Hupkonzerte, Staus und falsch parkende Autos machen den Nieder-Erlenbachern weiterhin schwer zu schaffen. Mit der Situation, wie sie sich momentan auf der Gemeinschaftsstraße im Ortskern darstellt, ist eigentlich niemand im Stadtteil so recht zufrieden. Beim Ortstermin der FR vor Ort an der Ecke Alt Erlenbach/Alte Fahrt war dies neben dem Wunsch nach einer eigenen Turnhalle und besseren Angeboten für Jugendliche das Thema Nummer Eins. Viele Bürger berichteten von ihren Erfahrungen, die sie mit Shared Space tagtäglich machen.
„Es gibt auf der Gemeinschaftsstraße keine Gehwege, die Kinder können so nicht einschätzen, wo sie laufen sollen“, erzählt Susanna Wolff, die ihren dreijährigen Sohn Jonas fest an der Hand hält. Und auch Sandra Heger hat regelrecht Angst um ihre Kinder: „Eine Katastrophe ist das hier“, sagt sie. Sie wisse nicht, was sie ihrem vierjährigen Sohn über Verkehrserziehung beibringen soll, wenn es auf der Gemeinschaftsstraße keinen Gehweg gibt und man gezwungen sei, wegen der parkenden Autos auf der Straße zu laufen. „Ohne Halteverbotsschilder geht es einfach nicht“, ist die junge Mutter überzeugt.
Die FR macht mobil und präsentiert sich vor Ort: Einmal pro Woche besucht die Lokalredaktion einen Stadtteil, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Wir hören uns gerne an, was Sie zu dem Stadtteil zu sagen haben und welche Anregungen, Kritik und Lob Sie für das Blatt haben.
Mit dabei sind stets prominente Vertreter des Stadtteils wie Ortspolitiker, Vereinsringsvorsitzende oder Sozialbezirksvorsteher.
Nächste Station ist am Mittwoch,
10. August, Enkheim. Das Stadtteilporträt erscheint bereits einen Tag zuvor, am Dienstag, 9. August.
Straßen sind zu eng
Doch genau diese sollten durch das Konzept von Shared Space überflüssig werden. 2009 hatte die Stadt rund 60 Verkehrsschilder aus dem Ortskern von Nieder-Erlenbach entfernt. Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer sollten gleichberechtigt und mit gegenseitiger Rücksichtnahme die Straße nutzen. „Aber die Leute nehmen keine Rücksicht“, ärgern sich die Bürger. „Dabei ist Rücksichtnahme doch erste Bürgerpflicht“, findet Ingeborg Stöltzing.
Der Zeitschriftenladen von Cornelia Krauße befindet sich mitten auf der Gemeinschaftsstraße. „Viele parken immer direkt vor dem Laden, um hier einzukaufen“, erzählt sie. Auch Yannick Schwander, Ortsbeiratsmitglied der CDU, ärgert das: „Es müssten Anreize geschaffen werden, das Auto auch mal stehen zu lassen“, schlägt er vor. Es gibt aber auch andere Stimmen: „Ich fahre seit 30 Jahren durch den Ort. Ob mit Shared Space oder ohne, Probleme gab es schon immer“, erzählt Jürgen Meyer-Ghode. Das eigentliche Problem sei die Enge der Straßen. Aber er findet: „Genau die machen ja auch den Reiz des Dorfes aus.“
Wie das Konzept und der Ort vielleicht doch noch zusammenkommen, soll nun in einer Planungswerkstatt diskutiert werden. Der erste Termin soll zeitnah im Ort kommuniziert werden. „Dieses Mal sollen sich alle Bürger angesprochen fühlen“, fordert Annette Malsch von den Grünen. Die Kommunikationsfehler, die bei der Einführung von Shared Space gemacht wurden, dürften sich nicht wiederholen. „Damals hatte die Stadt einfach die Schilder abgeschraubt, und einen Informationszettel in eine kostenlose Zeitung legen lassen. Viele haben den Flyer damals zusammen mit der Zeitung ungelesen in den Müll geworfen.“

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