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17. Juli 2012

Neckermann Interview: "Wir wollen, dass es weitergeht"

Will das Aus bei Neckermann abwenden: Sven Selle.  Foto: Andreas Arnold

Nach Streiks und Sitzblockaden verhandeln Management und Belegschaft bei Neckermann wieder. Darüber sind viele erleichtert - auf beiden Seiten. Sven Selle, der Leiter des Online-Shops bei Neckermann, ist einer von ihnen. Im FR-Interview erklärt Selle, warum nun schnellstens etwas geschehen muss.

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Beim angeschlagenen Versandhändler Neckermann wird wieder verhandelt. Die Gespräche zwischen Management und Belegschaft sollen am heutigen Dienstag fortgesetzt werden. Sollten sich beide Seiten einigen, wäre eine drohende Insolvenz abgewendet. Laut Verdi geht es um die Absicherung eventueller Abfindungszahlungen und die Auswahlkriterien bei möglichen Kündigungen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa liegt ein Angebot auf dem Tisch, bis Ende dieses Jahres alle Arbeitnehmer weiter zu beschäftigen, und mögliche Abfindungen aus flüssigen Mitteln zu bezahlen. Eine neue Initiative im Betrieb hatte Ende vergangener Woche Arbeitnehmervertreter und Unternehmensleitung aufgefordert, sich zu einigen und erhielt viel Zulauf. Die FR interviewte einen ihrer Sprecher.

Herr Selle, nachdem es bei Neckermann zu einer Art Aufstand von Beschäftigten angesichts der drohenden Insolvenz gekommen war, soll jetzt doch weiterverhandelt werden. Was halten Sie davon?

Wir sind sehr froh, dass die Gespräche jetzt wieder aufgenommen werden und hoffen, dass ein Kompromiss gefunden wird, der die Interessen aller Mitarbeiter berücksichtigt.

Wie war es zu dem Aufstand gekommen?

Das begann am vergangenen Donnerstag nach einer Mitarbeiterversammlung. Es wurde uns klar, dass die Verhandlungen zwischen Geschäftsleitung und Betriebsräten in einer Sackgasse stecken. Und dass nun wirklich die Insolvenz drohte. Da sind 150 bis 200 Leute spontan zum Betriebsratsbüro gezogen und danach hoch zur Geschäftsführung.

Zur Person

Sven Selle führt den Online-Shop von neckermann.de. Der 44-Jährige ist einer von drei Sprechern von Neckermann-Mitarbeitern, die sich über das Wochenende spontan organisiert haben.

Etwa 800 Unterzeichner unterstützen bisher diese Gruppe. Ihr Ziel: Erhalt des Unternehmens, Entlassungen auch ohne Sozialplan und Abfindungen.

Was war Ihre Hauptforderung?

Wir wollten in jedem Fall das Aus bei Neckermann abwenden. Denn wir wollen, dass es weitergeht, dass die vorhandenen Zukunftschancen dieses Unternehmens genutzt werden können. Deshalb forderten wir Geschäftsleitung und Betriebsräte auf, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Und zwar ohne Vorbedingungen.

Das war auch ein Misstrauensvotum gegen die Betriebsräte, die Sie bisher vertreten haben.

Nein, wir wollten vielmehr die Position der Betriebsräte, insbesondere auch gegenüber der Gewerkschaft Verdi, stärken. Viele Leute haben einfach Angst. Sie fürchten, dass durch die in der Presse veröffentlichten Maximal-Positionen einiger Verdi-Funktionäre das gesamte Unternehmen beschädigt wird, und sie bemängeln, dass bisher die Deutungshoheit in der Öffentlichkeit über die Vorgänge und Gründe der Probleme allein bei Verdi liegt.

Sind Sie eigentlich selbst von der Kündigung betroffen?

Das weiß ich nicht. Ich leite den Online-Shop von Neckermann. Niemand weiß genau, wer gekündigt wird, bis auf die Kolleginnen und Kollegen der Logistik, deren Stellen komplett wegfallen sollen. Wir wissen nur: Es wird bei den Kündigungen wahrscheinlich eine Sozialauswahl nach einem Punktesystem geben.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir haben für unsere Position letzte Woche schon 800 Unterschriften gesammelt, darunter auch Solidaritätsadressen von Dienstleistern. Ich gehöre einer Gruppe von Mitarbeitern an, die als Vertreter einer spontanen Initiative agieren, und wir versuchten von Anfang unserer Aktion an schlichtweg zu vermitteln. Wir haben das ganze Wochenende über beraten. Und dann haben wir entschieden: Wir gehen an die Öffentlichkeit, egal, was das für uns persönlich bedeutet. Und wie es aussieht, war unser Bemühen nicht umsonst.

Werden Sie jetzt trotzdem weitermachen?

Ja, wir werden die Verhandlungen, die nun wieder aufgenommen werden sollen, weiter beobachten. Neckermann läuft die Zeit davon. Das ist das Schlimmste. Es muss nun wirklich schleunigst etwas geschehen.

Das Interview führte Claus-Jürgen Göpfert

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