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04. Januar 2011

Neuer Leiter der Jugendbegegnungsstätte: Mehr Schwung

 Von Canan Topçu
Meron Mendel, Leiter der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank, will Jugendliche aller Religionen zusammenbringen.  Foto: FR/Christoph Boeckheler

Meron Mendel will in der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank den Diskurs zwischen jungen Juden, Christen und Muslimen fördern. Dafür gibt er sogar eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Goethe-Uni auf.

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Frankfurt –  
Jugendbildung

Eine Tagung zum Thema „Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft“ veranstaltet die Einrichtung in Kooperation mit dem Frankfurter Jugendring am Samstag, 29. Januar, im Titus Forum (Nordweststadt). Beginn ist um 9 Uhr. Infos und Anmeldungen unter der Telefonnummer 56000170 bei Turgut Yüksel vom FJR.
Die Begegnungsstätte im Dornbusch ist ein Ort der außerschulischen Jugendbildungsarbeit. Dort können sich Jugendliche und Erwachsene mit der Geschichte des Nationalsozialismus und ihren vielfältigen Bezügen zur Gegenwart auseinandersetzen. Die interaktive und multimediale Dauerausstellung „Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland“ ist aktualisiert worden; Gruppen können die Ausstellung, die samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet ist, auch nach Anmeldung besuchen. Angeboten werden auch unter anderem Mediationen, Seminare, Workshops und Projekttage zu historischen und aktuellen Themen wie etwas zu Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus.
Erreichbar ist die Einrichtung, die ihre Räume in der Hansaallee 150 hat, telefonisch unter der Nummer 5600020. top




Das Jahr fängt für Meron Mendel gut an. Die vielen Gespräche, die er in den ersten Monaten nach seinem Antritt als Leiter der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank geführt hat, tragen bereits etliche Früchte. Drei Monate ist Mendel im Dienst, die erste Zeit hat er damit verbracht, Termine zu vereinbaren und Gespräche zu führen. Er traf sich mit Vertretern von Frankfurter Institutionen, die in der Jugend- und Bildungsarbeit tätig sind, sowie Kommunalpolitikern und Mitgliedern des Rats der Religion.

Etliche Ideen für gemeinsame Programme sind bei den Begegnungen ausgesponnen worden, und so manches wird auch schon bald umgesetzt – so etwa in Kooperation mit dem Frankfurter Jugendring (FJR) eine Veranstaltung, die Ende diesen Monats zum Thema „Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft“ laufen wird und sich vor allem an Multiplikatoren im schulischen und außerschulischen Bereich richtet. Und für das Frühjahr ist eine Lehrerfortbildung geplant, für die Mendel auch schon eine Stiftung als Förderer gewinnen konnte. Geplant ist mit dem FJR zusammen zudem ein Filmprojekt mit Jugendlichen aus Frankfurt und aus Israel, die christlich, muslimisch und jüdisch sind.

Als Mendel im Oktober bei der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank zu arbeiten begann, hatte er sich vorgenommen, mehr Schwung in die Institution zu beringen. Deswegen hatte sich der Vorstand ja auch für ihn entschieden: der 34-Jährige steht für frischen Wind am Dornbusch. Denn bis auf Besuche von Schülergruppen war in der vergangenen Zeit nicht allzu viel passiert in der Einrichtung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, über Antisemitismus, Menschenrechte und Diskriminierung aufzuklären und Begegnungen zu ermöglichen.

Arbeit in der Begegnungsstätte ist "große Herausforderung"

„Es ist nicht zwangsläufig so, dass Besucher zu uns kommen müssen; wir bieten auch an, in andere Einrichtungen zu gehen“, sagt Mendel. Er will mehr als die Vorgänger auf Jugendorganisationen zugehen und auch Kontakt zu Moscheegemeinden aufnehmen. Er will Referenten der Begegnungsstätte mit Jugendlichen vor Ort diskutieren lassen – über Menschenrechte, Diskriminierung und Antisemitismus. Bei diesen Gesprächen sollen seiner Ansicht nach konfliktreiche Themen nicht umgangen werden.

Den vielerorts praktizierten Trialog, in dem christliche, jüdische und muslimische Vertreter sich vor allem auf ihre gemeinsame Wurzeln besinnen und Konfrontationen scheuen, scheint Mendel nicht für besonders hilfreich zu halten. Er will Gesprächsrunden initiieren, in denen es gerade um die Differenzen gehen soll.

Die Arbeit der Jugendbegegnungsstätte zu erweitern, muss den jungen Mann mit den wachen Augen gereizt haben. Er nahm die „große Herausforderung“ an, sich mit Bildung nicht nur wissenschaftlich zu beschäftigen. Dafür gibt Mendel nach dem laufenden Wintersemester seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Goethe-Uni auf. Diese Entscheidung, lässt sich seinen Ausführungen entnehmen, muss ihm nicht allzu schwer gefallen sein.

Deutschland war nicht geplant

Die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte war es, die den jungen Israeli vor zehn Jahren nach Deutschland brachte. Mendel, der in Haifa Geschichte und Erziehungswissenschaften studierte, hatte seinen Schwerpunkt auf deutsche Geschichte gelegt und forschte schließlich mit einem Stipendium in München an der Ludwig-Maximilian-Universität über Juden, die aus Palästina nach Deutschland remigriert waren. Kaum kehrte er selbst nach Abschluss seines Studiums nach Israel zurück, da erhielt er ein Jobangebot, das er nicht abschlagen konnte. Und so kam Mendel zurück, diesmal als Leiter der Zionistischen Jugend Deutschland nach Frankfurt. Als „zionistisch“ will Mendel seine Arbeit in den vier Jahren aber keineswegs verstanden wissen. Es sei viel mehr darum gegangen, bei jungen Leuten, vor allem bei den jüdischen Einwanderern aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, eine kulturelle Verbundenheit zu Israel zu fördern.

Dass er einmal seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland haben würde, hier mit seiner Familie leben würde, das war keineswegs geplant. Aber anders als manch ein Israeli widerstrebte ihm die Vorstellung auch nicht, in Deutschland zu leben, erzählt Mendel in der Bibliothek der Jugendbegegnungsstätte. Wie jeder Israeli sei er mit Vorbehalten gegen Deutschland groß geworden. Doch seine Erlebnisse hätten ihn eines Besseren belehrt. Seine persönlichen Erfahrungen nimmt Mendel als Beleg dafür, dass Begegnungen und Gespräche durchaus dazu beitragen können, Vorurteile abzubauen.

Dass er jetzt in einer multikulturellen und multireligiösen Stadt wie Frankfurt arbeitet und darüber zu einem besseren und friedlichen Leben beitragen könne, das mache ihn glücklich, sagt Mendel ganz unaufgeregt, aber überzeugend.

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