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Opfergedenken: Auch Spitzel schüchtern sie nicht ein

An der Hauptwache erinnern jeden Samstag Demonstranten an die Opfer des Mullah-Regimes im Iran. Sie zeigen Fotos derer, die wegen ihres Engagements für Demokratie und Menschenrechte im Gefängnis sitzen, gefoltert oder gar getötet werden.

        

Gegen das Vergessen: Die Menschen auf den Fotos kämpfen für die Freiheit in ihrer Heimat.
Gegen das Vergessen: Die Menschen auf den Fotos kämpfen für die Freiheit in ihrer Heimat.
Foto: Michael Schick

Jeden Samstagnachmittag sind sie an der Frankfurter Hauptwache – ob es schneit, ob es regnet oder die Sonne vom Himmel brennt. Mitten im Einkaufstrubel stehen sie da – zehn bis 15 Frauen und Männer. In ihren Händen halten sie Fotos von Menschen, die in Iran wegen ihres Engagements für Demokratie und Menschenrechte im Gefängnis sitzen und mit Folter oder Tod bedroht sind.

Von einem der Bilder blickt Saeed Malekpour, ein junger Mann mit einem offenen, freundlichen Gesicht, hinter ihm die Berge Kanadas. Dort lebte der junge Programmierer viele Jahre. 2008 reiste er in den Iran, um seinen kranken Vater zu pflegen. Malekpour wurde in Teheran festgenommen, der Verbreitung von Pornografie beschuldigt und nach Folter zum Tode verurteilt. Erst jüngst hat das Oberste Gericht die Todesstrafe bestätigt.

Wahlen im Iran

Am 2. März wird ein neues Parlament im Iran gewählt. Insgesamt haben sich 5300 Bewerber angemeldet, darunter 390 Frauen. Die demokratische Opposition ist von der Wahl ausgeschlossen, die Reformisten sind nicht zugelassen. Insgesamt wurden vom Wächterrat acht Parteien zugelassen.
Beobachter erwarten eine geringe Wahlbeteiligung. Denn deren Höhe gilt als Gradmesser für die Akzeptanz des Mullah-Regimes in der Bevölkerung. Die in Großbritannien lebende iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi rief Ende Januar alle Iraner zum Wahlboykott auf.
Gruppen, die Solidarität mit den Lalehpark-Müttern üben, gibt es in Europa und den USA. In Deutschland demonstrieren sie samstags in Frankfurt, Dortmund, Hamburg, Köln und Nürnberg.
Infos im Internet: lalehpark-muetter-frankfurt.blogspot.com

Seit August 2009 erinnern die Frauen und Männer an der Hauptwache an die grüne Revolution 2009 im Iran und deren Folgen. Vor allem junge Leute hatten damals gegen den Wahlbetrug der Mullahs in der iranischen Hauptstadt Teheran und in anderen Städten demonstriert. Weltweit waren die Zeitungen voll mit Berichten über die Proteste, die etliche Demonstranten mit dem Leben bezahlten, in Gefängnissen verschwanden, gefoltert wurden und noch immer werden. Inzwischen haben die meisten TV-Sender, Zeitschriften und Zeitungen die grüne Revolution vergessen.

Nicht aber die Frauen und Männer an der Hauptwache. Sie erinnern beispielsweise an Nasrin Sotudeh. Die Anwältin vertrat vor allem minderjährige Straftäter in Todeszellen und festgenommene Oppositionelle, die gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad protestiert hatten. Im September 2010 wurde sie verhaftet und im Januar 2011 zu elf Jahren Haft verurteilt. Sie trat mehrfach in den Hungerstreik. Die Frauen und Männer an der Hauptwache nennen sich „Solidaritätsgruppe mit den Lalehpark-Müttern im Iran“. Der Lalehpark liegt in Teheran in der Nähe des Ortes, an dem eine der Ikonen der grünen Revolution, Neda Aghasoltan, erschossen worden war. Viele Monate erinnerten die Lalehpark-Mütter an die Opfer des Regimes. Doch dann wurden einige von ihnen festgenommen und verschleppt. Seither trauen sich die anderen nicht mehr in den Park.

In Europa und den USA jedoch finden sie Solidarität. Gruppen wie in Frankfurt gibt es in Los Angeles, in Großbritannien, Norwegen, Italien und der Schweiz. Die Demonstranten drängen sich nicht marktschreierisch auf. Wenn sie von Passanten angesprochen werden, geben sie Auskunft über ihre Aktionen. Sie haben Petitionen dabei, mit der die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Leben im Iran schützen und retten will. Vor allem junge Leute bleiben stehen, sehen sich die Fotos an, wollen mehr wissen und unterschreiben Petitionen.

Parteipolitisch, religiös oder ideologisch lassen sich die Gruppen nicht vereinnahmen. Denn sie wollen frei in ihren Entscheidungen und Aktionen bleiben. Ständig schleichen Spitzel des Mullah-Regimes um die Samstagsdemonstrationen. Manchmal pöbeln sie so massiv, dass die Polizei eingreifen muss, manchmal wollen sie nur Angst erzeugen.

Doch die Frauen und Männer an der Hauptwache lassen sich nicht einschüchtern. Und manchmal können sie sogar Erfolge verbuchen: Allein in Frankfurt sammelten sie 1000 Unterschriften gegen die Todesstrafe für die Kurdin Zeynab Jalalian im Iran. Die Strafe wurde umgewandelt in lebenslange Haft.

Autor:  Katharina Sperber
Datum:  25 | 2 | 2012
Kommentare:  1
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