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31. Mai 2012

Musiker in Frankfurt: Chima steht vor dem Durchbruch

 Von Grete Götze
Chima ist bekannt für sein ansteckendes Lachen. Auf seinem neuen Album singt er davon, wie er sich mit „Löwenherz“ und „Stahleiern“ vorankämpft.  Foto: Arnold

Der Frankfurter Musiker Chima hat schwierige Zeiten hinter sich. Sie haben ihn an seinem Berufswunsch zweifeln lassen. Doch jetzt gibt der Künstler Gas. Im Juli erscheint sein neues Album „Stille“.

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Der Frankfurter Musiker Chima hat schwierige Zeiten hinter sich. Sie haben ihn an seinem Berufswunsch zweifeln lassen. Doch jetzt gibt der Künstler Gas. Im Juli erscheint sein neues Album „Stille“.

Die letzten Jahre waren nicht einfach. Chimaobinna Enyiakanwanne Onyele, Frankfurtern besser bekannt als immer freundlicher Musiker Chima, der am liebsten zu Fuß die Stadt durchquert und mit jedem ein freundliches Wort wechselt, hat an sich gezweifelt, gejobbt und Krisen erlebt, wie der 39-Jährige im Frankfurter Café Kunstverein erzählt. Er war immer wieder kurz vor dem Durchbruch, schnupperte in der Welt der Privilegierten und fiel dann gefühlt tief.

Jetzt meldet er sich nach langer Pause zurück, mit seinem neuen, persönlichen Album „Stille“. Es erscheint im Juli und ist eine Hinwendung zu eingängiger, mehr im Pop als wie bisher im Rap verorteter Musik mit vielen Ohrwürmern. Die 13 Lieder handeln vom Zweifeln, von alltäglichen Problemen wie einem schreienden Sohn oder einer fordernden Partnerin. Und von Aufbruch. In „Risiko“ heißt es: „Ich hab mir was zu beweisen/dieses Bedürfnis sitzt tief/Es zieht mich ins Unbekannte/nicht zu wissen was passiert/daher heut geh ich aufs Ganze/keine Angst mehr vom Verliern/Heute geh ich Risiko“. Es klingt wie ein Statement. Gegenüber eigenen Zweifeln und anderen Zweiflern, die Chima als ewiges Talent ansehen, das sich davor fürchtet, klar Position zu beziehen. Im Sommer geht er mit dem Chartstürmer Tim Bendzko auf Tour, gerade ist er auf Presserundreise, die erste Single „Morgen“ erscheint am Freitag.

Rückblende ins Jahr 2000: Chima, der nach dem Abitur auf der Ernst Reuter-Schule begonnen hatte, Soziologie zu studieren, ist Musiker. Die Vorstellung, sich in einem Nine-to-Five-Job vor allem auf das 13. Monatsgehalt zu freuen und den Anweisungen eines Vorgesetzten zu gehorchen, widerstrebt ihm. Chima arbeitet lieber eigenständig, die erste Single seines Albums „Reine Glaubenssache“ erscheint. Für ein Signal gegen Rassismus schließt er sich der Musikformation Brothers Keepers an, die zusammen die Single „Adriano (Letzte Warnung)“ einsingen. Das Lied erinnert an den Mosambikaner Alberto Adriano, der nach einem Angriff durch Neonazis am 10. Juni 2000 in einem Dessauer Park stirbt. Die Single verkauft sich 200.000 Mal, der Erfolg überrascht, doch plötzlich ist es schwierig für Chima, das Kind nigerianischer Eltern, die in den 60er-Jahren nach Deutschland gekommen sind, auch jenseits der Schublade „Musiker mit Migrationshintergrund rappt über Rassismus-Erfahrungen“ mit seinem Album wahrgenommen zu werden. Zwar wird es vom Majorlabel Emi produziert, aber es verkauft sich nicht gut. Chima zweifelt an seinem Berufswunsch. Aber er macht weiter. 2005 erzählt er dem Frankfurter Produzenten Moses Pelham von der Idee zu einer neuen Platte. Gemeinsam entsteht das zweite Album „Im Rahmen der Möglichkeiten“. Finanziell bleibt es schwierig. Die Zweifel sind da, die Angst, sein Kind nicht durchbringen zu können, auch.

Geld für Demo-Platte gesammelt

Anfang des Jahres 2011 entscheidet er sich, „Gas zu geben“, sammelt Geld für die Produktion einer Demo-Platte, bewirbt sich beim Label Universal und unterschreibt einen Vertrag bei Konrad Sommermeyer, der auch Tim Bendzko und Frida Gold managt. Auf seiner CD erzählt er davon, Unangenehmes auf „Morgen“ zu verschieben, davon, dass es oft „Kleinigkeiten“ sind, die man an seinem Partner liebt. „Damit du langfristig Hörer für dich begeisterst, musst du Songs nah am Leben schreiben“, sagt Chima.

Seine Erfahrungen mit den Brothers Keepers sind ambivalent. „Das war eine gute Sache, aber ich würde das nicht nochmal so machen“, sagt Chima. „Die Reibung setzt aus, wenn du über das singst, was die Leute von dir erwarten. Das hat für mich nichts mit Musik zu tun.“ Auch er habe normale Probleme wie Miete zahlen. Die Erfahrung mit Rassismus sei nicht dominant in seinem Leben. Wenn man ihn ansieht, wie er lacht, euphorisch von seinem musikalischen Bedürfnis nach Expansion erzählt und ein nettes Wort mit der Kellnerin wechselt, hat man auch nicht diesen Eindruck. Und versteht die augenzwinkernde Leichtigkeit seiner neuen Platte noch mehr.
www.chima.tv

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