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13. Juni 2014

Nach Drohungen von Salafisten: „Dieses Haus ist unser Haus“

 Von 
Das Medieninteresse ist enorm, gerade an den Jugendlichen.  Foto: Andreas Arnold

Nach Drohungen von Salafisten wird das Jugendhaus Gallus wieder eröffnet. Die SPD, Muslime und Experten rufen derweil zu einer differenzierteren Debatte auf.

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Anona B. ist schwer gefragt an diesem Nachmittag. Ein Fernsehteam nach dem nächsten möchte die eloquente junge Frau für ein Statement vor der Kamera haben. Und die 20-jährige Lehramtsstudentin erklärt gerne, warum sie zur Wiedereröffnung ihres alten Jugendtreffs gekommen ist. „Wir sind hier, weil wir hinter dem Jugendhaus stehen und hinter den Sozialarbeitern, die uns selbstbewusst gemacht haben“, sagt sie. Sie freue sich, dass das Haus wieder offen sei – als Rückzugsraum für die Jugendlichen im Gallus, als Ort, wo es Hilfe gebe. Sie hoffe, dass der Club nie wieder wegen Drohungen schließen müsse, sagt sie.

Anona B. ist nicht die einzige Stammbesucherin, die an diesem Freitag zur Wiedereröffnung in die Idsteiner Straße gekommen ist. Im großen Aufenthaltsraum, rund um den Billardtisch, sitzen Dutzende Jugendliche und junge Erwachsene auf Sofas und Barhockern, sie verteilen Kuchen und beantworten bereitwillig die Fragen der unzähligen Journalisten, die zu der kleinen Feier gekommen sind. Außer ihnen drängeln sich Kommunalpolitiker, Sozialarbeiter und Anwohner im Jugendhaus. Das rege Interesse zeige, „dass der Stadtteil sich untergehakt hat und wir zeigen: Dieses Haus ist unser Haus“, sagt Jürgen Richter, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt.

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Das Jugendhaus Gallus ist in den letzten Wochen zu einem Symbol geworden, zu einem Symbol für die wachsenden Probleme mit der salafistische Szene in der Stadt. Die AWO hatte das Haus für fast sechs Wochen geschlossen, nachdem eine Gruppe junger Salafisten die Mitarbeiter bedroht hatte. Nun soll für alle sichtbar gezeigt werden, dass die offene Jugendarbeit sich nicht einschüchtern lässt. Das Haus sei jetzt wieder geöffnet für die, „für die es geschaffen worden ist“, sagt Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) in ihrer Ansprache. Das Gallus sei ein bunter Stadtteil, in dem es gut funktionierende Netzwerke gebe. „Die müssen wir alle nutzen, dann bin ich zuversichtlich, dass so etwas wie hier nie wieder vorkommen wird“, sagt Birkenfeld. Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) ergänzt, es müsse mehr dafür getan werden, alle Jugendlichen anzusprechen, ihnen zu zeigen, dass sie von der Gesellschaft nicht alleine gelassen würden: „Wir müssen besser sein als die Salafisten.“

Interreligiöse Arbeit

Anona B. glaubt, dass es an der Perspektivlosigkeit liegt, wenn junge Frankfurter sich dem Salafismus zuwenden, daran, „dass die Leute keinen Halt haben“. Man müsse den Radikalen Grenzen aufzeigen, findet sie, und man müsse differenzieren: „Ich bin auch Muslima, aber ich bin weltoffen, ich möchte nicht mit denen über einen Kamm geschoren werden“. So gehe es übrigens auch ihren muslimischen Freunden, sagt Anona B., auch denen, die selbst sehr religiös seien.

Mohaned A., der früher auch „tagein, tagaus“ im Jugendhaus war, wie er sagt, glaubt, den Salafisten gehe es im Grunde um Gesellschaftskritik. Die wollten eigentlich eine gerechtere Gesellschaft. „Aber ich glaube nicht, dass deren Ideen eine Lösung sind“, sagt der 23-Jährige. Viele der jungen Salafisten hätten auch kein Wissen über den Islam, die wüssten zum Beispiel nicht, dass Dschihad nicht Krieg und Gewalt bedeute, sondern „Kampf mit dir selbst.“ Bei aller Kritik an den Drohungen im Jugendhaus sei in jedem Fall eins wichtig, sagt Mohaned A.: „Das soll nicht gegen alle Muslime sprechen“.

Viele Jugendliche freuen sich, dass das Jugendhaus jetzt wieder als Treffpunkt zur Verfügung steht.  Foto: Andreas Arnold

Dieser Appell liegt auch Fatih Lütfi Dogan vom Islamverband Ditib am Herzen. Als er von den Drohungen gehört habe, sei er empört gewesen, sagt er. „Wie kann ein Muslim einem anderen Menschen drohen?“ Gemeinsam mit der AWO wolle man jetzt interreligiöse Jugendprojekte starten, gefährdete Jugendliche ansprechen. Schließlich gehe es hier um ein Problem der ganzen Gesellschaft, sagt Lütfi Dogan. „Da müssen alle mithelfen.“

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