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01. August 2013

Ostend Bürgerinitiative: Initiative bekommt überraschenden Besuch

 Von Johannes Vetter
So politisch hatten sich die Anwohner ihr Treffen vermutlich nicht vorgestellt.  Foto: Alex Kraus

Linke Aktivisten sprengen das Treffen einer Bürgerinitiative, die mehr Sicherheit und Sauberkeit für das Frankfurter Ostend fordert. Sie werfen ihr vor, einzelne soziale Gruppen pauschal für die Verwahrlosung von Teilen des Stadtteils verantwortlich zu machen.

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Linke Aktivisten sprengen das Treffen einer Bürgerinitiative, die mehr Sicherheit und Sauberkeit für das Frankfurter Ostend fordert. Sie werfen ihr vor, einzelne soziale Gruppen pauschal für die Verwahrlosung von Teilen des Stadtteils verantwortlich zu machen.

Frankfurt. –  

Damit hat die Bürgerinitiative nicht gerechnet. Als die zehn Mitglieder am Dienstagabend das Café Ostbahnhof am Danziger Platz betreten, scheinen sie nicht zu ahnen, wer noch alles ihrem Aufruf, sich zu treffen, folgen wird. Kurze Zeit später kommen rund 30 junge Leute herein, in der Hand Protestschilder. „Welcome to the danger zone“, ist auf einem zu lesen, „Sleeping in my car“ auf einem anderen. Das Café wird plötzlich rappelvoll.

Erst vor drei Wochen hatte sich die Gruppe gegründet, um mehr Sicherheit und Sauberkeit im Stadtteil einzufordern, vor allem am Ernst-Achilles-Platz, der Ostbahnhofstraße sowie am Danziger Platz. Ihrer Ansicht nach sind es Alkoholisierte, Obdachlose, Punks, Drogenabhängige und in Autos schlafende Arbeiter, die die Probleme im Viertel verursachen. Die Initiative hatte Flyer im Ostend verteilt, die die Bürger dazu aufrief, bei der Stadtpolizei und bei städtischen Behörden anzurufen, wenn „Leute in ihren Autos wohnen“ oder „der Müll auf der Straße liegen bleibt“ – für eine „Aufwertung“ des Viertels, so das Ziel der Initiative, wie Anne Wild vergangene Woche erklärte.

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Davon will sie am Dienstagabend nichts mehr wissen, als sie den Überraschungsgästen gegenübersitzt. Darunter Mitglieder des Netzwerks „Wem gehört die Stadt“ und der Antifa. Statt von einer Aufwertung spricht sie nun von einer teilweisen „Verwahrlosung“ des Ostends, der sie sich entgegenstellen wolle.

Da wären etwa die Arbeiter, die in Autos schliefen: Diese würden das Gelände der alten Feuerwache sowie die Büsche am begrenzenden Bauzaun als „öffentliche Toiletten“ benutzen, sagt jemand von der Bürgerinitiative.

Mitglieder der Initiative räumen Fehler ein

Vor einem Monat ist das Auto eines Arbeiters in der Ostbahnhofstraße abgebrannt – und die beiden daneben stehenden Fahrzeuge gleich mit. Der Arbeiter sei in seinem Auto mit glimmenden Zigarette eingeschlafen, erklärt Wild im Café. Ein junger Besucher bekommt einen seichten Wutanfall. „Blödsinn!“, schreit er ihr entgegen. „Dann können sie ja auch gleich das Rauchen in Wohnungen verbieten, damit die nicht abfackeln können.“ Kurze Stille.

Christian Linden vom Netzwerk „Wem gehört die Stadt“ sagt: „Wenn ihr soziale Probleme repressiv lösen wollt – nicht mit uns.“ Er sehe hier eine „verwirrte Gruppe“ an der „Schwelle zum Rechtspopulismus“.

Ein Mann der Bürgerinitiative räumt ein, das der erste Flyer mit dem Beschwerdeaufruf ein Fehler gewesen sei. Wild bestätigt, dass es ihnen nicht nur um die Symptombekämpfung gehe, sondern auch um „langfristige Lösungen, um Schlafplätze für alle, auch für Wohnungslose“. Um diese zu finden, hätten sie Politiker aller Fraktionen des Ortsbeirates eingeladen. Gekommen sind nur Uwe Waldmann (CDU) und Thomas Schmitt (Freie Wähler). Außerdem ist der Stadtverordnete Thomas Dürbeck (CDU) zum Treffen gekommen, der zum Teil wüst angeschrien und beschimpft wird. Auch er sei über die „Verhältnisse“ in Teilen des Ostends „nicht besonders glücklich“, sagt er. Das sich Anwohner ärgerten, könne er verstehen.

Ortsbeiratsmitglied Henrik Neumann (Grüne) sagt, er sei nicht eingeladen worden. Er habe allerdings den Flyer in seinem Briefkasten gehabt. Als „sehr diffus und aufwieglerisch“ habe er diesen empfunden. Ihm missfalle es, einen „politischen Prozesse auf diese Art anstoßen“. Jann Wienekamp, für die SPD im Ortsbeirat, ist zwar eingeladen worden, bezweifelt aber, das die Bürgerinitiative oder der Ortsbeirat die Probleme einiger Bürger mit Alkoholisierten und Obdachlosen wirklich lösen könne. Das seien „gesamtgesellschaftliche Aufgaben“, so Wienekamp.

Als die unerwarteten Besucher am Dienstagabend gehen, bleiben ratlose Ostendbürger zurück – und Antifa-Aufkleber auf den hölzernen Sitzbänken des Café Ostbahnhof.

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