Dieses Salzaroma frischen Fischs erinnert an einen wuseligen Bootshafen voll schaukelnder Kutter, knarzender Taue und dem Schreien der Möwen – dabei ist es „nur“ der Imbissstand der Portugiesen gleich neben dem Abgang vom Untermainkai. Und es ist 10 Uhr in der Früh.
Muss sogar so früh am Samstagmorgen sein, denn nur, wenn der Main eine frische Brise über die Uferpromenaden fegt, pustet das den Geist so richtig schön durch und macht die Gedanken frei für Vorstellungen davon, was sich an Wundern der weiten Welt hinter dem Namen „Museumsuferfest“ verbergen mag.
Ein paar Stunden später ist dann aber schon Jahrmarkt, Kirmes, Kerb: klebrige Popcorn-Wolken hängen zwischen den Ständen, Zelten und Buden. Fette Schwaden ziemlich toten Tiers ziehen am Ufer entlang. Das riecht alles nicht gut, aber den Leuten gefällt’s. Denn obwohl die Witterung sich vom Sommer schon verabschiedet hatte, drängten sich am Samstagabend – nach dem großen Nachmittagsguss – ordentliche Massen an Ufer und Schaumainkai.
Nicht die erwarteten drei Millionen, dagegen standen die grauen Wolkenbänke an diesem Wochenende. Aber wollte man den Zulauf irgendwie qualifizieren, könnte dafür am späten Samstag der gähnend leere Stand vorm Museum für Kommunikation herhalten: Dort sollten Ausstellungskataloge feilgeboten werden. Von Katalogen war aber keine Spur mehr. Vielleicht hatte sich hier die alte Galeristenregel erfüllt, die besagt, dass mancher Kunde erst auf der Flucht vorm Regen zur Kunst findet. Zu wünschen war es den namengebenden Häusern des Festes, gab es doch genug Jahre, in denen es sich die Millionen in der Spätsommersonne gut gehen ließen, ohne auch nur einen Fuß ins Museum zu setzen.
Dort auf dem Schaumainkai sah das Fest am Samstagabend und erst recht am Sonntag so aus, wie Frankfurt es kennt: voll. Aber dann auch wieder anders. Was wohl auch an den Gerüchen lag. Krokodil und Springbock am Spieß duften nunmal anders als Dönerkegel. Dazu dort ein vietnamesisches Zelt, woanders ein indischer Unterstand – es schien, als hätte das Museum der Weltkulturen das Catering des Fests übernommen. Und die Buchmesse das Ihre auf der Nordseite beigesteuert, wo Gastland Argentinien sich gekonnt – also nicht fußballerisch – präsentierte.
Mit Tango-Darbietungen, denn das musste sein. Und mit solchen Erlebnissen wie der Choripan-Wurst im Brötchen mit öliger Kräutersauce. Ein Genuss. Darauf einen „Café Caen“ mit ordentlich was drin, und schon wirkte ein heimischer Sauergespritzter nicht wie Standard sondern wie eine weitere angenehme Note im Konzert der Kulturen einer multikulturellen Stadt.
Und tatsächlich: Abends wurde das Fest Klang. Ob nun berauschende neue Hörwelten bei RadioX oder pure Partytauglichkeit bei der FR, wo die Boptowncats sogar Zwölfjährige mit schnellen Elvis-Stücken zum Boppen brachten – das Museumsuferfest war wieder alles. Und gut.

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