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26. September 2012

Nach dem Aus für Neckermann: Katastrophe für die Beschäftigten

 Von Sabine Hamacher und Georg Leppert
Die Firmenzentrale an der Hanauer steht wohl bald leer. Foto: Martin Weis

Nach dem Aus für Neckermann ist die Suche nach neuen Perspektiven voll im Gang. Bis Ende der Woche könnte ein Investor noch einsteigen. Doch die Chancen, einen zu finden, schwinden. Und auch für die Neckermann-Beschäftigten sieht es nicht rosig aus.

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Es ist vorbei. Als am Mittwoch klar wird, dass es für den traditionsreichen Versandhandel Neckermann keine Zukunft gibt, sind Trauer, Verzweiflung und Ärger groß. Die meisten Mitarbeiter in der Firmenzentrale an der Hanauer Landstraße hatten zwar damit gerechnet, dass es nicht weitergehen würde. Trotzdem ist die Nachricht für viele ein Schock.

„Das ist natürlich eine Katastrophe für die Menschen“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Es werde alles versucht, um den 2000 Beschäftigten zu helfen. Zum einen sei mit Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) verabredet, alles zu unternehmen, um doch noch einen Investor zu finden. Zum anderen bemühe man sich um Perspektiven für die Mitarbeiter.

Die Hoffnungen ruhen jetzt auf einem von den Gewerkschaften einberufenen Runden Tisch mit Politik und Wirtschaftsverbänden am 2. Oktober. Dabei müsse es darum gehen, dass möglichst wenige der Beschäftigten dauerhaft ohne Arbeitsplatz bleiben, sagt der Frankfurter DGB-Chef Harald Fiedler. Das Aus für Neckermann sei „auch für die Stadt und die Region“ katastrophal.

Dass im letzten Moment doch noch ein Investor einsteigt und einen Großteil der Mitarbeiter übernimmt, hält Fiedler für ausgeschlossen. Mit der Mitteilung über die Abwicklung zum 1. Oktober hätten sich die Hoffnungen auf eine Zukunft von Neckermann zerschlagen. Vorwürfe an die Politik richtet Fiedler nicht. OB Feldmann habe „vom ersten Tag seiner Amtszeit an“ um das Unternehmen gekämpft, ebenso wie die Wirtschaftsförderung.

Audio: Neckermann-Insolvenzverwalter zur Pleite

Dass Neckermann tatsächlich am Ende ist, will Wirtschaftsdezernent Frank am Mittwochnachmittag nicht bestätigen: „Nein, es ist nicht vorbei, wir führen noch Gespräche.“ Bis Ende der Woche, wenn das Insolvenzgeld für die Beschäftigten ausläuft, könne ein Investor noch einsteigen. Doch Frank weiß auch: Mit jeder Stunde, die vergeht, schwinden die Chancen. Und selbst wenn noch jemand in Neckermann investieren sollte, um sich etwa den Markennamen zu sichern: Den meisten Beschäftigten dürfte das nicht helfen. Für sie endet die Arbeit beim Versandhandel am Freitag.

Nachfrage nach Fachkräften sinkt

Deshalb sind bereits Bemühungen im Gang, möglichst viele der Neckermann-Mitarbeiter unterzubringen. Allerdings: Der Arbeitsmarkt sieht selbst für Fachkräfte nicht mehr rosig aus. Wie Angela Köth von der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit sagt, zeigt deren neuester Stellenindex, dass die Nachfrage nach Fachkräften in Hessen deutlich nachlässt. Bei Neueinstellungen sei eine „extreme Zurückhaltung der Unternehmen“ zu erkennen.

Im Unterschied zu Schlecker, wo die Arbeitssuchenden regional verteilt waren, sei es bei Neckermann „ein ganzer Schwung, der auf einmal ’reindrückt“. Zwar seien in Hessen zurzeit 2500 offene Stellen im Bereich Logistik gemeldet, viele davon würden aber in Nordhessen angeboten. Zwecks Sondierung und Beratung besuchte vergangene Woche schon eine „Task Force“ der Arbeitsagentur die Neckermann-Zentrale.

Dort fand am Dienstag auch eine Jobbörse statt, die sich vor allem an die vielen „nicht hoch qualifizierten Kräfte“ richtete, so Oliver Schwebel von der Wirtschaftsförderung. Die hatte die Veranstaltung in Kooperation mit Betriebsrat und Arbeitsagentur initiiert. Auch Feldmann, der dies für einen „sehr guten Ansatz“ hält, und Frank besuchten die Börse. Dabei informierten 19 Unternehmen aus der Region über Job-Möglichkeiten – vor allem Logistikbetriebe, aber auch die Stadt, FES, Fraport, Rewe oder die Post.

„Es war die Motivation zu spüren, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen“, sagt Schwebel. Was konkret dabei herausgekommen ist, könne man noch nicht sagen. „Es liegt noch kein Vertrag auf dem Tisch“; Bewerbungsverfahren bräuchten ihre Zeit.

Verhandlungen laufen laut Frank zurzeit auch über die Zukunft des Grundstücks an der Hanauer Landstraße. Es seien „komplexe Verhandlungen“, denn die Eigentumsverhältnisse seien kompliziert, so der Wirtschaftsdezernent.

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