Die Nilgans ist nicht die einzige umstrittene Neubürgerin in Frankfurt – es gibt viele dieser sogenannten Neozoen.
Das ist nicht nur ein Wort, das man hervorragend von vorn wie von hinten lesen kann, sondern auch die Bezeichnung für Tiere, denen der Mensch in eine Gegend verholfen hat, in die sie von allein nicht gekommen wären. Halsbandsittiche zum Beispiel. Oder Mauereidechsen. Waschbären. Möwen.
Wenn solche Neubürger in Rhein-Main auftauchen: „Das hängt mit der Klimaveränderung zusammen, auch mit dem Aussetzen exotischer Tiere in der Natur und mit einer gewissen Landflucht“, sagt Sören Dürr, Pressesprecher der Senckenberg-Forscher.
„Honk-hää-hää-hää-hää“ macht die Nilgans, wenn wir die Landesjägerschaft Niedersachsen zitieren dürfen, beziehungsweise „ah-honk“ (Deutscher Jagdschutz-Verband) oder auch
„ang-hää-hää“ (vogelart.info), dies
jedenfalls „tief, aber schrill“, zumindest die weiblichen Tiere. Die männlichen dagegen: „heiser zischend“.
Beheimatet ursprünglich in Ägypten (daher der Name Nil-) und Umgebung, zog es den afrotropischen Entenvogel nicht gerade magisch nach Norden – nein, der Mensch hielt es für angebracht, Nilgänse als Zierde zu halten; im 18. Jahrhundert schließlich auch in Europa. Es kam, was kommen musste: Ausgebüxte Tiere gründeten eigene
Ansiedlungen und verbreiteten sich.
Inzwischen sind sie in mehreren deutschen Bundesländern daheim. Am Nil dagegen werden sie angeblich rar.
Alopochen aegyptiacus, der wissenschaftliche Name, bedeutet übrigens ägyptische Fuchsgans, wie etwa 150 Internetseiten in ein und demselben Wortlaut behaupten – und was glücklicherweise Gerald Mayr bestätigt, der im Forschungsinstitut Senckenberg die Paläoornithologie leitet. Wieso Fuchsgans? Weil sie wie die total unerschrockene Brandgans gern im Fuchsbau (!) brütet? Nein. Wohl eher, weil sie in der Färbung dem Fuchs ähnelt. Frech genug.
Der Storch hingegen, Ciconia ciconia, unser lieber Schreitvogel, hat im Frankfurter Norden eine lange und ehrenhafte Geschichte. Einst fuhren die Leute im Sommer extra mit dem Rad durch Bonames nach Homburg, um ihn auf dem Schornstein der Bäckerei zu sehen – bis dort 1968 der Blitz einschlug. Seitdem war er nicht mehr da, der Storch. Erst 2011 kam er wieder. Und dieses Jahr wird er sehnlich erwartet.
Und was seine Kollegen da auf Nachfrage zusammentragen, ist eine beeindruckende Liste.
Schäden von jährlich fast 36 Milliarden Euro
Schon seit den 50er Jahren sind amerikanische Flusskrebse hier und auch Wollhandkrabben, die wahre Weltreisen in den Ballastwassertanks von Schiffen zurücklegen.
Jeden Tag fahren auf diese Art 7000 verschiedene Arten um den Globus, berichtet Volker Homes, bei der Umweltschutzorganisation WWF für den Artenschutz zuständig: „Dabei verursachen die tierischen Globetrotter Schäden von jährlich fast 36 Milliarden Euro.“
Noch nicht lange hier, aber viel auffälliger als die Krabben sind die asiatischen Harlekin-Marienkäfer. Im Herbst genossen sie in Massen die letzten warmen Sonnenstrahlen an den Häuserwänden. Importiert hatte man sie laut Nabu vor etwa zehn Jahren als Schädlingsbekämpfer in den Gewächshäusern. Seit sie sich draußen selbstständig gemacht haben, verdrängen sie zunehmend die einheimischen Marienkäfer. Unterscheiden kann man sie an den Punkten auf dem Rücken: Die Eingeplackten haben 19, die Alteingesessenen nur sieben.
Der milde Winter bietet den neuen Bewohnern Schutz
Buenos dias, Nutria: Aus Südamerika ist die Biberratte eingewandert, vermutlich als Flüchtling aus Pelztierfarmen, unter anderem nach Frankfurt und Umgebung, und nimmt recht offensiv Kontakt mit Nidda-Spaziergängern auf. Richtig massenhaft vermehrt sie sich aber nicht im westeuropäischen Klima – anders als das amerikanische Eichhörnchen, das sich gerade über Europa hermacht – von Großbritannien und Italien aus verdrängt es die kleineren roten Hörnchen aus ihrer Heimat, wie die Forscher befürchten.
Schildkröten geht es da nicht besser: Kollegen aus Übersee wie die Rotwangen-Schmuckschildkröte vermehren sich an den Gewässern. Ein zünftiger deutscher Winter, wie es ihn früher gab, würde der Rotwangigen und auch den meisten Nutrias den Garaus machen. Aber im aktuell eher milden Winter haben sie gut lachen.
Genauso wie die Amerikanische Büffelzikade. Und auch die Kräuseljagdspinne, einst nur in Asien und Ozeanien zu Hause, fühlt sich neuerdings bei uns ganz wohl mit ihrem zwei Zentimeter langen Körper. „Gern auch in Wohnungen“, sagt Sören Dürr. Aber keine Panik: „Die beißt nicht.“ (ill.)

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