Im Ebereschenweg geht es zu wie an einem begehrten Strand. Wie im Urlaub, wenn jeder versucht, sich den besten Liegeplatz schon um halb sechs Uhr morgens per Handtuch zu sichern, legen die Anwohner im Ebereschenweg Steine auf den begehrten Parkplatz oder stellen Anhänger darauf. Das geht so weit, dass die Vorgärten eigenhändig plattgemacht werden, um das Auto direkt neben dem Wohnzimmer abstellen zu können. Illegal und ohne Baugenehmigung. Die Polizei ist ebenso Dauergast wie Streifen, die vermeintlichen Falschparkern Knöllchen ausstellen. Auch die Bauaufsicht ist alarmiert.
"Vier Knöllchen habe ich schon"
Thomas Hahn blickt auf sein Auto und siehe da, schon wieder ein Strafzettel. In letzter Zeit werden es immer mehr. „Vier habe ich schon“, sagt Hahn kopfschüttelnd. Bezahlt hat er bisher nicht. Denn wenn Hahn Einspruch gegen das Knöllchen einlegt, bekommt er Recht. Er parkt sein Auto nämlich nur scheinbar vor einer Ausfahrt.
Seine Nachbarn von der anderen Straßenseite haben diese eigenhändig und ohne Baugenehmigung angefertigt. „Einige nehmen hier Sondernutzungsrechte in Anspruch“, sagt Hahn. Weil auch er in der Straße parken will, stellt er sich eben vor die vermeintlichen Stellplätze und kassiert einen Strafzettel nach dem anderen. Und den Ärger der Nachbarn. „Mir sind schon Prügel angedroht worden“, berichtet der Anwohner. Die Polizei sei mittlerweile Dauergast in der Straße, heißt es von anderen Anwohnern.
Nicht die illegal geschaffenen Parkplätze sind das Hauptproblem, sondern der zu geringe Parkraum
Ab der Hälfte des Ebereschenwegs ist Parken nur noch auf einer Seite erlaubt. Die Straße ist nicht sonderlich breit und dazu noch eine Sackgasse. Bei Gegenverkehr muss ein Auto in die nicht vorhandenen Parklücken ausweichen oder zurücksetzen. „Sogar der Krankenwagen kann nicht wenden“, berichtet Helmut Stoß. Er ist ein Nachbar von Hahn, wohnt ebenfalls auf der nicht beparkbaren Seite. Im Ebereschenweg hat er einen Wohnwagen samt Anhänger stehen, dazu kommt noch ein Pkw im eigenen Garten.
Die Bauaufsicht ist über die Vorgänge informiert. „Es sind nur Ausnahmen für Behindertenstellplätze möglich“, sagt Abteilungsleiter Uwe Amend. Seine Behörde hat Briefe verschickt und die Erbauer der unerlaubten Stellplätze aufgefordert, diese zurückzubauen. Einige Anwohner haben aber genehmigte Stellplätze, die natürlich auch nicht zugeparkt werden dürfen. Eine undurchschaubare Situation für Anwohner und Polizei. Das Hauptproblem sind aber nicht die illegal geschaffenen Privatparkplätze, sondern der zu geringe Parkraum im Allgemeinen.
Weil die Müllabfuhr nicht durchkommt, bleiben einige Mülltonne ungeleert
Thomas Hahn schlägt deshalb vor, einen der Bürgersteige zu entfernen und das Parken dann auf beiden Seiten zu erlauben. Kaum vorstellbar, dass diese Lösung wegen Vorschriften wie der Straßenbreite umsetzbar ist. „Es gibt nicht auf allen Frankfurter Straßen beidseitige Gehwege“, begründet Hahn seine Idee. Zudem habe eben nicht jeder die Möglichkeit, sich einen Stellplatz in den Vorgarten zu bauen. Deshalb parke er eben vor den illegalen Stellplätzen. Auf der anderen Straßenseite stünde er nämlich tatsächlich im absoluten Halteverbot. Auch das geschieht im Ebereschenweg oft genug – so konnte etwa die Müllabfuhr schon mehrere Male nicht bis hinten in die Straße fahren, einige Tonnen blieben dann ungeleert.
Helmut Stoß fordert, dass die Stadt am Ende der Straße Parkplätze schafft. Hinter dem Wendehammer, der eigentlich keiner ist, weil auch hier zu viele Fahrzeuge stehen, sind im Bebauungsplan Kleingärten vorgesehen. Die würden jedoch nur weitere Autos in die Straße bringen, ist sich der Anwohner sicher. „Die Leute würden auch für Parkplätze zahlen“, sagt Helmut Stoß. Er würde jedenfalls sofort einen Platz mieten, um seinen großen Wohnwagen von der umstrittenen Straße zu bekommen.

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