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Frankfurt
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29. Januar 2016

Nahverkehr in Frankfurt: Dicke Luft am Bahnsteig

 Von 
Mit Stehtisch und Aschenbecher: Raucherbereich am Hauptbahnhof.  Foto: Andreas Arnold

Die Deutsche Bahn weist für Raucher Zonen in den oberirdischen Stationen aus, die VGF nicht. Manche Fahrgäste fühlen sich vom Qualm der Mitreisenden belästigt.

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Rosi Stach weht der Rauch ins Gesicht. „Das stört mich schon“, sagt die Frankfurterin, die am Hauptbahnhof auf die Straßenbahn wartet. Wäre es so richtig „schlimm“, würde sie aufstehen und weitergehen. So bleibt sie auf der Haltestellenbank sitzen, neben dem Raucher, der sich zur ihr gesetzt hat. „Ich lasse mich auch nicht verdrängen“, meint er.

Während in den unterirdischen Stationen der S-Bahnen und U-Bahnen ein striktes Rauchverbot gilt, sieht es über der Erde anders aus. An den oberirdischen Haltestellen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) rauchen die Fahrgäste, wo sie möchten. Anders als die Deutsche Bahn hat die VGF keine Raucherzonen ausgewiesen.

Pro Raucherzonen

Pro Raucherzone

von Florian Leclerc

Es geht nicht darum, etwas zu verbieten. Jeder Erwachsene soll rauchen dürfen, wenn er das gerne möchte. Nicht in geschlossenen Räumen, wo der Qualm nicht abzieht. Aber an der frischen Luft, da verfliegt der Rauch schnell. Nun ist es so, dass sich viele Menschen trotzdem davon gestört fühlen. Der Rauch stinkt, ihnen wird vielleicht übel. Nichtraucher haben aber ein Anrecht auf körperliche Unversehrtheit. So wie Raucher ein Recht auf Befriedigung des Nikotindrangs haben. Das muss sich nicht widersprechen. Beide Gruppen brauchen ihre separaten Räume.

Die Deutsche Bahn regelt das vorbildlich. In Bahnhöfen und Zügen ist Rauchen verboten. An Bahnsteigen hat sie ausgewiesene, komfortable Flächen mit Stehtischen und Aschenbechern eingerichtet. Raucher stillen dort ihr Bedürfnis. Nichtraucher – wie ich – gehen ein paar Schritte weiter.

Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) bekommt diese einfache Lösung nicht hin. Das führt zu ganz ungemütlichen Situationen: „Entschuldigen Sie, mich stört der Rauch. “ – „Ich kann rauchen, wo ich will!“ Oder: „Entschuldigen Sie bitte, der Rauch zieht mir ins Gesicht“ – „Ich stelle mich bestimmt nicht raus in den Regen.“

Das sind noch höfliche Varianten vermeidbarer Konfliktgespräche. Die meisten Nichtraucher sagen sowieso lieber nichts. Um keinen Ärger heraufzubeschwören.

Solche Situationen ließen sich ganz leicht vermeiden. Die VGF müsste das Rad nicht neu erfinden – nur schauen, was die Bahn seit Jahren vormacht.

„Großartig ist das nicht“, sagt Alexander Arglebe, der ebenfalls am Hauptbahnhof in die Tram einsteigen will. Neben ihm raucht eine Frau. Er selbst habe „jahrelang geraucht“ und toleriere das, meint er. Dass Raucher ihrem Bedürfnis nachgehen wollen, kann er verstehen. Solange sie das nicht im geschlossenen Raum täten. Raucherzonen an Haltestellen würde er begrüßen.

Die VGF sieht dazu keinen Anlass. „Zum Teil“ seien die oberirdischen Bahnsteigen zu schmal, sagte der Sprecher Bernd Conrads. Die Bahnhöfe der Bahn böten „viel mehr Platz“. Außerdem müsste die Verkehrsgesellschaft für die Einrichtung von Raucherzonen etwa Stehtische, Mülleimer und Aschenbecher anschaffen und für Helligkeit und Überdachung sorgen. „Dieses Mobiliar haben wir nicht.“ Das Reinigen der Raucherbereiche würde zusätzlich Kosten verursachen. „Warum sollten wir diese Investition tätigen, müssen wir denn alles verbieten“, fragt er.

Contra Raucherzonen

Contra Raucherzone

von Peter Hanack

Ich bin Nichtraucher. Und heilfroh, dass in Gaststätten und Büros, in Bussen und Bahnen, Konzertsälen und Kantinen nicht mehr gequalmt werden darf. Kaum mehr vorstellbar, wie es war, als die Garderobe nach einem Abendessen im Restaurant oder der zweistündigen Bahnfahrt über Nacht im Freien hängen musste, bis der Nikotingestank vollend daraus vertrieben war.

Denn Zigarettenrauch wirkt – längere Zeit eingeatmet – nicht nur giftig. Er stinkt auch. Ich nehme an, dass selbst Raucher das so empfinden – soweit die Geruchsnerven dafür noch sensibel sind.

Stehe ich am Bahnsteig oder sitze im Biergarten, stört mich der Rauch, der von nebenan zu mir herüberweht.

Mich stört aber auch der Tischnachbar, der seine Suppe schlürft. Und die junge Frau, die ihrer Freundin am Telefon lautstark vom Treffen mit XY und dessen neuer Flamme berichten muss. Und der Typ, dem sein Dosenbier offenbar nur schmeckt, wenn er danach ordentlich rülpsen kann.

All das sind Belästigungen, die aus schlechter Erziehung, Unhöflichkeit oder schlicht Ignoranz herrühren. Sie gehören zum Leben wie Graupelschauer im Mai, Spekulatius im September und Pickel im Gesicht. Man kann sie ertragen. Oder sich darüber ein Magengeschwür wachsen lassen. Wenn wir aber Raucherzonen an Haltestellen brauchen, dann brauchen wir sie auch für Dosenbiertrinker auf dem Marktplatz, Dauertelefonierer im Zug und Suppenschlürfer im Restaurant.

Im Zweifel hilft die Bitte um Rücksicht oder ein Ortswechsel.

Verboten ist das Rauchen in Gebäuden des Bundes, im Nahverkehr und auf Bahnhöfen seit 2007. Auch in Landesgebäuden, Schulen und Universitäten, der Gastronomie, Sportstätten und Kliniken, Museen, Theatern und Kinos ist es nicht mehr erlaubt. Außer, es gibt eigens eingerichtete Raucherräume. Die Bahn hat das Nichtraucherschutzgesetz von 2007 umgesetzt. „Die Bahnhöfe sind rauchfrei, außer in den ausgewiesenen Zonen“, sagt ein Bahnsprecher. Raucherzonen würden „je nachdem, wie breit ein Bahnsteig ist und welche Frequenz herrscht“, ausgewiesen. Dabei gebe es regionale Unterschiede, so der Sprecher.

Patrice Rückert empfindet die ausgewiesenen Flächen nicht als Einschränkung. Am Gleis 12/13 wartet die Berufsschülerin rauchend auf ihren Zug in den Odenwald. „Ich verstehe die Nichtraucher“, sagt sie, die den Qualm „unangenehm“ fänden. „Gut“ sei, dass man am Bahnsteig rauchen dürfe. Sie stelle sich bereitwillig in die gelb umrandete Zone.

Viele finden den Rauch nicht so toll“, sagt der Pendler Lars K., der ebenfalls an einer Zigarette zieht und wartet. Aus seiner Sicht sind die separaten Bereiche für Raucher am Bahnsteig ein Gewinn.

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