Herr Jourdan, die schwarz-grüne Stadtregierung hat den Bau des Stadthauses über dem Archäologischen Garten bis auf weiteres abgesagt. Ist damit die Altstadt-Bebauung insgesamt gefährdet?
Nein, das glaube ich nicht. Die Entscheidung zum Stadthaus bedeutet nicht das Aus für die Altstadt. Man kann die Häuser am Markt wie geplant bauen. Es entsteht dann nur ein Zwischenzustand, aus meiner Sicht: ein möglicher Zwischenzustand. Solche Zwischenlösungen finden sich an vielen Orten in Frankfurt. Richtig ist, dass von den Häusern am Markt dann die Brandmauern zum Teil zu sehen wären – aber das gibt es auch an anderer Stelle in Frankfurt und in vielen historischen Altstädten Europas.
Richtig ist aber, dass die Häuserzeile am Markt keine Rückseite besäße?
Das stimmt nicht ganz. Das künftige Haus Goldene Waage besitzt einen Hausteil mit Fenstern, der das Belvederchen trägt. Dieser Bauteil ragt in das Grundstück des Stadthauses hinein. Das wird dann in Zukunft einer der besonderen Blickpunkte für die Fußgänger sein. In dem Zwischenzustand kann man auch den Hof des Hauses Goldene Waage offen lassen. Dieser wunderbare Renaissance-Bau wird dann mit dem achteckigen Treppenturm und zwei Fachwerkfassaden zum Hof sichtbar sein.
Aber wie lässt sich denn ohne Stadthaus der Übergang zwischen der Kunsthalle Schirn und den Altstadthäusern bewältigen, wie lässt sich der Höhenunterschied überbrücken?
Das ist aus meiner Sicht kein Problem. Man muss sich in der Tat überlegen, wie man das Niveau des Archäologischen Gartens mit dem der Altstadt verbindet. Zur Zeit besteht ein Treppenanschluss. Ich würde jetzt die Plattform vor der Kunsthalle Schirn zunächst erhalten und auch den Tisch neben der Schirn stehen lassen. Von dieser Plattform müsste ein Treppenübergang zur Altstadt geschaffen werden, über den es nach oben oder nach unten geht.
Sie selbst werden ja mit Ihrem Büro die Rekonstruktionen des Hauses am Rebstock und der Goldenen Waage übernehmen. Ist denn durch den Wegfall des Stadthauses der Gesamteindruck der Altstadt beeinträchtigt, ist das Haus am Rebstock dadurch berührt?
Nein, davon gehe ich nicht aus. Es entsteht dadurch keine andere Situation. Es muss allerdings die technische Versorgung einiger Altstadthäuser, die bisher im Stadthaus untergebracht werden sollte, neu organisiert werden. Das heißt: Sie muss in der ersten Ebene der Tiefgarage Dom Römer untergebracht werden.
Wann werden Sie mit den Arbeiten zum Haus am Rebstock beginnen können?
Das Haus soll einer der ersten Bauten der Altstadt werden. Wir hoffen, im Herbst mit der Verwirklichung beginnen zu können. Das hängt davon ab, wann der Umbau der Tiefgarage Dom Römer abgeschlossen werden kann. Erst dann können die Arbeiten am angrenzenden Haus Rebstock begonnen werden. Nach derzeitigem Stand soll die Tiefgarage zum Weihnachtsmarkt 2012 wieder eröffnet werden. Der Bau des Hauses Rebstock dauert zwei Jahre.
Das Interview führte Claus-Jürgen Göpfert

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