Nach beteiligten Bauunternehmen erhebt nun auch das Sportmedizinische Institut (SMI) an der Otto-Fleck-Schneise Vorwürfe gegen den Deutschen Turner-Bund (DTB). Trotz mehrfacher Aufforderungen durch den Brandschutzbeauftragten des SMI in den vergangenen Jahren seien Feuerlöscher in dem Gebäude nicht durch den DTB gewartet worden, so dass der Brandschutz „nicht gewährleistet“ werden könne, sagte SMI-Sportmediziner Heinz Lohrer auf FR-Anfrage. Zudem seien zahlreiche Vorgaben des SMI für den benachbarten Neubau des DTB „nicht erfüllt“ worden.
Das SMI ist Mieter in einem alten Gebäudeteil des DTB, das direkt an den Neubau an der Otto-Fleck-Schneise anschließt. Am Bau beteiligte Unternehmen hatten dem Turner-Bund zuletzt vorgeworfen, beim Brandschutz ebenso gegen Auflagen zu verstoßen wie beim Umweltschutz, weil erforderliche Druckerhöhungsanlagen zum Löschen auch oberer Etagen im Brandfall wegen Geldmangels nicht eingebaut worden seien. Der DTB weist die Anschuldigungen zurück. Das Gebäude sei komplett vom TÜV abgenommen worden, sagte ein DTB-Sprecher am Dienstag.
Außer einem seien alle Hydranten „funktionsfähig“. Ob sich die Anschuldigungen möglicherweise auf eine andere Druckerhöhungsanlage bezögen, vermöge er nicht zu sagen, so der Sprecher. Die Mängel beim Sportmedizinischen Institut „entziehen sich unserer Kenntnis“.
Der fünfstöckige Neubau des Verwaltungssitzes der Turner war erheblich teurer geworden als geplant, wie DTB-Generalsekretär Hans-Peter Wullenweber auf FR-Anfrage erstmals bestätigt hatte. Statt der zunächst veranschlagten 27 Millionen Euro hatte der Bau am Ende 35 Millionen Euro verschlungen. In der ursprünglichen Planung, auf deren Basis die Stadt einen Zuschuss und eine Bürgschaft genehmigt hatte, war sogar nur von Kosten in Höhe von 17,2 Millionen Euro die Rede gewesen. Der Bau hatte den DTB in große Finanznöte gestürzt, die erst durch Beitragsvorauszahlungen der Landesverbände ausgeglichen werden konnten.
Die städtische Bauaufsicht teilte auf Anfrage mit, es lägen „keine Erkenntnisse“ über Mängel beim Brandschutz vor. Nach den gesetzlichen Regelungen erfolge eine Abnahme bei Neubauten durch externe Sachverständige, die an die Bauaufsicht berichteten. Das sei im Falle des DTB erfolgt, sagte Amtsleiter Michael Kummer.
Nach Angaben von SMI-Mediziner Lohrer reagiert der DTB seit geraumer Zeit nicht auf Nachfragen zum Brandschutz und zu Umweltauflagen. So könne das SMI etwa noch immer nicht den Parkplatz vor dem Haus nutzen, weil dieser mangels ordnungsgemäßer Entwässerung auch fast 18 Monate nach Eröffnung des Neubaus weiterhin gesperrt sei. Das Gebäude steht im Stadtwald in einem Wasserschutzgebiet und ist deshalb mit hohen Auflagen belegt worden, die aber offenbar im Nachhinein gelockert worden waren.
In der vergangenen Woche hatte es im Keller des SMI zudem einen Wasserrohrbruch gegeben, bei dem ein Röntgengerät im Wert von 200.000 Euro beschädigt worden war. Auch darauf habe der DTB bislang nicht reagiert, so Lohrer. Mit dem Hinweis auf Verbesserungen für die Sportmediziner habe der DTB seinerzeit um öffentliche Fördergelder geworben, so Lohrer, nun betrachte man sich als „Geschädigte des Bauprojekts“. Rückwirkend für das vergangene Jahr habe man deshalb bereits die Miete an den DTB gekürzt. Die finanzielle Not beim Turner-Bund dürfte das noch weiter verschärfen.
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