Nach dem Referendariat ist vor der Festanstellung. So zumindest der Idealfall. Doch Frankfurt ist mit sogenannten Planstellen nicht mehr ganz so großzügig gesegnet wie noch vor kurzer Zeit. Die Kollegien scheinen größtenteils verjüngt, die Etats sind klamm und zudem droht der Doppeljahrgang von G8/G9 schon zum nächsten Schuljahr mit einem Überhang an personellen Kapazitäten. Aber noch ist nicht aller Schultage Abend.
Nach bestandenem Examen schicke ich meine Bewerbung an diverse Schulen in Frankfurt und Umgebung. Aber wohin will ich eigentlich? Gymnasium, Gesamtschule oder Privatschule? Ich stelle mich an mehreren Einrichtungen vor. Doch trotz guter Gespräche können mir weder die Frankfurter Bettina- noch die Ernst-Reuter-Schule konkrete Zusagen machen. Dann ein Vorstellungsgespräch an einer Privatschule im Westend. Mir sitzt der Personalchef gegenüber, der meinen Lebenslauf prüft. Generelles Interesse an einer baldigen Zusammenarbeit, auf ein Angebot warte ich bis heute. Sei’s drum. Ich habe andere Prioritäten – in Hanau. Der Schulleiter ist sehr freundlich und stellt mir in aller Ausführlichkeit sein berufliches Gymnasium bis hin zur – nach dem Sohn der Stadt benannten – Rudi-Völler-Arena vor. „Der kommt doch aus Offenbach“, bemerke ich ziemlich blauäugig und merke, wie die eben noch gute Stimmung für Sekundenbruchteile gefriert.
Trotz dieses Fauxpas bekomme ich eine Planstelle zum 1. Februar angeboten, die ich zunächst annehme, um sie wenige Tage später wieder abzusagen. „Tante Käthe“ möge mir verzeihen – denn mittlerweile hat sich die Integrierte Gesamtschule in Oberursel-Stierstadt gemeldet. Auch hier verläuft das Vorstellungsgespräch sehr positiv. Und um mir einen besseren Einblick in das hiesige Schulleben zu verschaffen, hospitiere ich tags darauf in einer achten Klasse. Was ich gleich merke: Hier weht ein anderer Wind. Morgenkreis. Teamsitzungen. Wochenpläne. Besuche bei den Eltern. In Deutsch geht es heute um das Thema Zeitung. Der Lehrer lässt den Schülern Zeit, sich Gedanken zu einer Aufgabenstellung zu machen. Eine Minute vergeht. Zwei, drei. Spätestens jetzt, denke ich, wäre der Zeitpunkt, um über Tische und Stühle zu gehen oder das Mäppchen des Nachbarn auszuleeren. Nichts dergleichen passiert. Die Schüler sind still und denken aktiv mit. Ich bin verblüfft, hier wird konsequent pädagogisch gearbeitet. Noch am Abend sage ich definitiv zu. Kurz vor Weihnachten dann doch die Zusage der Bettinaschule. Ein Vertrag auf Angestelltenbasis mit Aussicht auf eine Verbeamtung. Kurzes Zögern. Aber nein, diesmal ist die Entscheidung unumstößlich.
Dirk Pope hat nach zehn Jahren als Werbetexter die Fronten gewechselt; für die Frankfurter Rundschau berichtete er heute zum letzten Mal über seine Erfahrungen.

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