Um 14 Uhr am Mittwochnachmittag traf die Nachricht für Neckermann aus Florida auf dem Stammgelände an der Hanauer Landstraße ein: Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, stellt die benötigten 25 Millionen Euro zur Rettung der Firma nicht zur Verfügung.
Ein zuvor von Vorstand, Gewerkschaft und Betriebsräten ausgehandelter Vertrag über einen Sozialplan mit Abfindungen für 1.500 Menschen kam so nicht mehr zum Tragen. Neben der Firmenzentrale in Frankfurt sind auch ein Neckermann-Logistikzentrum im sächsischen Heideloh mit 250 Beschäftigten und ein Call-Center im türkischen Istanbul mit 200 Angestellten betroffen. Die Insolvenz gilt außerdem für weitere Neckermann-Dependancen in der Schweiz, Österreich und den Niederlanden mit mehreren Hundert Menschen.
Die ausgehandelte Einigung hätte bedeutet, dass nur 1.500 Personen am Standort Frankfurt ihren Arbeitsplatz verloren hätten. Vereinbart waren auch zwei Transfergesellschaften für die Bereiche Neckermann de und Logistik – in ihnen hätten die Beschäftigten bis zu zehn Monate weiterarbeiten können. Dazu kommt es jetzt nicht mehr. „Wir sind überrascht und enttäuscht“, sagte Bernhard Schiederig, Landesfachbereichsleiter Handel bei der Gewerkschaft Verdi. „Wir sind an die Schmerzgrenze gegangen, um die Arbeitsplätze zu retten – wir hätten uns sehr gewünscht, den betroffenen Menschen helfen zu können.“
Ausverkauf bei Neckermann: Das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet.
Foto: Michael Schick„Es ist sehr, sehr bitter“, sagte Sven Selle, einer von drei Sprechern von mehreren Hundert Beschäftigten, die bis zuletzt für ein Überleben der Firma gekämpft hatten. Noch am Mittwoch hatte die Initiative mehrere Hundert Unterschriften dafür gesammelt, dass Sun Capital den ausgehandelten Kompromiss annimmt – alles vergeblich.
Nachdem der Neckermann-Vorstand am Mittwoch Insolvenzantrag beim Amtsgericht Frankfurt gestellt hat, werden die Juristen am Donnerstag einen Insolvenzverwalter für das Versandhaus benennen. Für die Männer und Frauen von Neckermann gibt es dann drei Monate Insolvenzgeld, den begonnenen Monat Juli eingerechnet. Auch der Insolvenzverwalter hat drei Monate Zeit, zumindest für Teile des Unternehmens noch eine Zukunftsperspektive zu eröffnen.
Um 15.30 Uhr am Mittwoch begann auf dem Gelände an der Hanauer Landstraße eine Betriebsversammlung, bei der die Beschäftigten über das Aus informiert wurden. „Der Eigentümer des Unternehmens hält das Ergebnis der Verhandlungen nicht für tragfähig und wird keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen“, heißt es in einer Erklärung von Vorstand, Betriebsräten und Gewerkschaften, die zeitgleich verbreitet wurde. Deshalb könne Neckermann „in seiner bestehenden Form nicht fortgeführt werden.“ Die Geschäftsführung versprach, „alles daran zu setzen, das laufende Geschäft auch im vorläufigen Insolvenzverfahren aufrechtzuerhalten und alle Möglichkeiten zu prüfen, die sich zur Fortführung des Geschäfts ergeben.“
Der traditionsreiche Versandhändler Neckermann mit Sitz in Frankfurt ist nicht mehr zu retten. Gut 2000 Menschen werden nun arbeitslos. Zur Themenseite Neckermann.
Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) warf dem Eigentümer Sun Capital vor, sich der Verantwortung zu entziehen, die in der sozialen Marktwirtschaft gelte. Der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) sah „gute Chancen, einen Unternehmenskern zu retten“. Ein modernes Internet-Versandhaus Neckermann de sei überlebensfähig. „Wir finden uns nicht mit der Entwicklung ab, wir kämpfen weiter“, sagte der Stadtrat.
An die 700 Neckermann-Mitarbeiter protestieren am Montag und Dienstag gegen Stellenabbau und für einen Sozialplan. Mit den Streiks will die Gewerkschaft Verdi den Druck auf die Geschäftsführung und den Eigentümer Sun Capital Partners erhöhen, die Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag mit Abfindungen und Qualifizierungsregelungen wieder aufzunehmen. Der einst äußerst erfolgreiche Versandhändler Neckermann will zum Jahresende den Eigenhandel mit Textilien sowie das Frankfurter Zentrallager aufgeben. Dem Schnitt sollen bundesweit 1.380 von gut 2.400 Vollzeitstellen zum Opfer fallen, die weitaus meisten davon in Frankfurt. Knapp jeder zweite Mitarbeiter in dem Unternehmen ist nach Verdi-Angaben Mitglied der Gewerkschaft.
Foto: dapdWir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."
Ein Schwarzer gerät in der U-Bahn in Konflikt mit Fahrkarten-Kontrolleuren und der Polizei Frankfurt. Am Ende liegt er im Krankenhaus. Die Polizei sieht sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Das Spezial.
Derege Wevelsiep steigt Mitte Oktober mit gültigem Fahrausweis in eine Frankfurter U-Bahn - und wird nach einem Wortgefecht mit Kontrolleuren von herbeigerufenen Polizisten verprügelt.
Wegen seiner Verletzungen muss er drei Tage im Krankenhaus bleiben.
Die Frankfurter Polizei ermittelt intern gegen vier Beamte des 6. Reviers, die der äthiopischstämmige Diplom-Ingenieur beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Sein Anwalt wirft den Beamten Hausfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung vor.
Im Internet bricht ein Sturm der Entrüstung los, über soziale Netzwerke wird eine Solidaritäts-Demo organisiert.
Auch der Landtag befasst sich mit dem Fall.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.
Frankfurt unter Peter Feldmann - ein Oberbürgermeister sucht seinen eigenen Stil. Das Spezial.