„Beherzt angreifen“: Der SPD-Kandidat Peter Feldmann will seine Chance nutzen.
Foto: Andreas Arnold
„Beherzt angreifen“: Der SPD-Kandidat Peter Feldmann will seine Chance nutzen.
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OB-Kandidat Peter Feldmann spricht im Interview über die Bebauung der Altstadt, die für ihn nur „zweite Priorität“ hat. Außerdem erklärt der SPD-Kandidat, warum Boris Rhein unglaubwürdig ist und die Grünen ein Problem haben.
Herr Feldmann, es gibt den alten Sponti-Spruch: Du hast keine Chance, also nutze sie. Beherzigen Sie den jetzt?
(lacht) Ja, klar, das ist einer meiner Lieblingssprüche. Aber im Ernst: Mir ist es sehr recht, dass ich nicht in der Favoriten-Rolle antrete.
Feldmann kurz & knapp
Wer ist Ihr politisches Vorbild?
Als Stadtoberhaupt in Frankfurt ist es ganz sicher Walter Kolb, der erste OB der SPD nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Bild von ihm, wie er auf dem Römerberg Trümmerschutt wegräumt, hat mich sehr beeindruckt. Das ist ein Hammer.
Was hat Sie in die SPD gebracht und seit wann sind Sie Mitglied?
Das war ganz eindeutig die Friedens- und Ostpolitik von Willy Brandt. Ich bin 1974 in die Partei eingetreten.
Ihre persönlichen Verhältnisse?
Ich lebe in einer festen Partnerschaft und habe mit meiner Partnerin eine zweijährige Tochter.
Da kann ich beherzt angreifen. Frankfurt hat es verdient, besser regiert zu werden.
Aber ihr Hauptproblem ist, dass Sie nur bei wenigen Menschen bekannt sind in Frankfurt …
… was ja nicht stimmt. Ich komme ja nicht aus dem Nichts. Ich mache seit mehr als 20 Jahren politische Arbeit in Frankfurt. Wir haben seit dem Jahreswechsel Plakate mit meinem Bild in der gesamten Stadt, damit noch mehr Leute die Gelegenheit haben, mich kennenzulernen.
Jeder Mensch hat das Recht auf eine ungestörte Nachtruhe
Sicher hätte ich mir mehr Zeit gewünscht, um auch den Wählern eine faire Chance zu geben, unser Programm und meine Person besser kennenzulernen. Genau davor hatte die CDU Angst und sah ihr Heil in einem politischen Winkelzug.Die CDU hat kapituliert und es gibt vorgezogene Wahlen. Ich glaube nicht, dass die Wähler darauf reinfallen.
Der CDU-Kandidat, der hessische Innenminister Boris Rhein, ist viel bekannter als Sie …
… vor allem durch die politischen Fehler und Skandale, die er verantwortet. Boris Rhein ist ein Vertreter des konservativen Koch-Flügels in der hessischen CDU, ein rechtskonservativer Politiker.
Wer wird Oberbürgermeister in Frankfurt?
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Wer wird Oberbürgermeister in Frankfurt?
So viel ist klar: Petra Roth bleibt nicht. Seit 1995 ist sie OB von Frankfurt.
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Die CDU schickt ihren Sonnyboy "echten Frankfurter Bub", wie er sich selbst unermüdlich nennt, ins Rennen: Innenminister Boris Rhein. Der Wunsch-Nachfolger von Petra Roth wurde von der Partei offiziell für die OB-Wahl nominiert.
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Interesse am Amt bekundet der 40-Jährige schon lange, bliebe aber chronisch vage.
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Rhein hat bewiesen, dass er ein Ministeramt bekleiden kann, die Grünen schätzen ihn als fairen Partner. Die FDP kann ihn richtig gut leiden. Der Mann vom rechten CDU-Flügel ist kein Ideologe, sondern ein politischer Realist, der ab- und zugeben kann. Rhein ist offen, hat gerne mit Menschen zu tun, auch mit solchen, die anders denken.
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Möglich, dass der jetzige hessische Innenminister sich zunächst nicht entscheiden konnte, was ihm lieber ist - das Ministeramt oder der OB-Sessel. Aber jetzt gibt's aber kein Zurück mehr, er kandidiert bei der Wahl.
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Dabei hatte die CDU durchaus Alternativen: Uwe Becker war erste, der klar und deutlich seine Bereitschaft zur OB-Kandidatur formuliert hatte. Eine Gruppe innerhalb der CDU, der eher „linke“ Kolping-Kreis, hatte sich offen für den seriösen Kämmerer Becker als idealen künftigen OB stark gemacht.
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„Der Uwe“ wird als fleißig, zuverlässig, sozial und wirtschaftlich denkend gerühmt. Er hat bewiesen, dass er die Finanzen zusammenhalten kann und er habe „guten Stil“.
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Der eine oder andere, insbesondere wenn er vom „rechten“ Wirtschaftsflügel der CDU kommt, sagt aber leicht bösartig, „der Uwe“ sei ein bisschen dröge. Soll heißen, er sei ein wenig trocken, ihm fehle Strahlkraft, Charisma. Aber egal, der Uwe darf ja nicht zur OB-Wahl antreten.
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Bei der SPD schien es lange, als käme man an Michael Paris nicht vorbei...
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Der 56-jährige gilt als supergut vernetzt in Vereinen und Gastronomie. Das kommt noch aus der Zeit in den 90er Jahren, als er Vorsitzender des Stadtverbandes der Frankfurter Vereinsringe war. Er engagiert sich seit mehr als 30 Jahren für die Belange von Kindern. Das begann als Chef des Vereins Abenteuerspielplatz Riederwald und endete als Präsident der International Play Association 2005.
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Aber: Der Sozialdemokrat gilt selbst in seiner eigenen Partei eher als politisches Leichtgewicht ohne klare Linie. Wenn die Stunde war, um politische Mehrheiten zu kämpfen, etwa um die OB-Kandidatur 2007 gegen den damaligen Sozialdezernenten Franz Frey, kniff Paris....
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Im politisch mehrheitlich linken SPD-Unterbezirk Frankfurt ist Michael Paris, der sich auch als Interessenvertreter der Wirtschaft sieht, eher ein Außenseiter.
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Und so hat sich die SPD letztendlich für einen anderen Kandidaten entschieden: Peter Feldmann...
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Der 52-jährige Diplom-Politologe ist schon lange ein engagierter Sozialpolitiker. Peter Feldmann leitete das Ausbildungszentrum im sozialen Brennpunkt Bonames/Bügel. Danach war er Chef eines Altenhilfezentrums. Er ist Vorstandsmitglied sozialer Organisationen, etwa der Werkstatt Frankfurt. Sein politisches Engagement als langjähriger Stadtverordneter und Vize-Chef der SPD-Fraktion im Römer ist untadelig. Allerdings: ...
Foto: Diana Djeddi
Sein persönliches Auftreten gilt des öfteren als Manko. Peter Feldmann wird nicht nur in der eigenen Partei vorgeworfen, dass er eitel sei und an Selbstüberschätzung leide. Als langjähriger Vorsitzender des wichtigen Haupt- und Finanzausschusses im Römer brachte er durch seine überhebliche Sitzungsleitung nicht nur Stadtverordnete, sondern auch Bürger gegen sich auf. Und bekam deshalb diese Position nicht wieder. (jg)
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Die Grünen hätten Olaf Cunitz aufbieten können: Der 43-jährige Historiker hat bei den Grünen eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Erst 1999 in die Partei eingetreten, war er schon 2006 Fraktionsvorsitzender im Römer.
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Im Januar 2012 soll Cunitz zum Planungsdezernenten gewählt werden. Er ist ehrgeizig und lernfähig. Cunitz hat in der kurzen Zeit seiner Arbeit im Römer an politischer Statur gewonnen. Er hätte OB-Kandidat werden können - wollte aber gar nicht.
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Markus Frank (CDU) hatte maximal Außenseiterchancen.
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Der Sport- und Sicherheitsdezernent, 42 Jahre alt, ist ein ehrgeiziger Mensch und tut so einiges für die persönliche PR. Das heißt aber keineswegs, dass er keine Grundsätze hätte. Frank möchte keine „alte“ Politik machen, will Transparenz und keine Patriarchen-Klüngelei. Er hat im wahren Leben einen Beruf gelernt und es zum Kfz-Meister und Klein-Unternehmer gebracht. Gewiss ein Grund, warum Frank stets auf Details achtet. Gegen ihn sprach:...
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..die Debatte um die Sanierung des FSV-Stadions. Der Streit zwischen Frank und Ex-FSVler Bernd Reisig ist inzwischen Legende. Die Vorrechte von Parteichef Rhein, der wie Frank vom Mittelstandsflügel kommt, schwächten Franks interne Bewerbung. Hätte sich Rhein zurückgezogen, dann hätte vielleicht Frank nach vorne treten können. (ox)
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Eher Außenseiter-Chancen hatte Volker Stein (FDP): Der einstige Sicherheitsdezernent, der vor kurzem entmachtet wurde, gilt als bodenständig.
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Volker Steins kernige Art und seine wenig diplomatischen Sprüche kamen in den vergangenen Jahren zwar nicht bei jedem gut an, sorgten aber für ein hohes Maß an Publicity, das ein OB-Kandidat braucht. Außerdem: Stein weiß die Bild-Zeitung hinter sich. Das Boulevardblatt vermisst ihn jetzt schon. Auf der anderen Seite:...
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Stein galt als Stadt-Sheriff, dem es herzlich egal ist, dass ihn viele Leute für einen Macho-Militaristen-Angeber-Schwätzer… halten. Ein OB für alle Frankfurter hätte er also kaum werden können. Und gewonnen hätte er die Wahl ohnehin nicht. Also stellt die FDP nun gar keinen Kandidaten auf. Die Frage wäre sowieso nur gewesen: Wie viele Stimmen hätte Stein dem CDU-Kandidaten wegnehmen können? Stein wäre es egal gewesen, er hält die Römer-Koalition für äußerst undankbar. (geo)
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Für die Grünen tritt Rosemarie Heilig an. Sie hat gelernt, sich durchzubeißen im Leben. Rosemarie Heilig ist eines von acht Kindern aus einer Arbeiterfamilie – große materielle Rückendeckung für eine Karriere gab es da nicht. Dass sie einmal als OB-Kandidatin für die Grünen in der fünftgrößten deutschen Stadt antreten würde, hat sich die Biologin bis vor einigen Wochen nicht träumen lassen...
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Es ist aber typisch für die Single-Frau, dass sie das Angebot ihrer Partei ohne lange Bedenkzeit annahm. Sie ist eine Macherin, die anpackt, wo es nötig ist – so war das schon, als sie beim World Wildlife Fund arbeitete und später bei der Ökobank. Es fällt der 55-Jährigen schwer zu taktieren – das war, zynisch gesprochen, schon in den 90er Jahren ein Handicap für sie in der Frankfurter Kommunalpolitik.
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Damals legte sie sich als Stadtverordnete der Grünen des Öfteren mit ihrem Parteifreund Tom Koenigs an, der ihr nicht radikal genug erschien.
Das Ziel der heutigen Projektmanagerin für den Neubau des Krankenhauses Höchst ist es in jedem Fall, bei der OB-Wahl den zweiten Wahlgang am 25. März zu erreichen. Ihr größtes Handicap: Seitdem die neue Landebahn des Rhein-Main-Flughafens eröffnet wurde, leiden mehr Menschen als je zuvor unter massivem Lärm und Umweltbelastung.
Foto: Alex Kraus
Den Grünen wird vorgeworfen, dass sie in der Römer-Koalition mit der CDU seit 2006 den Ausbau stillschweigend hingenommen hätten. (jg.)
Foto: Monika Müller
Die Linke schickt Janine Wissler (30) ins Rennen um das OB-Amt. Sie ist eine junge Durchstarterin. Die 30-Jährige ist im Bundes- und Landesvorstand, führt in einer Doppelspitze die Landtags-Fraktion an. In diesem Jahr wählten die Frankfurter Linken Wissler, die Mitglied im trotzkistischen Netzwerk „Marx 21“ ist, nach einigem internen Streit über Stil und Richtung zu ihrer Vorsitzenden. Der Kreistag nominierte Wissler mit 93,3 Prozent der Stimmen zur OB-Kandidatin.
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Nach außen ist jetzt Ruh’. Das scheint nur so, sagt Wissler: „Wir sind schon voll in der Vorbereitung für den Wahlkampf.“ Die Themen, die lägen ja auf der Hand: „Bezahlbarer Wohnraum, Fluglärm, soziale Gerechtigkeit, Kampf gegen die Nazis“. Als Landtagsabgeordnete, die täglich zwischen Bockenheim und Wiesbaden pendele, habe sie jede Menge anzuprangern. Zum Beispiel, wie schwer Schwarz-Gelb im Land Frankfurt schädige – mit dem Streichen der Stellplatzablöse, mit dem Einbehalten der Grunderwerbssteuer...
Foto: Andreas Arnold
...Und Boris Rhein (CDU) sei als Mitglied der Landesregierung „verantwortlich“ für den Schaden. Das würden die Linken den Frankfurtern ganz deutlich mitteilen. (ox.)
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Gegenwärtig hat der Pirat Hochkonjunktur. Herbert Förster, 45 Jahre alt, ist Tee-Sommelier, hat mit seiner Frau in der Fressgass ein Tee-Geschäft, das ihn in der Vorweihnachtszeit von „8 bis 8 Uhr“ fordert. Aktuell ist der OB-Kandidat der Piraten also damit beschäftigt, Kunden die angemessene Zubereitung oder die Herkunft verschiedener Teesorten nahezubringen....
Foto: Piratenpartei Frankfurt
...Im Januar dann will sich Förster „mit aller Kraft und guten Ideen“ in den Wahlkampf werfen. Das Budget ist mit 2000 Euro nicht gerade üppig, die allgemeine Begeisterung dämpfe dies aber keineswegs. „Wir freuen uns sehr auf den Wahlkampf“, sagt Förster. Das liegt auch am Rückenwind seit der für die Piraten so erfolgreichen Berlin-Wahl...
Foto: Andreas Arnold
Transparenz der Verwaltung, Bürgerbeteiligung und Schutz der Bürgerrechte nennt Förster als Wahlkampfthemen. Gegen Videoüberwachung im öffentlichen Raum stemmten sich die Piraten kompromisslos. Das ganz große Piraten-Thema ist bekanntlich die große Freiheit im Internet. Im OB-Wahlkampf wird das Netz als Kommunikationsmittel aber nur an zweiter Stelle stehen. Förster sagt, dass die Piraten massenhaft „auf die Straße gehen werden“ , um dort von Mensch zu Mensch die Frankfurter zu treffen. (ox.)
Für die Flughafenausbaugegner tritt Ursula Fechter an, um Petra Roth zu beerben...
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... Carl Maria Schulte, Harald Frenzel und Jean-Jules Tatchouop kämpfen parteilos um den Einzug ins Oberbürgermeister-Zimmer.
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Und last but not least: Ex TITANIC-Chefredakteur Oliver Maria Schmitt, der für die Satirepartei "Die PARTEI" kandidiert. In seinen 9,5 Thesen verlegt Schmitt das Bankenviertel unter die Erde ("freie Sicht bis zum Hauptbahnhof!"), den Flughafen auf den Feldberg (""Flieger müssen nicht mehr so tief runter") und das Holzhausenviertel ins Gallus (Stichwort Zwangsintegration). In Reykjavik hat es der Komiker Jón Gnarr von der Spaßpartei auf den Rathaus-Chefsessel geschafft - wir sagen: Warum nicht auch hier?
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Wer bestimmt März an die Geschicke von Frankfurt als Oberbürgermeister? Die FR offenbart schonungslos Schwächen und Stärken der Kandidaten - die Verlierer vergessen wir allerdings auch nicht.
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Seine Haltung zum dringend notwendigen Verbot der NPD ist absolut zögerlich. Sein Hin und Her beim Thema Flughafen-Landebahn ist unglaubwürdig. Einerseits tritt er plötzlich für ein völliges Nachtflugverbot ein, andererseits unterstützt er aber weiter die Klage des Landes, das ja Nachtflüge zulassen möchte. Wofür steht er nun? Solche „Bekanntheit“ wird mir also eher nutzen.
Sie haben als erster Politiker in Frankfurt die Fluglärm-Opfer besucht und mit ihnen diskutiert. Sie sagen aber keineswegs, dass die neue Landebahn wieder geschlossen werden soll.
Ich formuliere es positiv: Jeder Mensch hat das Recht auf eine ungestörte Nachtruhe. Und zwar von 22 bis 6 Uhr – acht Stunden Ruhe braucht jeder! Ich will das Nachtflugverbot ausweiten, die Anflugrouten der Maschinen verändern, ich will, dass die Deutsche Flugsicherung nicht mehr als eine Art Geheimbehörde ohne Öffentlichkeit agiert. Ich setze mich dafür ein, dass Frachtflüge von Frankfurt zum Flughafen Hahn im Hunsrück verlagert werden.
Wird man Ihnen nicht das Sankt-Florians-Prinzip vorwerfen, wenn sie Flüge nach Hahn verlagern wollen? Auch dort wohnen Menschen, nur nicht so viele wie in Frankfurt.
Nein, es geht nicht darum, Probleme zu verlagern. Mir geht es sowohl um eine gerechte Aufteilung der Belastungen als auch der wirtschaftlichen Vorteile, die ein Flughafen bringt.
Es braucht deshalb eine Zusammenarbeit mit Hahn. Sie haben hier das extrem dicht besiedelte Ballungszentrum Rhein-Main. Dort in Hahn eine eher strukturschwache Region. Der gesunde Menschenverstand empfiehlt eine Verlagerung von Flügen. Ich wehre mich gegen eine Tabuisierung des Themas.
Die Grünen werden ein Problem haben
Seltsamerweise hatten die Politiker das Thema Landebahn und ihre Folgen nicht auf der Rechnung und zeigen sich jetzt überrascht vom Ausmaß des Protests.
Es ist einfach ärgerlich und unredlich, dass die Landesregierung unsere Bedenken nicht ernst genommen hat. Man hat der Bevölkerung nicht rechtzeitig reinen Wein eingeschenkt über die Auswirkungen der Landebahn.
Rückblick: Die OB-Wahl 2007
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Rückblick: Die OB-Wahl 2007
Siegerlächeln im Januar 2007: Die alte und neue Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt heißt Petra Roth (CDU).
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Da war er noch guter Dinge: Roths wichtigster Herausforderer Franz Frey (SPD) mit Lebensgefährtin Antje Schöpf.
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Er muss sich an die eigene Nase fassen: Trotz des Wirbels im Wahlkampf wegen eines Plakats mit Hund reichte es am Ende für Franz Frey nur zu 27,4 Prozent.
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Im Zentrum des Interesses: Amtsinhaberin Petra Roth gewann die Direktwahl im ersten Wahlgang mit 60,5 Prozent der Stimmen.
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Der hessische Ministerpräsident und Parteifreund Roland Koch war einer der ersten Gratulanten zum Wahlsieg.
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Franz Frey erkannte die Wahlniederlage an und wünschte Petra Roth und der Stadt Frankfurt alles Gute.
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Der unabhängige Kandidat Horst Schäfer kam auf 1,3 Prozent. Er sagte: "Ich konnte bei der Materialschlacht der Großen nicht mithalten."
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Der Kandidat der Freien Wähler BFF, Wolfgang Hübner, machte die Medien mit verantwortlich für die schwache Wahlbeteiligung.
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Gibt den Kampf nicht auf: Dr. Ulrich Wilken von "Die Linke WASG" sieht seine Partei im Aufwind.
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Die Stimmenanteile der OB-Wahl 2007 im Überblick.
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Die Grünen sagen, sie seien Teil des Protests, die Flughafenausbaugegner treten an. Werden Sie an die nicht Stimmen verlieren?
Die Flughafenausbaugegner haben eine Chance bei bürgerlichen Wählern, die nicht mehr bereit sind, CDU oder FDP zu wählen. Die Grünen werden ein Problem haben. Durch ihre jahrelange Enthaltung beim Thema Flughafen, durch das Stillhalteabkommen im Koalitionsvertrag mit der CDU sind sie hier nicht glaubwürdig.
Sie haben die OB-Kandidatin der Grünen, Rosemarie Heilig, ausdrücklich nicht als Ihre Gegnerin bezeichnet.
Frau Heilig ist für mich eine politische Mitbewerberin, mein politischer Gegner ist Boris Rhein. Frau Heilig ist für mich eine kompetente und sympathische Person. Ich gehe davon aus, dass sie sich an die Absprache zwischen Daniel Cohn-Bendit und unserem Fraktionsvorsitzenden Klaus Oesterling hält. Dabei war klar, dass, wenn die SPD den zweiten Wahlgang erreicht, sie von den Grünen unterstützt wird und umgekehrt.
Sie würden im Zweifelsfall zur Wahl von Frau Heilig aufrufen?
Ja. Das muss aber in beide Richtungen gelten. Ich mache kein Grünen-Bashing. In der Stichwahl wird aber das Thema soziale Gerechtigkeit und Frankfurter Liberalität mit Feldmann gegen den Konservativismus mit Rhein stehen.
Um unser Kulturangebot beneiden uns viele
Die Erfüllung Ihrer politischen Forderungen kostet viel Geld. Warmes Mittagessen für alle Kinder, ein 100 Millionen Euro teures Wohnbau-Programm. Wie passt das zusammen mit dem Sparkurs, den gerade eine städtische Haushaltskommission einschlägt?
Meine Pläne im Bildungsbereich kosten viel weniger als der schwarz-grüne Magistrat schon an Mehrkosten verursacht hat, das waren bald 100 Millionen Euro. Die Kredite für den Wohnungsbau sind sehr günstig zu bekommen. Hier will ich mit der Bauwirtschaft, mit der FAAG und den Architekten dieser Stadt eng zusammenarbeiten.
Senioren und Haushalte mit niedrigem Einkommen sollen nicht aus dieser Stadt verdrängt werden. Da sollten die Unternehmen auf ein paar Prozentpunkte mehr Gewinn verzichten können. Dafür ist die Kommune ein sehr stabiler Partner.
Warum sagen Sie überhaupt nichts zur Kultur?
Ich habe da eine klare Position. Ich werde alles tun, um die Projekte der Stadtteilkultur zu verteidigen. Um unser Kulturangebot beneiden uns viele. Das ist das geringste Problem dieser Stadt. Kultur muss auch nicht immer von oben geplant werden. Ich will den Kreativen dieser Stadt alle meine Unterstützung anbieten. Schon jetzt treten Medien- und Musikmacher an mich heran, aus den Möglichkeiten dieser Stadt mehr zu machen. Aber Themen wie Kampf gegen Kinderarmut, für Wohnungsbau, gegen Fluglärm sind für mich brennend.
Diese Stadt ist zu reich, um Kinderarmut und Wohnungsnot zuzulassen
Sie müssen als OB angesichts der Haushaltslage der Stadt strikten Sparkurs einschlagen. Wird mit Ihnen die Erweiterung des Museums der Weltkulturen noch verwirklicht werden?
Das ist eine finanzielle Frage. Wenn ich mich zwischen der Lebenssituation der Kinder in der Stadt und solchen Großprojekten entscheiden muss, bin ich der Auffassung, dass die Museumserweiterung und die Bebauung der Altstadt zweite Priorität haben.
Im Klartext: Sie würden beides später machen wollen?
Ich bin für beide Projekte, weiß aber nicht, ob wir sie uns nach einem Kassensturz noch zeitnah leisten können. Wenn nicht, würde ich Sie verschieben.
Wo würden Sie sparen als OB?
Ich würde zum Beispiel die Abläufe und die Strukturen in der Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Stadt effektiver machen. Hier lässt sich Geld einsparen.
Sie wollen ein arbeitender OB sein, der nicht nur repräsentiert. Welches Dezernat übernehmen Sie?
Ich werde das Wirtschaftsdezernat übernehmen. Es gilt, die verfehlte Ansiedlungspolitik der Stadt zu korrigieren. Man muss mehr auf die Unternehmen zugehen, auch auf die internationalen und die ausländischen.
Ihre erste Amtshandlung als OB?
Ärmel hochkrempeln, ein kompetentes Team bilden, an die Arbeit gehen und meine Themen umsetzen, zum Beispiel die Halbierung der Kinderarmut und den Wohnungsbau. Diese Stadt ist zu reich, um Kinderarmut und Wohnungsnot zuzulassen. Wir müssen die Probleme anpacken. Es geht um die Zukunft der Stadt.
Das Interview führte Claus-Jürgen Göpfert
Info: Peter Feldmann tritt bei der OB-Wahl am 11. März für die SPD an. In einer Stichwahl um den Kandidatenposten hatte er sich vor Weihnachten gegen Michael Paris durchgesetzt. Im Stadtparlament ist der 53-Jährige stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten. Vor allem kümmert er sich um sozialpolitische Themen.