Immer höher schraubt sich der Doppelturm des Neubaus der Europäischen Zentralbank (EZB), ist längst zu einem Erkennungszeichen des Ostends geworden. Die Hundert-Meter-Marke ist geknackt. „Man kann richtig zusehen, wie die EZB von Woche zu Woche wächst“, sagt Beatrix B. „Das ist schon eindrucksvoll.“ Seit 13 Jahren wohnt sie mit ihrer Familie an der Hanauer Landstraße, vom Fenster aus kann sie der EZB beim Wachsen zusehen.
„Es ist alles im Zeitplan“, sagt EZB-Pressesprecherin Andrea Jürges, die „mehr als zufrieden“ mit dem Baufortschritt ist. Seit 2010 mit dem Hauptbau begonnen wurde, werde fleißig weiter gearbeitet. Noch in diesem Jahr soll Richtfest gefeiert werden. „So früh es geht, aber definitiv nicht vor dem Sommer“. Denn bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Bis zu 185 Meter hoch soll der Doppelturm einmal sein. Auch wenn er schon weit in den Himmel ragt, ein paar Meter fehlen noch.
„Derzeit steht alles im Zeichen der Fortsetzung“, sagt Jürges. Die Fassade am Westkopf der ehemaligen Großmarkthalle und der Eingangsbereich werden saniert, ebenso der Großraum im Inneren der Halle. Am Ostkopf wird mittlerweile die Fassade montiert: Glas, Klinker und Metall – daraus besteht sie. Ende 2013 sollen Fassade und Rohbau fertiggestellt sein. Das bedeutet aber keineswegs das Ende der Arbeiten.
„Wir sind dann noch lange nicht fertig“, sagt Jürges. Der größte Brocken kommt dann erst noch: Die technische Gebäudeausstattung. In einigen Wochen geht es los. Doch bis kilometerweise Rohre, Lüftungskanäle und Leitungen verlegt sind, dauert es. „Auch wenn die EZB umgezogen ist, werden sicher noch kleinere Arbeiten nötig sein“, sagt Jürges.
Unablässig wachsen die Doppeltürme der Europäischen Zentralbank in die Höhe. Schon jetzt prägen sie den Blick von Osten auf die Frankfurter Skyline.
Foto: Michael SchickDie Bauarbeiten, so Beatrix B., sind nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören. „Am Wochenende steht die Baustelle nicht still“, sagt die ehemalige Kinderbeauftragte des Ostends. Für sie sei das kein so großes Problem. Doch für die Leute, die näher dran wohnen, sei der Lärm „eine ganz schöne Belastung“. Auch Veränderungen im Stadtteil hat der Neubau zur Folge. „In der Uhlandschule sind deutlich mehr Kinder aus der Mittelschicht als noch vor ein paar Jahren.“ Doch nicht nur steigende Mieten und einen schleichenden Austausch der Bewohner habe man der EZB zu „verdanken“. „Es ist eine Chance für das Viertel“, sagt B. Das rücke nun mehr in den Blick der Politiker, es werde mehr getan. „Den neuen Hafenpark hätte es sonst sicher nicht gegeben.“
Ein Wermutstropfen ist für B. der Abriss der Seitenbauten der ehemaligen Großmarkthalle. Bis 2004 wurden in der nach Plänen des ehemaligen Stadtbaudirektors Martin Elsässer gebauten Halle Obst und Gemüse verkauft. „Die Halle bleibt in ihrem grundlegenden Erscheinungsbild erhalten“, sagt Jürges.
Froh ist B. trotzdem, dass saniert wird. „So hat das Gebäude wenigstens eine neue Nutzung, die Stadt hätte es so kaum halten können.“ Den Bau wird sie weiterhin beobachten. Sie ist „sehr gespannt, wie die EZB am Ende aussehen wird“.
Lesen Sie weiter: Wie sich der EZB-Bau auf das Ostend auswirkt.
Es ist nur schwer vorstellbar, das auf der wild bewucherten Brache an der Hanauer Landstraße ein neues Stadtquartier entstehen soll. Pläne gibt es, doch seit sechs Jahren liegt das Gelände der früheren zentralen Feuerwache brach. Nun könnte sich endlich etwas tun. „Das Vorhaben kann jetzt bedeutend an Fahrt aufnehmen“, sagt Mark Gellert, ehemaliger Sprecher von Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU). Seit Anfang März können Bauanträge gestellt werden.
Das freut Erhard Ellenberger, Geschäftsführer vom Projektentwicklerbüro Gold Stein. „Wir geben Gas“, sagt er. Mit dem 2,2 Hektar großen Areal hat er einiges vor. Ein Hotel mit 162 Zimmern der spanischen Kette Meliá soll dort entstehen. Der Pachtvertrag wurde bereits 2010 unterschrieben. Rund hundert Mietwohnungen, „für Singles und Familien“ sollen das Herz des neuen Stadtquartiers bilden. Wohnraum, das weiß auch Ellenberger, ist im Ostend gefragt. Zuerst muss die Baugrube ausgehoben werden. Fünf Monate dauert das, sagt Ellenberger. Dann werde „alles in einem Guss gebaut“. Schon Ende 2013 soll alles fertig sein.
Für Verzögerungen hatte lange Zeit die nordmainische S-Bahn gesorgt. Die sollte in einem neuen Tunnel die ehemalige Feuerwache unterqueren. „Das Problem ist vom Tisch, die Bahn hat keinen Einfluss auf das Projekt“, sagt Gellert. Doch auch andere Projekte leiden unter der undurchsichtigen Planung.
Kaum ein Frankfurter Stadtteil ist derzeit mehr in Bewegung als das Ostend. Es wird gebaut und saniert, aufgehübscht und modernisiert. Sehen die einen in der EZB den Auslöser für die Veränderungen, sind andere der Ansicht, sie sei nur ein Beschleuniger. Tatsache aber ist: Die EZB baut auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle ihre neue Zentrale - und das sorgt für reichlich Zündstoff im Stadtteil.
Foto: Michael SchickAnfang dieses Monats eröffnete in der Grusonstraße die neue Filiale von Globetrotter mit 4150 Quadratmetern Verkaufsfläche. Nur einen Steinwurf entfernt liegt der als „Unort des Ostends“ geltende Ostbahnhof und der Danziger Platz. Trist ist der, Müll fliegt herum. Leute sieht man hier selten. „Hier herrscht Stillstand“, sagt Silke Neumann, Sprecherin von Groß & Partner. Die Frankfurter Grundstücksentwickler vertreten die britische Patron Capital, die das Gelände im August 2006 kaufte. Schuld ist auch hier die nordmainische S-Bahn. Bis da „nichts Konkretes“ vorliegt, werde man nichts machen.
Pläne für das Gelände gibt es aber schon: Ein siebengeschossiges Bürogebäude, das im Parterre Gastronomie und Einzelhandel beherbergen soll. „Es ist schwierig, Mieter zu finden, wenn der Platz nicht gestaltet ist“, sagt Neumann. Der sei einfach „nicht ansprechend genug“. Ein schön gestalteter Platz sei aber „elementar“ für die weitere Planung. Wann man mit der beginnen kann, weiß Neumann nicht. Ob sich das Grundstück trotz des jahrelangen Stillstands rentiert, dazu wolle sie nichts sagen.
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