Mehr als 140 Millionen Anfragen am Tag – das ist, nüchtern betrachtet, eine ganze Menge Arbeit für denjenigen, der das alles bearbeiten und beantworten muss. Google, die populärste und am häufigsten genutzte Suchmaschine der Welt, macht das täglich und immerfort. Weshalb der Umgang mit der unheimlichen Maschine so selbstverständlich geworden ist, dass aus der Tätigkeit des Unternehmens ein Verb geworden ist.
Aber noch ergeben sich nicht alle der Allgegenwart des amerikanischen Goliaths. Hier und da leben noch Internet-Gallier, die dem römischen Google-Imperium Widerstand leisten wollen. Christine Gerbershagen gehört zu ihnen, aber auch Anett Mehler-Bicher oder Männer wie Lothar Steiger und eine langsam wachsende Schar von Internet-Nutzern, die inzwischen auf die deutsche Suchmaschine Mageleo vertrauen. Seit einem Jahr ist der Dienst online, und seit einigen Wochen beschäftigen sich 40 Studierende am Fachbereich Wirtschaft der Mainzer Fachhochschule unter Leitung von Professorin Anett Mehler-Bich und Lothar Steiger mit dem fleißigen Helfer im Internet. Der wissenschaftliche Nachwuchs will herausfinden, wie die Suchmaschine genutzt wird, ob auffällt, was den elektronischen Helfer von anderen Maschinen unterscheidet und wo die Maschine optimiert werden kann.
Für die Gallierinnen und Gallier im römisch beherrschten Internet entfaltet Google wenig Charme: zu einseitig, spärliche Darstellung der Ergebnisliste in zweizeiligen Treffer-Anzeigen, dazu unübersichtlich. „Die Suche mit Google führt zwar zu einer Vielzahl von Treffens“, sagt die Wirtschaftsinformatikerin Mehler-Bich, „bei der Auflistung der Treffer wird jedoch kaum deutlich, um welche Art von Treffer es sich handelt.“ Das neue Internet-Portal biete nun mit seiner Vorschau-Ansicht und der Möglichkeit der Kategorisierung deutlich mehr Benutzerfreundlichkeit als Google. „Bei expliziter Suche nach Dokumenten kann man in die Kategorie Dokumente wechseln und bereits durch die Vorschau-Ansicht die Relevanz der Treffer beurteilen.“
Das ist einer von mehreren Unterschieden zwischen dem noch kleinen David und dem übermächtigen Goliath der Suchmaschinen. So werden bei Mageleo etwa die Suchergebnisse in Kategorien am linken Bildschirmrand dargestellt. Die Qualität einzelner Treffer wiederum kann der Nutzer schnell beurteilen, indem er einfach den Mauszeiger über den Treffer zieht und die Website im Mini-Format dargestellt bekommt. Vor allem aber kann der Nutzer im Unterschied zur Konkurrenz von Google viel einfracher bestimmte Treffer filtern, die er nicht haben will: Dazu zählen die allgegenwärtigen Pseudo-Treffer bei Ebay und Amazon. Ergänzt werden soll das Angebot von Mageleo demnächst durch die Kategorie Dokumente, wo jeder Inhalte, etwa Dossiers, Bücher und Artikel, ganz nach Gusto frei verfügbar machen oder zum Kauf anbieten kann.
Entstanden ist die Idee, ein Internet-Portal zu entwicklen, aus einer Biertisch-Laune heraus, sagt Christine Gerbershagen, Sprecherin von Mageleo mit Sitz in Wuppertal. Gut möglich, dass die Idee, Google Marktanteile streitig zu machen, auch nur am Biertisch entstehen konnte. Je größer, je mächtiger die Herausforderung, desto größer ist der Gewinn – davon haben sich die vier Gesellschaftler leiten lassen, die allesamt in der IT-Branche tätig sind. Die 300.000 Euro, die die Entwicklung des Portals gekostet hat, haben die Firmengründer aus eigener Tasche finanziert. Den Weg zur Bank haben sich die Enthusiasten erspart. Einen Kredit für ein Unternehmen, das Google Konkurrenz machen will? Wie hätte ein Bankberater auf dieses Konzept wohl reagiert? Google dominiert den Suchmaschinen-Markt mit einem Anteil von 80 Prozent, gefolgt von Yahoo und Bing von Microsoft, die zusammen auf nur rund zwölf Prozent kommen.
Angesichts solcher Zahlen steckt Mageleo – ein Kunstwort aus Magellan und Galileo zusammensetzt – noch in den Kinderschuhen. Doch eine nicht manipulative , von Werbung nicht dominierte Ergebnisliste bei der Internet-Suche war den Machern von Mageleo alle Mühe wert. Wegen des rasant wachsenden Informationsangebotes im Netz setzt Mageleo auf das Katalogprinzip, das ein themenorientiertes Stöbern möglich macht – und was mit Google nicht möglich ist. Ob und wie die Maschine angenommen wird, die von Bingen aus betrieben wird, wollen die Studierenden in Mainz in gut zwei Wochen ausgearbeitet haben. Wie es aussieht, schneidet das Portal bei den nicht repräsentativ Befragten recht gut ab.

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