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26. Oktober 2012

Naturschutz: Windräder massakrieren Fledermäuse

 Von Thomas Stillbauer
Auch Fledermäuse brauchen freie Flugbahnen.  Foto: IMAGO

Fledermausfreunde machen mobil: Der Ausbau der erneuerbaren Energie geht zu schnell für die Flugsäuger. Sie erkennen nicht die tödliche Gefahr, die von den Riesenrotoren für sie ausgeht.

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Fledermausfreunde machen mobil: Der Ausbau der erneuerbaren Energie geht zu schnell für die Flugsäuger. Sie erkennen nicht die tödliche Gefahr, die von den Riesenrotoren für sie ausgeht.

Für 2012 haben die Fledermäuse das Schlimmste hinter sich – zum Glück. Zehn Tiere pro Jahr sterben durchschnittlich an jeder einzelnen Windkraftanlage, davon neuneinhalb zwischen Juli und September. Jetzt ist also quasi Schonzeit. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt, und damit es nicht noch mehr Opfer werden als jene etwa 220000, die an den 22000 deutschen Windrädern umkommen, haben Fachleute in Frankfurt jetzt einen Appell an Bund und Länder gerichtet.

„Die Zahlen dürfen nicht weiter ignoriert werden“, sagt Cosima Lindemann, Sprecherin des Arbeitskreises Fledermausschutz in Rheinland-Pfalz, eine von 50 Fachleuten, die bei einer Frankfurter Tagung Forderungen formulierten: „Wir brauchen Tabuflächen. Besonders Zonen mit hoher Fledermaus-Aktivität müssen frei von Windkraftanlagen bleiben – das ist nun mal der Wald.“

Rotierende Gefahr

Fledermäuse können sich nur im Nahbereich per Ultraschall orientieren – die Rotorblätter der Windräder nehmen sie nicht als Gefahr wahr. Sie werden von den Flügeln erschlagen oder sterben am sogenannten Barotrauma: Die Luftverwirbelungen zerreißen die inneren Organe der federleichten Fledermäuse.

Im Wald ragen Windkraftanlagen weit über die Bäume hinaus. Sie gefährden häufig auch vorüberziehende Vögel.

AG Fledermausschutz Hessen, Sitz in der Vogelschutzwarte, Tel. 069 / 420105-0.

Genau dort aber, fürchten die Experten, wollen Förderer der Windkraft neue Anlagen aufstellen. Hessen etwa hat beschlossen, zwei Prozent der Landfläche für Windenergiegewinnung zu nutzen. „Da muss man einfach in den Wald hinein“, sagt der Umweltgutachter Dirk Bernd vom Nabu Hessen. Anders gehe es in einem so waldreichen Bundesland nicht.

Die Folgen sind absehbar: Pro neuer Anlage müssten nicht nur zwei Hektar Bäume gerodet werden, warnt die Baden-Württemberger Biologin Ingrid Kaipf beim Pressetermin in der Fechenheimer Vogelschutzwarte. Es würde auch weitaus mehr Fledermäuse treffen, die gerade im Wald das größte Nahrungsangebot finden. „Es gibt keine Studien zu Windkraft im Wald“, kritisiert Kaipf. „Man plant Anlagen ins Habitat, obwohl man gar nichts weiß. Das ist sehr unbefriedigend.“

Gesetzlich geschützt

„Wir brauchen Zeit für vernünftige Untersuchungen“, fordert Karl Kugelschafter, der Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Fledermaus im Nabu: „Das dauert ein paar Jahre. Für die Fledermäuse ist es katastrophal, wie jetzt versucht wird, die Energiewende durchzuboxen.“

Die Lage ist vertrackt. Endlich entdeckt die Politik die erneuerbare Energie – schon bleibt ein Teil der Natur auf der Strecke für eine Reform, die eigentlich allen helfen soll. Kein Tierfreund ist gegen regenerative Energie. „Aber wir müssen die Atmosphäre schützen, ohne die Biosphäre zu zerstören“, bringt es Klaus Richartz auf den Punkt, der Leiter der Vogelschutzwarte und Sachverständige für Fledermausschutz. Es ist auch eine Herzensangelegenheit. Die toten Tiere aufzulesen, trifft ganz besonders die Menschen, die vor Ort für den Naturschutz einstehen.

Fledermäuse stehen unter dem Schutz des Gesetzes. Dem müssten die Mächtigen stärker Rechnung tragen, fordern die Fachleute. Es brauche fundierte Richtlinien, etwa eine „Technische Anleitung Wind“ analog zu bestehenden Regelungen wie der „TA Lärm“. Die Zeit drängt, warnt Dirk Bernd: „Einzelne Populationen gehen schon stark zurück.“

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