Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

07. Januar 2013

Neonazis Frankfurt: "Ich bring' dich um!"

 Von 
"Nationale Sozialisten" in Frankfurt.  Foto: Hartung

Ein Neonazi-Pärchen schlägt einen Mann eines Nachts im Frankfurter Stadtteil Griesheim halb tot. Der wollte verhindern, dass die beiden Nazi-Aufkleber großflächig plakatieren. Nun stehen alle drei vor Gericht. Komischerweise ist das Opfer aber der Angeklagte.

Drucken per Mail

Es gehört nicht zum Aufgabengebiet der politischen Abteilung bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft, den Mutigen dieser Welt für ihre Courage entsprechende Ehrungen angedeihen zu lassen. Damit also konnte Patrick S. nicht rechnen, als er sich am 11. April vergangenen Jahres abends am Griesheimer Bahnhof einem stadtbekannten Neonazi-Pärchen in den Weg stellte und dafür halb tot schlagen ließ. Mit einer Anklage dafür hat er allerdings auch nicht gerechnet. Die aber gehört zum Aufgabengebiet der politischen Abteilung bei der Staatsanwaltschaft.

Es ist ein merkwürdiger Fall, der am Montag vor der Zweigstelle des Amtsgerichts in Höchst damit endet, dass die Anklagevertretung selbst einen Freispruch für den Angeklagten fordert. Weil ihr dann doch irgendwann aufgeht, in der Sache eher gar nicht richtig zu liegen.

An jenem Abend im April steigt Patrick S., 30, in Griesheim aus der S-Bahn und trifft im Halbdunkel auf dem Bahnsteig auf Nina M., 30, und Lars Z., 23. Die beiden sind bekannt für ihre rechten Umtriebe, viele Beobachter der Szene rechnen sie den Nationalen Sozialisten Rhein-Main zu. Wo immer in den vergangenen Jahren in der Gegend ein paar Neonazis zusammenlaufen, sind sie dabei. Auf dem Bahnsteig kleistern sie gerade Plakatwände mit rechtsextremen Aufklebern zu, als Patrick S. ihren Weg kreuzt. Und die beiden Neonazis zur Rede stellt.

Stoß oder Schlag?

Nun mag S. nicht unbedingt zum Ehrenbürger taugen, er ist angetrunken an jenem Abend, auch er hat in der Vergangenheit schon Kontakt mit der Polizei gehabt. Nach seiner Darstellung kommt es auf dem Bahnsteig zum Gerangel, weil er Lars Z. einen der Aufkleber ins Gesicht pappen will. Das Gerangel endet damit, dass Lars Z. und Nina M. auf den am Boden liegenden S. eintreten. Im Krankenhaus wird eine Lendenwirbelfraktur diagnostiziert, eine gebrochene Rippe und ein gebrochenes Nasenbein. Patrick S. gibt zu Protokoll, am Schluss gefleht zu haben, er sei doch ein Mensch. Nina M. und Lars Z. aber geben zu Protokoll, er habe angefangen, habe Z. mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen. Z. habe sich nur verteidigt. Die Staatsanwaltschaft folgt ihrer Darstellung.

Vor Gericht verwickeln sich die getrennt als Zeugen angehörten M. und Z. in ganz erhebliche Widersprüche. Das beginnt damit, dass Z. selbst den Schlag mit der Flasche relativiert, dieser sei wohl „teilweise nicht gewollt“ und mehr ein Stoß gewesen. Nichtsdestotrotz will Z. dabei eine schwere Platzwunde davongetragen haben. Laut M. war es dann auch ein „schwerer Schlag von oben auf den Kopf“.

So geht es immer weiter: Der eine gibt an, der rechten Szene anzugehören, die andere erklärt, die Nationalen Sozialisten Rhein-Main seien „ein Idiotenverein“. Er sagt, man habe keine Aufkleber angebracht, sie sagt, „natürlich“ habe man Aufkleber angebracht. Er sagt, sie habe den am Boden liegenden S. nicht getreten, sie räumt jedoch genau das ein. Patrick S. sitzt währenddessen auf der Anklagebank und schüttelt ungläubig den Kopf. Immerhin kann er froh sein, dass er das noch kann: den Kopf schütteln.

Kein Problem mit Freispruch

Zu allem Überfluss treten vor Gericht drei Zeugen auf, deren Angaben ganz und gar nicht zu denen von Nina M. und Lars Z. passen wollen. Einer hat das Klirren der Bierflasche erst mitten im Gerangel gehört, mitnichten also als Auslöser desselben. Ein anderer erklärt, von Z. den Ruf „Ich bring' dich um!“ vernommen zu haben. All das ist allerdings gar nicht neu: Die Staatsanwaltschaft hätte es bereits in den Vernehmungen der Polizei nachlesen können. Ein Verfahren gegen M. und Z. aber hatte sie vorläufig eingestellt.

Patrick S. immerhin wird freigesprochen, da habe er „kein Problem mit, das zu beantragen“, sagt der Staatsanwalt. All die rechtsextremen Hintergründe spielen in den Ausführungen der Anklage übrigens keine Rolle. Politik scheint auch nicht wirklich zum Aufgabengebiet der politischen Abteilung bei der Staatsanwaltschaft zu gehören.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten und Reportagen aus dem Herzen des Rhein-Main-Gebiets - alles über Frankfurt und seine Stadtteile.

Twitter
Südliche Stadtteile
Östliche Stadtteile
Nördliche Stadtteile
Westliche Stadtteile
Bahn-Verkehr

Die Lage im Bahnverkehr live:

- Frankfurt a.M. (Hbf) aktuelle Abfahrt und Ankunft,
- An- und Abfahrt für alle Stationen,
- Reiseverbindungen als Live-Auskunft (Prognosen).

Anzeige

Premium-Fotostrecke
Frankfurt von oben

Mit dem Hubschrauber unterwegs über der Mainmetropole: Fliegen Sie mit!
Zur Premium-Fotostrecke Frankfurt von oben.

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

ANZEIGE
- Partner