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16. März 2016

Nahverkehr: Ärger mit der Clever-Card

 Von 
Menschen mit wenig Geld sollen mit der Clever-Card sparen können.

Eine frühere Frankfurt-Pass-Inhaberin zahlt beim Bahn- und Busfahren drauf. Jetzt sucht die Verkehrsgesellschaft nach einem Kompromiss.

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Thorsten Chernyak ist sauer auf die VGF. Seine Exfrau Cornelia-Regina Trejtnar hatte bis zuletzt einen Frankfurt-Pass für Geringverdiener. Damit erwarb sie zu Schulbeginn im September ermäßigte Clever-Cards für ihre drei Kinder. Als sie mehr Einkommen hatte, verlängerte die Stadt den Ausweis nicht. Mit Folgen. „Mit einer Frist von acht Tagen hat VGF die Clever-Cards gekündigt“, sagt Chernyak. Zum 29. Februar.

Der Fall

Familie Trejtnar hat für die drei sozial unterstützten Clever-Cards insgesamt 864 Euro gezahlt. Ohne den Frankfurt-Pass hätten sie 1231,20 Euro gekostet.

Nach dem Wegfall des Ausweises für sozial Bedürftige bekommt die Familie einen kleinen Teil des Kaufpreises zurück. Dafür entstehen neue Kosten. 1215 Euro fallen für die Monatstickets der drei Kindern in den nächsten sechs Monaten an.

70 000 Menschen haben den Frankfurt-Pass. Möglicherweise sind auch sie von Mehrkosten betroffen, falls sie eine ermäßigte Clever-Card erworben haben und dann über die Einkommensgrenze kommen, so dass der Frankfurt-Pass wegfällt. fle

Die Fahrscheine für den Nachwuchs zahle sie nun monatlich, sagt Cornelia-Regina Trejtnar. Was bleibe ihr anderes übrig, die Kinder müssten ja zur Schule, von Oberrad nach Enkheim. Das sei aber wesentlich teurer, als wenn sie gleich die regulären Clever-Cards gekauft hätte, ohne die Ermäßigung mit dem Frankfurt-Pass in Anspruch zu nehmen (siehe Kasten). „Für mich entstehen Mehrkosten in Höhe von rund 1200 Euro“, sagt sie.

Die Clever-Cards sind eigentlich preisgünstige Jahreskarten für Schüler und Auszubildende. Mit dem Frankfurt-Pass, der Geringverdienern zusteht, sind sie noch günstiger. Werden die Jahrestickets aber gekündigt, bekommen Kunden nicht den vollen Restbetrag zurück. Die letzten vier Monatsbeiträge fallen weg. Ein finanzieller Verlust.

Den Vorschlag, dass die Mutter den Fehlbetrag zwischen ermäßigter und regulärer Clever-Card zahlen könne, „hat die VGF abgelehnt“, so Chernyak. Er wirft der Verkehrsgesellschaft vor, aus „Profitorientierung“ zu handeln. „Bedürftige dürfen nicht dafür bestraft werden, dass sie sich aus eigener Kraft aus der Misere befreit haben“, findet er und schreibt das Sozialamt an. Das gibt die Frankfurt-Pässe aus. 70 000 sind im Umlauf.

Urlaub und Kinderzimmer gestrichen

Die Behörde verweist auf die Zuständigkeit der VGF. Deren Kundenservice teilt mit: „Sofern Sie die verlängerten Frankfurt-Pässe nicht vorlegen können, müssen wir die Verträge einseitig kündigen.“ Daraufhin nimmt Chernyak Kontakt zur VGF-Geschäftsführung auf, deren Rechtsabteilung antwortet: „Es wäre eine übermäßige Bevorteilung des Kunden, wenn eine vergünstigte Fahrkarte weiter genutzt werden könnte“, da die Berechtigung weggefallen sei.

Die Familie könnte neue Clever-Cards kaufen. Mit einer Laufzeit bis März 2017. Das will sie aber nicht. „Meine Kinder wollen vielleicht die Schule wechseln oder eine Lehre machen“, erklärt Cornelia-Regina Trejtnar. Auch würde das Problem nur um ein Jahr verschoben.

„Hätte ich gewusst, dass mir ein finanzieller Nachteil entsteht, wenn ich die Clever-Cards mit dem Frankfurt-Pass kaufe, hätte ich das nicht gemacht, sondern gleich die normalen Clever-Cards gekauft“, sagt sie. Den Sommerurlaub habe sie wegen der Mehrkosten in Höhe von 1200 Euro streichen müssen und das Kinderzimmer werde nicht renoviert. Von der VGF fühlt sie sich schlecht beraten.

„Aus Datenschutzgründen können wir keine speziellen Auskünfte zu diesem Fall geben“, sagte VGF-Sprecher Bernd Conrads. Man wolle nach einer „einvernehmlichen Lösung“ suchen, stellte er in Aussicht.

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