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Occupy Frankfurt: Ein bisschen wie beim Rosenkranz

Alle dürfen mitreden, wenn es um die Zukunft des Kapitalismus oder sein Ende geht.
Alle dürfen mitreden, wenn es um die Zukunft des Kapitalismus oder sein Ende geht.
Foto: Stephan Morgenstern

Erfunden haben’s die Amis. Genauer die Kollegen von Occupy New York. Weil denen die Benutzung eines Megafons verboten worden sei, hätten sie zu folgendem Trick gegriffen: Einer sagt vor. Einen Satz, einen Halbsatz, ein Wort. Die anderen sprechen nach. Bei Gefallen laut, bei Nichtgefallen leise. Oder gar nicht. Ein bisschen wie der Rosenkranz in der Kirche. Rein vom Ablauf her.

Jeder darf zu Wort kommen. Und tut das auch.

Occupy Frankfurt: Gesichter des Protests

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„Der Kapitalismus ist am Ende“, ruft eine Frau. „Der Kapitalismus ist am Ende“, rufen die anderen, laut, es hat also gefallen. „Frische Waffeln einsneunzich“, ruft der Waffelverkäufer vom benachbarten Marktstand. Keiner ruft zurück, obwohl die Waffeln sehr lecker sind.

Lumumba ehren in der Kälte

Jetzt bleiben immer mehr Passanten stehen, denn ein Aktivist erzählt gerade, dass es heute ein Treffen der afrikanischen Sozialisten in der Uni gebe, man wolle anlässlich seines Todestages Lumumba ehren. Alle, die die Kunde nachrufen, wissen, dass es sich um Patricé Émery Lumumba, den ersten Ministerpräsidenten des unabhängigen Kongo, dreht. Den meisten Frankfurtern ist Lumumba nur als Heißgetränk bekannt (Kakao, Rum, Sahne).

Occupy: Frankfurt - Proteste vor der EZB

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Eine interessierte Frau zerbricht sich den Kopf über ein Demo-Transparent, das in Rätselform verfasst ist. „In welchem System lebst du?“, wird dort gefragt, und bei der Antwort haben die Demonstranten ein paar Buchstaben weggelassen. „KAPI.A.IS..S“ ist vorgegeben. „Hmmm... in welchem System lebst du... mit K…“, murmelt sie.

„Komm!“, herrscht sie ihr mürrischer Mann an, seufzend reißt sich die Frau von dem Plakat los.

Sie ist auch nicht dabei am nächsten Tag, als zwei-, vielleicht dreihundert Unentwegte sich gegen Mittag am Rathenauplatz treffen, um dort im Rahmen eines erneut weltweiten Occupy-Protesttags zu demonstrieren.

Von den gut besuchten Tagen, als Tausende zum Mitdemonstrieren kamen, ist diese Demo weit entfernt. Dafür ist die Kommunikation traditioneller: Einer schnappt sich ein Megafon, die anderen hören zu. Die frohe Botschaft bleibt die gleiche: Der Kapitalismus ist am Ende. Am Rande der Demo stehen eine Handvoll Aktivisten in den obligatorischen Guy-Fawkes-Masken.

Es ist ein wenig still geworden um Guy Fawkes. Vielleicht sollte man mal darüber reden.

Occupy-Frankfurt: Wieder Tausende auf der Straße

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2 von 2
Autor:  Stefan Behr
Datum:  15 | 1 | 2012
Seiten:  1 2
Kommentare:  1
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