Nach den blutigen Auseinandersetzungen der vergangenen Tage hat die Polizei am Donnerstagabend bei einer Großrazzia im Bahnhofsviertel mehrere hundert Menschen kontrolliert. Polizisten sperrten um 22 Uhr die Kreuzung von Taunus- und Elbestraße ab und durchsuchten Laufhäuser, Tanzlokale, Spielhallen, Hotels und Sexshops. Insgesamt seien mehr als 20 Häuser kontrolliert worden, sagte Polizeisprecher Rüdiger Reges in der Nacht vor Ort. Mit der Aktion habe die Polizei einerseits Straftaten verhüten, erforschen und verfolgen wollen, andererseits diene sie auch der „Steigerung des Sicherheitsgefühls im Viertel“.
Bis 2 Uhr in der Nacht kontrollierte ein Großaufgebot der Polizei insgesamt 481 Menschen, sie mussten sich ausweisen und wurden gründlichen Leibesvisitationen unterzogen. Die mit rot-weißen Flatterbändern weiträumig abgesperrte Kreuzung durften auch Anwohner nur nach vorheriger Durchsuchung betreten, sie berichteten später, von Polizisten bis zur ihren Wohnungstüren begleitet worden zu sein. Wer laut Personalausweis nicht am Wohnort gemeldet war, erhielt erst nach Ende der Aktion wieder Zutritt zur eigenen Wohnung.
Polizeisprecher Reges berichtete am Freitag von acht vorläufigen Festnahmen wegen Verstößen gegen das Waffengesetz, Aufenthaltsgesetz und Betäubungsmittelgesetz. Dabei fanden die Polizisten bei einer Person ein nicht deklariertes Pfefferspray sowie 30 Gramm Marihuana bei einer Frau. Als die Einsatzkräfte eintrafen, habe ein Mann noch versucht eine Tasche unter einem Auto zu verstecken. In ihr hatte er gestohlene Kleidung aus einem Modegeschäft verstaut. Der Mann wurde vorläufig festgenommen. Ein anderer Mann zeigte laut Reges kein Verständnis für die Kontrollen und leistete massiven Widerstand. Ihn erwarte eine Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Insgesamt sei die Aktion „friedlich und ohne weitere Störungen“ verlaufen.
Reges sagte, die Kontrolle stehe nicht in direktem Zusammenhang mit den blutigen Auseinandersetzungen der vergangenen Tage. Sie sei bereits längerfristig geplant gewesen und habe durch die jüngsten Ereignisse lediglich zusätzliches Gewicht bekommen. „Es ging nicht darum, spezielle Täter zu ermitteln oder bestimmten Straftaten nachzugehen“, sagte Reges.
Zuletzt hatten sich am frühen Mittwochmorgen mehrere Männer eine Auseinandersetzung mit abgebrochenen Flaschen, einem Messer und einer Holzlatte geliefert. Dabei waren drei Männer leicht und zwei schwer verletzt worden. Einer von ihnen erlitt Schnitt- und Stichverletzung am Bauch, ein anderer eine Schädelfraktur. Dem Streit waren nach Ermittlungen der Polizei vermutlich Unstimmigkeiten wegen eines Drogengeschäfts vorausgegangen. Bereits am späten Sonntagabend war ein Mann auf der Taunusstraße durch einen Messerstich in die Brust schwer verletzt worden und auf der Straße zusammengebrochen. Bereits da hatte die Polizei den Kreuzungsbereich stundenlang abgesperrt.
Wenige Stunden später hatte es am schließlich eine weitere blutige Auseinandersetzung in der Moselstraße gegeben. Dort waren vier Männer am frühen Morgen vor dem „Coco Loco“ mit Bierflaschen aufeinander losgegangen, dabei waren drei von ihnen leicht und einer schwer verletzt worden. Die Bundespolizei fasste drei der Männer, als sie am Hauptbahnhof mitten auf der Straße mit ihrem Auto stehen blieben. Einer der Insassen hatte schwerste Kopfverletzungen davongetragen. Der vierte Beteiligte war schließlich in seiner Wohnung nahe des Tatorts gefunden worden. Die Polizei hatte die Straße anschließend bis in den Montagvormittag hinein abgesperrt, die Spurensicherung markierte zahlreiche Hinweise auf Fahrbahn und Bürgersteig.
In der seit Jahren steigenden Zahl von Anwohnern war bereits in den vergangenen Monaten eine neue, kontrovers geführte Debatte über die Sicherheit im Viertel entbrannt. Nach Erkenntnissen der Polizei stehen die jüngsten Ereignisse nicht in einem Zusammenhang. Die Hintergründe der einzelnen Auseinandersetzungen seien weiterhin unklar, sagte Polizeisprecher Reges. Die Vernehmungen der einzelnen Beteiligten hätten keine neuen Erkenntnisse gebracht.
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