Eine Ausbildung hat Nada Lottermann nie gemacht. Die 34-Jährige bezeichnet sich selbst als Autodidaktin, ein Jahr vor dem Abitur schmiss sie die Schule. „Bereut habe ich es nie.“ Die Karriere der Frankfurterin begann als Model. Mit 15 wurde sie auf dem Schulhof der Bettinaschule angesprochen. Seitdem ist sie herumgekommen, hat in New York und Paris gearbeitet. Aber es war nicht „das Wahre“. „Der Job kann ganz schön langweilig sein.“ Irgendwann riet ihr ein befreundeter Fotograf, es doch mal als Stylistin zu versuchen. „Das war sofort mein Ding.“ Mittlerweile arbeitet Lottermann seit zwölf Jahren in der Branche. Ihren Stil beschreibt sie als „pur und natürlich, ohne viel pompöses Zeug“. Sie hasse „zu viel Schmuck, Gürtel und Tausende Jacken und Schichten übereinander“. Aufgeräumt und grafisch müsse es sein, dabei setzt sie Akzente mit einer Kette oder Tasche. „Man muss den Menschen erkennen“, sagt Lottermann. Auf ihrer Klientenliste stehen Firmen wie Levis und Adidas, die Deutsche Bank und das Staatstheater Mainz. „Ich zuppel dann so lange an den Leuten rum, bis es passt.“
"Mein Stil ist pur und natürlich, ohne viel pompöses Zeug"
Aber ein Job reicht ihr nicht. Lottermann ist seit neuestem auch Fotografin. Dann häkelt sie noch Kindermützen, hat einen Naturkosmetikladen und arbeitet als Autorin und Bildredakteurin beim von ihr mitgegründeten Neue Mode Magazin. „Ich brauche immer wieder eine neue Herausforderung und Abwechslung“, sagt sie. „Es ist stressig“, gibt Lottermann zu, die zwei Töchter hat. Das sieht man ihr aber nicht an, wie sie da im Plank, einer Szenebar im Bahnhofsviertel, sitzt und entspannt ihren Kaffee umrührt. Ihr Tag beginnt früh, Kinder für Schule und Kindergarten fertig machen, Brote schmieren, aufräumen. Dann geht es zur Arbeit.
Sie sei impulsiv und tue das, worauf sie Lust habe. Ohne sich zu ernst zu nehmen. Allzu ernst nimmt sie auch ihren Ruf als wildes Frankfurter Partygirl nicht. „Da muss ich immer lachen“, sagt Lottermann. In die „kommerziellen“ Clubs gehe sie schon „ewig“ nicht mehr. Getanzt wird trotzdem noch. Im Lido oder bei Veranstaltungen des Nordisk Club. „Man hat mich in eine Schublade gesteckt und da komme ich so schnell nicht mehr raus. Aber für wen reicht schon einzelnes Fach?“
Sie ist impulsiv und tut das, worauf sie Lust hat
Für die Frankfurterin mit Sicherheit nicht. Die Mutter Serbin aus Belgrad, der Vater Grieche aus Thessaloniki. „Ich war überall fremd“, sagt Lottermann, die in Athen, Berlin und Paris gelebt hat. Mittlerweile hat sie ihre Identität gefunden. „Ich bin Europäerin.“
Doch Frankfurt ist ihre Heimat. „Es ist mein Auffangbecken.“ Hier fühle sie sich nie alleine, auch wenn sie „einsam auf einer Wiese im Grüneburgpark“ sitzt. Das dürfte kaum vorkommen. Sie kennt viele Leute, winkt jedem Zweiten zu, der am Plank vorbeiläuft, hält hier und da ein Schwätzchen. Menschen aus der ganzen Welt, schöne Ecken, Großstadtflair und Überschaubarkeit zugleich machen Frankfurt für sie liebenswert. Doch etwas fehlt: „Mehr Freaks und eine gewisse Lockerheit.“
Gerade hat Nada Lottermann sich mit ihrer besten Freundin Vanessa Fuentes zusammengetan, um sich als Fotografin zu versuchen. „Es macht unglaublich viel Spaß, wir blödeln viel herum.“ Besonders stolz ist sie darauf, Rick Genest abgelichtet zu haben. Das vollständig tätowierte Model wirkt auf Bildern ernst. „Aber wir haben ihn zum Lachen gebracht.“ Ob die Fotografie „das Wahre“ ist, weiß sie nicht. „Vielleicht finde ich ja etwas, das mir noch mehr Spaß macht.“

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