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21. März 2011

Neonazis: Die zwei Gesichter des jungen G.

 Von Danijel Majic
Am Montag in der Kreisverwaltung.  Foto: FR/Kraus

Ein Auszubildender der Kreisverwaltung Offenbach ist angeblich rechtsextrem. Neue "Kameradschaften" machen im Rhein-Main-Gebiet derzeit von sich reden.

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Der Besuch kommt unangemeldet. Es ist 11 Uhr vormittags, als ein gutes Dutzend Antifa-Aktivisten vor der Kreisverwaltung in Dietzenbach Stellung bezieht. Transparente werden entrollt, Flyer verteilt, eine Botschaft per Megafon laut verlesen. Es ist ein sogenanntes Outing. Ziel der Aktion ist ein Auszubildender der Kreisverwaltung. Es geht um G., wie er im Folgenden genannt werden soll. G. wird verdächtigt, ein Nazi-Aktivist zu sein.

Den meisten Beschäftigten dürfte G., den die Antifa an diesem Morgen beschreibt, unbekannt sein. An seinem Arbeitsplatz fällt der junge Mann normalerweise nicht weiter auf. Er ist adrett gekleidet. Sein Gesicht zeigt sanfte, beinahe feminine Züge. In wenigen Monaten wird G. seine letzten Prüfungen ablegen. Dann ist er Verwaltungsfachangestellter. Weil er sich zusätzlich in der Jugend- und Auszubildenden-Vertretung engagiert, winkt ihm sogar ein unbefristeter Vertrag.

"Preserve-White-Aryans"

Außerhalb der Kreisverwaltung scheint es einen anderen G. zu geben. Einen, der dunklere Outfits bevorzugt. Dunkle Klamotten, schwarze Baseballkappe, Sonnenbrille. Dazu ein Kapuzenpulli, auf dem in Brusthöhe die Aufschrift „Volksgemeinschaft“ prangt. Eben dieses Outfit hatte G. gewählt, als er am 4. September 2010 nach Dortmund fuhr – zum „Nationalen Antikriegstag“, einer Demonstration von „parteiunabhängigen Nationalen“.

G. war nicht allein. Mit ihm demonstrierten prominente Vertreter der „Nationalen Sozialisten Rhein-Main“ (NSRM), etwa Maximilian Reich, Kandidat der Frankfurter NPD für den Römer, und Kai König von der rechtsextremen Wählergemeinschaft „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ in Thüringen. Im sozialen Netzwerk Facebook sind sie befreundet.

Auf Facebook, in seinem Profil zeichnet auch G. ein recht aussagekräftiges Bild seiner Gesinnung; bis vor kurzem war sein Profil noch frei zugänglich. Gabor Vona, Vorsitzender der rechtsextremistischen, ungarischen Jobbik-Partei, zählt ebenso zu G.s „likes“ wie Final-Stand-Records, ein offen rassistisches Musiklabel, das Musik von Bands wie „Stahlgewitter“ und „Preserve White Aryans“ veröffentlicht. Im Netzwerk „Wer-kennt-Wen“ gehört G. Gruppen wie „Stop Israel“ und „Fight Zionism“ an.

Zu den Nationalen Sozialisten Rhein-Main und NPD-Größen hält G. offenbar auch außerhalb des Internets Kontakt. Fotos zeigen ihn – nach Angaben der Antifa – auf dem Weg zu einem NPD-Sommerfest im Raum Aschaffenburg. Mit ihm im Auto sitzen Lucas H., der ebenfalls zu den NSRM-Aktivisten gezählt wird, und Stefan Jagsch, hessischer Landesvorsitzender der NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten.

Rechte Demo auf der Zeil

Außerhalb der Kreisverwaltung scheint G. kaum einen Hehl aus seinen Überzeugungen zu machen. Sein Facebook-Profil weist ihn als Anhänger der Offenbacher Kickers aus. Und in der Fan-Szene ist sein Name durchaus bekannt. „Das ist einer, der total nervt“, beschreibt ihn ein Kenner, der namentlich nicht genannt werden möchte. Regelmäßig versuche G., andere Anhänger der Kickers von seiner Weltsicht zu überzeugen. „Da folgen schon einmal philosophische Ausführungen über den Ausländer an sich und so etwas.“

An seinem Arbeitsplatz scheint sich G. von einer anderen Seite zu zeigen. Aufgefallen ist er bislang nur einmal in der Berufsschule, weil er ein Sweatshirt eines rechten Modelabels trug. „In einem ersten Gespräch dementierte der Auszubildende jedoch jede Verbindung in die rechte Szene“, sagt Oliver Quilling, Christdemokrat und Landrat im Kreis Offenbach.

Die Antifa hingegen glaubt, das Gegenteil beweisen zu können. Der jüngste Zwischenfall, an dem G. beteiligt gewesen sein soll, war eine Spontandemonstration von etwa zehn vermummten Nationalisten auf der Zeil. Am 22. Januar zogen sie unter dem Motto „Kommunismus ist Völkermord“ über die Frankfurter Einkaufsstraße. Ein Video des Demo-Zugs kursiert als „Frontnachrichten aus Frankfurt“ bei Youtube. Zwischendurch verkünden zwei vermummte Sprecher, dass man künftig verstärkt auf solche Demonstrationen setzen würde. Antifa-Aktivisten glauben, in einem der Sprecher G. erkannt zu haben.

Aufgrund dieser Hinweise ist man nun auch im Landkreis alarmiert. Man werde „den Fall rechtlich prüfen, die Situation abwägen und entsprechende Konsequenzen ziehen“, verspricht Landrat Quilling: „Wer, wo auch immer, menschenverachtende rassistische Einstellungen propagiert, wer in sozialen Netzwerken klar macht, dass er Antisemitismus gut findet, wer öffentlich damit hausieren geht, dass er nicht auf dem Boden dieser Verfassung steht, für den ist in dieser Kreisverwaltung kein Platz. Punkt um! Da gibt es keine Diskussion.“

G. hingegen schweigt – trotz mehrfacher Anfragen seitens der FR zu den Vorwürfen.

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