Im Stadtteil Niederrad, in einem größeren Radius rund um den Haardtwaldplatz, da sind die verschiedenen Formen typischer Frankfurter Wohnarchitektur direkte Nachbarn: Zwischen ZickZack-Hausen und Mainfeld, zwischen Bruchfeldstraße und Fluss stehen Siedlungsbau mit und ohne May-Architektur, Betonhochhäuser der 60er und 70er Jahre, Gründerzeit-Altbauten der Jahrhundertwende. So wohnen Frankfurter – und zwar gerne. Die deutliche Mehrheit lebt in einer dieser drei Wohnhaus-Varianten.
Und will, das belegt eine kürzlich vorgestellte Umfrage des Sozialdezernats unter den Bewohnern, die 50 Jahre und älter sind, auch in Zukunft dort bleiben. Es kann aber nicht alles genauso bleiben, wie es ist. „Zukunft bedeutet Modernisierung“: Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) hat in ihrem Konzept zum Klimaschutz in Frankfurt klar gestellt, dass die privaten Haushalte im Kampf gegen den hohen CO2-Ausstoß eine zentrale Größe sind. 20 Prozent der jährlich acht Millionen Tonnen ausgestoßenes Kohledioxid stammt von Heim und Herd.
Für den Neubau in Frankfurt hat sich bereits eine ziemlich einfache Formel gefunden, sofern die Stadt Verfügungsgewalt hat: Alles nur noch in Passivhaus-Bauweise. Durch starke Dämmung und ein Wärmerückgewinnungs-System verbrauchten diese Häuser nur noch zehn Prozent des herkömmlichen Energiebedarfs. Die städtische ABG Frankfurt Wohnungs Holding, Herrin über 50.000 Wohnungen in der Stadt, errichtet nur noch Häuser in dieser Art. In Bockenheim und in Bornheim, in der Hansaallee und auf kleineren Baufeldern in Sachsenhausen oder im Nordend. In Schwanheim entstehen gerade erstmals Sozialwohnungen in der stark energiesparenden Passivhausbauweise.
Frank Junker, Geschäftsführer der ABG, ist fest überzeugt, dass im Wohnungsbau „die Reise nur noch in diese Richtung gehen kann“. Zum Klimaschutz geselle sich auch der „nicht unerhebliche finanzielle Aspekt“. Die Rohstoffe würden immer knapper, auf kurz oder lang werde dies zu stetig steigenden Energiepreisen führen.
Frankfurt hat sich, darauf ist Planungs- und Wohnungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) stolz, den inoffiziellen Titel der „Welthauptstadt des Passivhauses“ verdient. Bei energiesparender Bauweise gibt es Zuschläge in städtischen Wohnungsbau-Förderprogramme für private Bauherren.
Die C02-Emissionen in Frankfurt liegen bei insgesamt 8,3 Millionen Tonnen jährlich. Davon entfallen 20 Prozent auf die privaten Haushalte. Die Emissionen sollen bis 2030 auf die Hälfte reduziert werden.
Insgesamt rund 85.000 Wohnhäuser gibt es in der Stadt. Davon sind rund 15.000 denkmalgeschützte Altbauten, rund 14.000 Ernst-May. Nur ein Bruchteil ist energetisch modernisiert. Neben der ABG haben auch die beiden anderen großen Siedlungsgesellschaften in Frankfurt, Nassauische Heimstätte (16.000 Wohnungen) und GWH (12.000) große Sanierungsaufgaben in Wohnbauten der 50 bis 70er Jahren.
Infos zu Modellprojekten der Modernisierung gibt das Energiereferat der Stadt Frankfurt unter der Telefonnummer: 212-39193, oder per E-Mail peter.tschakert@stadt-frankfurt.de
In mehreren Pilotprojekte hat die ABG außerdem getestet, wie sich Nachkriegsbauten auf Passivhausstandard sanieren lassen. Sie erprobt nachhaltige Materialien, Dämmungen, die nicht mehr aus Kunststoff, sondern auch Zellulose bestehen. Das alles aber hat seinen Preis. Der sich in der Miete ausdrückt.
Nach solcher Modernisierung kann diese um drei bis vier Euro pro Quadratmeter steigen. Die Ersparnisse durch die geringeren Heizkosten, das kritisieren bereits heftig die Mieterschützer in Frankfurt, machten die Mieterhöhungen nicht wett. Sorge bis Empörung lösen auch die Pläne der Bundesregierung aus, nach denen ein höherer Anteil als bisher (elf Prozent) der Modernisierungskosten vom Eigentümer auf die Mieter umgelegt werden darf.
Aber auch auf Seiten der Eigentümer bereitet die verordnete Modernisierung zugunsten des Klimaschutzes Sorgen. Jürgen Conzelmann, Chef der Eigentümerlobby Haus und Grund in Frankfurt, registriert einen regelrechten „Hype“ bei der energetischen Modernisierung, ohne dass die Folgen und der Nutzen ausreichend ausgelotet seien. Das betreffe insbesondere die sehr aufwändige und kostenintensive Dämmung von Außenwänden und Dach. Die beschere zudem massiven Streit zwischen Mietern und Vermietern wegen Kosten und Belästigung. Etwas weniger, beispielsweise eine neue Heizanlage, habe doch auch schon einen enormen Effekt.
Besondere Problemfälle sind gerade die Schätze der Frankfurter Wohnarchitektur: Die Gründerzeitbauten mit ihren Schmuckfassaden und die vom Siedlungsdezernenten Ernst May in den 20er Jahren konzipierten Reihenhaus-Siedlungen. In beiden Fällen werden mit Hilfe von Modellprojekten, die das städtische Energiereferat leitet, praktikable und kostengünstige Sanierungsmethoden für May-Häuser und Altbauten entwickelt. Experimentiert wird mit neuen dünnen Materialien für die Außenwände und mit Innendämmung.

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