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15. März 2013

Papst Franziskus I.: „Ich habe Hoffnung“

Karl-Josef Schäfer Foto: Privat

Karl-Josef Schäfer von „Wir sind Kirche“ über den neuen Papst.

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Zur Person

Karl-Josef Schäfer (56) ist Sprecher der katholischen Reformbewegung „Wir sind Kirche“ im Bistum Limburg.

„Wir sind Kirche“ wurde 1995 gegründet und fordert grundlegende Änderungen, etwa die Gleichstellung von Frauen in der katholischen Kirche.

Herr Schäfer, was erhoffen Sie sich vom neuen Papst?

Die große Erwartung in das Pontifikat von Franziskus ist, dass er die Ärmel hochkrempelt und die Reformen, die bei seinen beiden Vorgängern in den Schubladen verstaubt sind, endlich angeht.

Was muss er konkret tun?

Das Allerwichtigste ist die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, die es weltweit in der Kirche gegeben hat. Dann muss dringend etwas an der Gleichstellung der Frau in der Kirche getan werden und an der Beteiligung der Laien. Außerdem bedarf die katholische Sexualethik einer Überarbeitung, zum Beispiel, was die Stellung der Homosexuellen betrifft. Und wir fordern die Wiederzulassung von wieder verheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten sowie die freie Entscheidung für die Geistlichen, ob sie zölibatär leben wollen oder nicht.

Glauben Sie, dass Franziskus diese Reformen umsetzt?

Er wird sie zumindest anstoßen. Es ist eine gewaltige Aufgabe, die sicherlich mehr als ein Pontifikat in Anspruch nehmen wird. Aber er kann sie anstoßen, er kann den katholischen Gläubigen weltweit wieder Vertrauen in die Kirche geben.

Bisher ist ja vor allem zu hören, Franziskus sei ein konservativer Theologe.

Sagen wir es so: Er hat bisher konservative Züge gezeigt, er ist aber auch als liberaler Theologe bekannt, von daher könnte es durchaus sein, dass er mit diesen Reformen beginnt. Wir haben ja immer erlebt, dass es zwei verschiedene Paar Schuhe sind, als Kardinal irgendwo in der Kirche oder als Papst in Rom zu fungieren. Viele Päpste haben sich völlig anders entwickelt, als man im Vorhinein gesagt hat. Von daher habe ich Hoffnung und bin optimistisch.

Spielt Franziskus’ Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen in Argentinien dabei für Sie eine Rolle?

Ja, natürlich. Wir haben gestern Abend bei der Präsentation auf dem Balkon des Petersdoms schon gesehen, dass wir es mit einem bescheidenen Papst zu tun haben – mit jemandem, der erst einmal die Menschen auffordert, für ihn und sein Pontifikat zu beten, bevor er den Segen spendet. Ich glaube schon, dass er als Jesuit und jemand, der der Befreiungstheologie nahestehen müsste, in der Lage ist, die Kirche zurück zu den Ursprüngen, zum Evangelium zu führen. Wer gestern Abend den neuen Papst im Fernsehen gesehen hat, der hat gemerkt, wie ihm die Herzen nicht nur der Gläubigen auf dem Petersplatz, sondern der Katholiken weltweit entgegengeflogen sind.

Ist auch der Name Franziskus für Sie ein Hoffnungszeichen?

Ja, nomen est omen. Der Name könnte gerade in diesem Fall Programm sein.

Werden Sie Ihre Forderungen jetzt noch lauter in Richtung Rom stellen?

Eigentlich liegt der Ball bei der Kirche. „Wir sind Kirche“ als Reformbewegung fordert, dass Gespräche aufgenommen werden und die Kirche sich mit uns an einen Tisch setzt. Die Stimmung ist im Moment erst einmal aufatmend, weil die Entwicklung jetzt zumindest nicht mehr rückwärtsgerichtet ist, sondern man wieder in die Zukunft schauen kann.

Das Interview führte Hanning Voigts

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