter
Südliche Stadtteile
Östliche Stadtteile
Nördliche Stadtteile
Westliche Stadtteile
Bahn-Verkehr

Die Lage im Bahnverkehr live:

- Frankfurt a.M. (Hbf) aktuelle Abfahrt und Ankunft,
- An- und Abfahrt für alle Stationen,
- Reiseverbindungen als Live-Auskunft (Prognosen).

Anzeige

Premium-Fotostrecke
Frankfurt von oben

Mit dem Hubschrauber unterwegs über der Mainmetropole: Fliegen Sie mit!
Zur Premium-Fotostrecke Frankfurt von oben.

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

ANZEIGE
- Partner