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12. November 2012

Museum für Moderne Kunst: Pippi Langstrumpf auf dem Klo

 Von Stefan Behr
In den Herbstferien haben sich Schüler gemeinsam mit der Schauspielerin Nicole Hornby und der Museumspädagogin Katharina Mantel mit fünf MMK-Kunstwerken beschäftigt und eigene Performances dazu entwickelt.  Foto: Michael Schick

Frankfurter Schüler führen durch das Museum für Moderne Kunst - und entwickeln ihre eigenen Performances dazu. Mit verblüffendem Resultat.

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Frankfurter Schüler führen durch das Museum für Moderne Kunst - und entwickeln ihre eigenen Performances dazu. Mit verblüffendem Resultat.

Wer auf die Exponate des Museums für Moderne Kunst (MMK) mitunter mit Unverständnis reagiert, dem sei dringend empfohlen, sich von den Teilnehmern des Stadtschulamt-Projektes „me2you“ durch die Hallen führen zu lassen. So wie am frühen Samstagabend. Mehr als 20 Schülerinnen und Schüler von integrierten Gesamt-, Haupt- und Lernhilfeschulen haben sich in den Herbstferien gemeinsam mit der Schauspielerin Nicole Hornby und der Museumspädagogin Katharina Mantel mit fünf MMK-Kunstwerken beschäftigt und eigene Performances dazu entwickelt. Mit verblüffendem Resultat.

Das „Bedroom-Ensemble“ von Claes Oldenburg, das so aussieht, wie man sich die Schlafstätte der TV-Proll-Familie „Die Geissens“ vorstellt, verpacken die Schüler – wobei die meisten der jungen Leute im Alter zwischen 13 und 15 Jahren sind – in eine fantasievolle Fernsehverkaufsshow, bei der ständig alle fröhlich 0800er-Nummern krähen.

„The Storyteller“ von Jeff Wall zeigt eigentlich nur ein Mädchen, das ein versifftes Treppenhaus hinuntersteigt. Die Jugendlichen erfanden dazu eine herrliche Spukgeschichte, in der die imaginären Hausbewohner – und natürlich der Hausgeist – zu Wort kommen.

Selbst auf dem Damenklo, auf dem die Künstlerin Pipilotti Rist ihre Installation „Atmosphere & Instinct“ zeigt, wissen sie sich zu helfen. Die Schüler schließen sich auf dem Klo ein und lassen ihre Besucher an ihrer Gedankenwelt teilhaben. „Ich kann fliegen“, sagt einer, und wer kennt es nicht, dieses aprilfrische Gefühl, das sich oft und gerne bei der Morgen-Toilette einstellt. Als Reminiszenz an den Vornamen der Künstlerin hat sich eine Schülerin eine karottenrote Perücke aufgezogen.

Höhe- und Endpunkt der außergewöhnlichen Führung aber ist die Performance vor Gregor Scheiders Installation „Müllsack in Wichsecke“, die zwei hinter einer Mauer hervorlugende Beine zeigt und den Betrachter erstmal irritiert zurücklässt. Noch irritierender sind an diesem Tag die vier Jugendlichen, die vor der Installation hocken und so tun als ob sie die Frankfurter Rundschau lesen. Da scheint viel Interessantes drinzustehen. Etwa, dass in der Frankfurter Innenstadt zwei eingemauerte Leichen gefunden wurden, von denen nur die Füße aus der Mauer guckten. „Der Täter war Herr Müller, der Totengräber. Er wollte sich einen Spaß machen“, liest eine Schülerin vor. Und dann tun die Schüler so, als würde es regnen, und die Jugendlichen halten sich ihre Print-Rundschau schützend über den Kopf, was mit einem i-Pad eher unratsam wäre.

Nachdem man weiß, wofür Zeitung alles gut sein kann, hat man auch plötzlich einen anderen Blick auf die Kunstwerke, in denen jede Menge Geschichten zu stecken scheinen. Im Raum nebenan steht der „Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch“, ein Environment von Joseph Beuys, das auf den ersten Blick den Eindruck erweckt, als habe hier der wilde Watz seine Notdurft im Zorn verrichtet. Wahrscheinlich steckt dahinter aber noch eine viel krassere Story – wer die erfahren will, sollte Kinder und Jugendliche fragen.

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